Internationale Presseschau vom 16.10.2008
„McCain braucht jetzt ein Wunder“

Die internationale Wirtschaftspresse kürt Barack Obama als Gewinner des dritten TV-Duells mit John McCain – der Republikaner habe sich zu aggressiv und uninspiriert präsentiert. The New Republic zeigt, wie Lobbyisten von Fannie & Co. den US-Kongress geschmiert haben. Der Economist schickt Finanz-Titanen ins Gefängnis. Fundstück: Chansons verstaatlichen!
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Die New York Times sieht Barack Obama als Gewinner des gestrigen TV-Duells. McCain habe sich zu starr an sein Redeskript gehalten, sich in bizarre Vorwürfe verstrickt – Obama habe einem Klempner in Ohio angedroht, ihm seinen Reichtum wegzunehmen –, und insgesamt aufgewühlt und verzweifelt gewirkt, was angesichts des bisherigen Verlaufs des Wahlkampfes verständlich sei. „Das größte Problem von McCain liegt darin, dass ihm gute Ideen, wie die Probleme des Landes gelöst werden können, fehlen“, bilanziert die Zeitung. Seine große Rede zur Wirtschaft in dieser Woche sei „voll mit ernstlich schlechten Ideen“ gewesen, darunter den Vorschlag, die ohnehin schon niedrige Kapitalertragsteuer zu halbieren. „Das würde die Wirtschaft nicht retten. Dies würde die Regierung noch tiefer in die Schulden stürzen und die aktuelle Steuer-Struktur, die Reiche belohnt, noch unfairer machen.“

Die Dallas News bescheinigt John McCain, gestern Abend die beste Leistung seiner drei TV-Duelle mit Obama abgeliefert zu haben. Zwar seien beide Kandidaten mit Blick auf eine Lösung der Finanzkrise „frustrierend vage“ gewesen; außerdem sei weder McCain noch Obama auf die Sorge, das US-Defizit könne explodieren, eingegangen – unter dem Strich sei McCain jedoch klarer mit seinen Aussagen gewesen. Der Republikaner sei aber im Catch-22-Dilemma gewesen: Da Obama seinerseits keine großen Fehler unterlaufen seien, habe McCain nichts zu gewinnen gehabt – und so auch nicht gewonnen. „McCain braucht jetzt ein Wunder“, schließt das Blatt.

Die Zeit hat live aus den USA gebloggt und meint, dass McCains Leistung nicht gereicht habe, um das Spiel auf den Kopf zu stellen. Zwar habe der Republikaner vor allem beim Wirtschaftsthema Boden gutgemacht und „besorgter, wärmer, nicht so abgehoben wie sonst“ gewirkt, dann jedoch seine Vorwürfe, Obama habe einen engen Kontakt mit dem früheren Radikalen Bill Ayers, überzogen. Obama indes habe die Gelegenheit genutzt, „sehr präsidentiell“ auszusehen, und weder wütend auf die Angriffe reagiert, noch selbst Palin angegriffen. Der Demokrat sei zwar nicht brillant gewesen, habe aber am Ende bei Bildung und Abtreibung punkten können. „Aber für ihn kam es darauf an, dass die Leute sich daran gewöhnen, dass er bald der Präsident sein könnte und das nicht völlig bizarr ist. Er hat das geschafft.“

Forbes hält McCain vor, dem Kontrahenten zweimal seine Eloquenz vorgeworfen zu haben, selbst jedoch einen Wahlkampf zu inszenieren, dem es an Eloquenz mangele. „Von dem Moment an, in dem seine Nominierung sicher war, hätte er klar kommunizieren müssen, wie er sich von Präsident Bush unterscheidet und wie seine Politik die Wähler der Mittelschicht überzeugen soll.“ Sich auf Ayers und andere negative Attacken einzuschießen, verstärke dieses Bild von McCain in der Öffentlichkeit nur noch. Im Gegensatz dazu wirke Obama beständig. „Der Anschein von Beständigkeit führt zum Vertrauen, was auf diesem Markt Gold wert ist.“

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