Internationale Presseschau vom 15.5.2009
GM: 1800 Händler auf der Abschussliste

Die internationale Wirtschaftspresse gibt ein Update zum Krisenmanagement bei Opel-Mutter GM, die ihr Händlernetz ausdünnt und die Rückendeckung der Gewerkschaft sucht. Die Financial Times berichtet über eine Mega-Übernahme in der Branche der Vermögensverwaltung. Laut Vedomosti baut VW seine russische Produktion aus. Fundstück: BH mit Ablaufdatum.

Das Wall Street Journal berichtet über das Händlersterben in den USA, nachdem Chrysler gestern eine Liste von 789 Händlern - rund ein Viertel des gesamten Händlernetzes - vorgelegt hat, die geschlossen werden sollen; am heutigen Freitag werde GM selbst eine Abschussliste mit rund 1000 Händlern präsentieren; weitere 1600 der insgesamt 6000 Händler folgten möglicherweise bei einem GM-Insolvenzverfahren. Bis dato seien 89.000 Angestellte von den Schließungen betroffen. Das Überangebot an Händlern sei ein zentraler Faktor beim Niedergang von GM gewesen, da der ständig sinkende Marktanteil des Herstellers aus Detroit dazu geführt habe, dass selbst Händler derselben Marke einen aggressiven Preiswettbewerb untereinander geführt und sich gegenseitig die Gewinnmarge beschnitten hätten - während Toyota und andere ausländische Rivalen mit weitaus weniger Standorten prosperiert hätten. In Zahlen: Der durchschnittliche Chrysler-Händler habe im vergangenen Jahr 303 Autos verkauft, der Toyota-Wettbewerber fast 1300. Die Folgen der Schließungen seien gravierend, da die Händler in kleinen Städten und Gemeinden oft die größten Arbeitgeber vor Ort seien.

In einem weiteren Artikel berichtet das Wall Street Journal, dass GM kurz davor sei, ein Abkommen mit der Gewerkschaft United Auto Workers zu schließen, nach dem die Arbeitskosten um rund eine Milliarde Dollar pro Jahr sowie die Zahlungen des Unternehmens in den Fonds für Gesundheitskosten um die Hälfte (zehn Milliarden Dollar) gesenkt werden könnten. Das Abkommen werde möglicherweise Anfang kommender Woche unterzeichnet. Die Rückendeckung der Gewerkschafter sei aus Sicht des US-Finanzministeriums die Voraussetzung für die geplanten massiven Restrukturierungen des Konzerns in einem "kontrollierten Insolvenzverfahren".

Aus Sicht der Dealzone, dem Blog des Wirtschaftsdiensts Reuters, ist ein Insolvenzverfahren für GM aktuell wahrscheinlicher denn je. Seit Wochen bereite GM die Kunden, Angestellten und Lieferanten auf die harte Landung vor, die Analysten Ende des Monats erwarteten. Das entscheidende Datum sei der 1. Juni, wenn eine Anleiheauszahlung von einer Milliarde Dollar fällig sei, die GM umschiffen wolle. Fünf Tage zuvor, am 27. Mai, erfahre GM, wie erfolgreich die Offerte zum Umtausch von Anleihen im Wert von 27 Milliarden Dollar in Aktien gewesen sei. "Analysten und Restrukturierungsexperten sehen kaum eine Chance, dass GM das Ziel erreicht und die Bilanz fast ganz von Anleiheschulden säubert. Dies böte nur noch eine Option: Insolvenz nach Chapter 11."

BusinessWeek nimmt GM vor empörten Gewerkschaftern in Schutz, die Pläne des Unternehmens kritisierten, nach denen GM künftig mehr Autos für den US-Markt in China und anderen Billigproduktions-Ländern herstellen will. "Wenn der eine Markt kriselt, muss ein Unternehmen in der Lage sein, die Produktion woanders zu verkaufen", fordert das Magazin. Toyota habe jahrelang die in Japan gefertigten Autos entweder vorwiegend in Japan selbst oder in den USA verkauft, um die Auslastung der Fabriken möglichst hoch zu halten. Problematisch sei jedoch, dass China von GM verlangen würde, Partnerschaften mit eigenen Unternehmen einzugehen und Teile aus chinesischer Produktion in die Autos einzubauen. Andererseits würde China Importe aus den USA mit "fetten 25 Prozent" besteuern, ergo könnte GM Buicks aus chinesischer Fertigung zwar billig in den USA verkaufen, der Vertrieb von Autos aus der US-Produktion in China wäre jedoch teuer. Dennoch rät das Magazin GM dazu, das "Genöle" der Gewerkschaft zu überhören, im Gegenzug jedoch die chinesische Regierung darauf zu drängen, das "Spielfeld" zu "planieren", um die Voraussetzungen für den China-Vertrieb zu verbessern.

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