Internationale Presseschau vom 15.7.2009
Goldman Sachs: ein Ein-Quartals-Wunder?

Die internationale Wirtschaftspresse warnt trotz des Rekord-Quartals von Goldman Sachs vor Euphorie – habe sich die Konkurrenz erst ruiniert, sprudelten die Einnahmen frei und ungeniert, so die Börsen-Zeitung. Cinco Dias beobachtet Spaniens Appetit auf erneuerbare Energien. Laut Vedomosti kann Ikea in Russland hoffen. Fundstück: Mode-Weltmeister sind Pfennigfuchser.

Das Wall Street Journal fürchtet, der 3,4-Milliarden-Dollar-Quartalsgewinn von Goldman Sachs sei nicht nachhaltig. Der Gewinn sei durch den florierenden Handel mit festverzinslichen Papieren und Unternehmensanleihen entstanden. Dieser Handel habe fast drei Viertel des Umsatzes ausgemacht. Zum Vergleich: Im ersten Quartal 2007 - dem bislang besten Quartal in der Geschichte von Goldman Sachs – habe der Handel 60 Prozent des Umsatzes ausgemacht; vor einem Jahr seien es 50 Prozent gewesen. „Schon werden Stimmen laut, dass das rapide Wachstum in einem einzigen Segment die Gewinnmaschine des Instituts nicht auch im Rest des Jahres am Laufen halten kann“, gibt das Blatt zu bedenken. Ein Großteil des Erfolges sei auf die Schwäche der Konkurrenz zurückzuführen.

Die Börsen-Zeitung führt die guten Quartalsergebnisse von Goldman Sachs auf die fehlende Konkurrenz und die staatliche Unterstützung zurück. „Hat sich die Konkurrenz erst ruiniert, sprudeln die Einnahmen frei und ungeniert“, schreibt das Blatt. Im Geschäft mit festverzinslichen Papieren sei Bear Stearns die Hauptkonkurrenz gewesen, bis die US-Notenbank Fed und JP Morgan das Institut stützen mussten. Im Energiehandel habe das Institut mit der Pleite-Bank Lehman Brothers gewetteifert. Im Investmentbanking-Bereich sei Goldman auf Merrill Lynch getroffen, die nach der Übernahme durch die Bank of America nur ein Schatten ihrer selbst sei. Ein entscheidender Vorteil für Goldman Sachs gegenüber Universalbanken sei das fehlende Massengeschäft. „Die Mitarbeiter können sie auf fette Boni freuen und sollten den US-Bürgern nachsehen, wenn diese sich nicht so richtig mitfreuen können“, schreibt das Blatt. „Allerdings sollte die Regierung Goldman beim Rückkauf einer Option auf Stammaktien wenigstens ordentlich zur Kasse bitten“.

Die guten Quartalsergebnisse unterstreichen die einzigartige Position von Goldman Sachs in der geschwächten Finanzindustrie, meint BusinessWeek. Allerdings seien die Zahlen kein Indiz für eine allgemeine Erholung in dem Sektor. Die Investment-Bank, die geschickt durch die Krise navigiert habe und sogar von ihr profitieren konnte, sei als eines der stärksten Finanzinstitute überhaupt daraus hervorgegangen. „Man betrachtet die Bank besser isoliert, anstatt in ihr die Zukunft der Wall Street zu sehen“, rät das Blatt. „Mit Ausnahme von JP Morgan Chase wird die Konkurrenz kaum an die Leistungen von Goldman Sachs herankommen.“. Die Citigroup und Bank of America hätten noch immer mit der Last von Schrottpapieren zu kämpfen. Goldman Sachs dagegen gehe wieder mehr Risiken ein.

Goldman-Boni in der Kritik

Die Löhne bei Goldman Sachs könnten in diesem Jahr noch höher ausfallen als in den besten Boomzeiten, berichtet die Financial Times. Die Aussicht auf Rekordboni bei Goldman werde wahrscheinlich die Diskussion über Banker-Gehälter neu entfachen. Die gestrigen Zahlen hätten sogar die optimistischsten Analysten überrascht. „Wenn die Bank ihr Wachstum beibehält, können die Mitarbeiter mit Zahlungen von insgesamt mehr als 22 Milliarden Dollar oder mit durchschnittlich 770.000 Dollar pro Mitarbeiter rechnen“, schreibt die Zeitung. Die Führungskräfte könnten sogar wie 2006 und 2007 mit zweistelligen Millionen-Boni rechnen. Einige US-Abgeordnete hätten auf diese Auszahlungspläne bereits gereizt reagiert. „Goldman muss begreifen, dass man nicht einfach so weiter machen kann wie bisher, anderenfalls wird es eine große Empörung geben“, zitiert das Blatt einen Abgeordneten.

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