Internationale Presseschau vom 16.2.2009
Kratzer im Lack der Edelmarken

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die Pläne von Mercedes und BMW, ihre Zusammenarbeit massiv auszuweiten. Die Sunday Times wähnt Lloyds TSB-Boss Eric Daniels in einer Löwengrube. Boursier.com präsentiert Rezepte gegen die Krise aus Sicht des französischen Erdölkonzerns Total. Fundstück: Der King of Pop for Sale.

Kooperation ja, aber nur in begrenztem Maße, gibt die Süddeutsche Zeitung angesichts der Gespräche zwischen Mercedes und BMW zu bedenken: „Wer einen BMW kauft, entscheidet sich damit gegen einen Mercedes. Wer sich einen Mercedes zulegt, der will keinen BMW“, argumentiert das Blatt. Dieser Unterschied, den es offenkundig gebe, schränke die Möglichkeiten für eine engere Zusammenarbeit der beiden Erzrivalen ein – wollten diese nicht die Identität ihrer Marken gefährden. Gegen eine Ausweitung der ohnehin bestehenden Kooperation spreche aber auch der Markt: „Die beiden sind die Mittelständler in einer Industrie, die global vernetzt ist wie keine zweite. Sie werden bedrängt von den richtig Großen.“ Selbst wenn Mercedes und BMW zusammen kämen, würden sie aber nur auf knapp drei Millionen Fahrzeuge im Jahr kommen, das sei ein Drittel der Produktion von Toyota, der Nummer eins weltweit. Und sie produzierten nur die Hälfte der Autos, die der VW-Konzern herstelle: „Zu ihm gehört Audi, der Konkurrent auf Aufholjagd. Er besitzt den Zugriff auf die Baukästen und die Einkaufsmacht von VW.“

Keine andere Wahl haben Mercedes und BMW dagegen nach Auffassung der Frankfurter Rundschau, denn beide Edelmarken hätten tiefe Kratzer. „Das beneidete Vorbild ist der Konkurrent Audi, der lange auf der Überholspur war und von der Krise wohl nur kurzfristig gebremst wird. Denn die Ingolstädter haben die große Konzernmutter VW im Rücken – BMW und Daimler sind auf sich allein gestellt.“ Audi profitiere von der mit VW weit größeren Einkaufsmacht und könne sich mit Wolfsburg auch Entwicklungskosten trefflich teilen. Das addiere sich zu einem riesigen Kostenvorteil, der auch ohne Autokrise immer deutlicher zum Tragen komme. Ein weiteres Manko sei aber auch die Modellpolitik: Von der Abwrackprämie könnten Mercedes und BMW fast nur über ihre Kleinwagenmarken Smart und Mini profitieren – „während die einst belächelten Massenhersteller im großen Stil punkten.“ Ohne mehr Sprit sparende und schadstoffarme Kleinwagen kämen BMW und Mercedes unter die Räder, und das schreie nach einem strategischen Partner, „entweder nach einem Bündnis mit einem Dritten oder einem Schulterschluss beider Luxusmarken, und zwar möglichst bald.“

Eine Dreierkooperation Daimler, BMW und Oper schlägt die Westdeutsche Zeitung vor. Den beiden Prestige-Marken fehle, was den VW-Konzern so stark mache: das Volumen-Segment der Kompakt-Fahrzeuge. „Mercedes und BMW werden nicht umhin kommen, im Preiskampf-Bereich unterhalb der Mittelklasse gemeinsam Kosten zu sparen – so lange es den Nimbus der Marken nicht berührt. Beim gemeinsamen Materialeinkauf klappt das bereits. Kein Mercedeskunde bemerkt, wenn seine Klimaanlage die gleiche ist wie im BMW.“ Warum also nicht auch die Kompakt-Modelle auf einer gemeinsamen Plattform bauen? Die Konkurrenz in Wolfsburg zeige, wie das gehe, ohne das individuelle Image von VW, Audi, Skoda und Seat zu beschädigen. „Bei den Kompakten, wo noch der meiste Umsatz gemacht wird, hat die VW-Gruppe vergangenes Jahr 2,1 Millionen Wagen aus einem und demselben Baukasten auf die Räder gestellt – das sind etwa doppelt so viele wie bei Mercedes, BMW und Opel zusammengerechnet.“ Gerade die Bochumer hätten mit dem neuen Astra genau die Plattform im Angebot, auf die sich unter Nutzung von Synergien kostengünstig Alltagsautos mit Mercedes-Stern, BMW-Logo und Opel-Blitz setzen ließen. „Das bietet die Chance, Preise zu senken und Arbeitsplätze in NRW zu erhalten, wenn nämlich Opel von seinem Mutterkonzern in Detroit unabhängiger werden und aus eigener Kraft überleben kann.“

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