Internationale Presseschau vom 16.3.2009
AIG: „Zu groß um seinen Rettern zu entkommen“

Die internationale Wirtschaftspresse zeigt sich empört von den Ankündigungen der AIG, Boni in Gesamthöhe von 1,2 Milliarden Dollar auszahlen zu wollen. Der Economist erklärt, woran Schaeffler bei der Übernahme von Conti gescheitert ist. The Standard beobachtet einen Wandel beim Investitionsverhalten des chinesischen Staatsfonds. Fundstück: Die hündische Natur prominenter CEOs.

Das Wall Street Journal macht die heftigen Proteste gegen die Bonuszahlungen der American International Group (AIG) zum Aufmacher: „Die Enthüllungen über die anstehenden Boni zeigen, wie eng, aber auch wie unbehaglich die Beziehung zwischen dem Versicherer und der US-Regierung ist, die vor sechs Monaten die Rolle des ruhelosen Gläubigers übernahm, und nun keine Wahl hat, als ein geduldiger Verbündeter zu sein.“ An diesem Bild sei etwas „gewaltig falsch“, zitiert das Blatt einen Kritiker, dieses rücksichtlose Auftreten müsse sofort beendete werden, und CEO Edward Liddy, der die Boni in einem Brief an US-Finanzminister Timothy Geithner angekündigt habe, zurücktreten. Zumal ebenfalls bekannt geworden sei, dass AIG zwischen dem 16. September und 31. Dezember 2008 rund 120 Milliarden US-Dollar an Partner in den USA, aber auch in der ganzen Welt verteilt habe, darunter Goldman Sachs, die französische Société Générale und die Deutsche Bank. „Diese Enthüllungen bergen ein politisches Risiko, besonders aufgrund der Tatsache, dass die Dollar der amerikanischen Steuerzahler durch AIG an private Unternehmen und ausländische Banken in der ganzen Welt geflossen sind.“

„So schlimm Horrorfilme sind, sie können nicht grausiger daherkommen als der sich ewig fortsetzende Versuch der US-Regierung, den Versicherer AIG zu retten“, schimpft der National Business Review aus Neuseeland. Und wo diese düstere Geschichte, die von einem „Firmenvampir“ handele, der immer wieder kehre, um das Blut der Steuerzahler zu trinken, ende, sei nicht gewiss. „Der AIG-Alptraum zeigt, was schief gehen kann, wenn Regierungen einschreiten, um eine angeschlagene Firma zu retten, die zu groß sei um bankrott zu gehen. Dieses Zu-groß-um-bankrott-zu-gehen ist doch nur ein Euphemismus, weil diese Firmen schon längst bankrott sind – mit dem Unterschied, dass die Regierung vor der Tür steht und die Wölfe fernhält.“ Insgesamt vier Rettungspläne habe AIG seit September 2008 hinter sich, keiner habe gefruchtet, und der fünfte Plan sei sicher schon in Vorbereitung. Zu groß um bankrott zu gehen bedeute für eine Firma wie AIG offenbar „zu groß um seinen Rettern entkommen zu können“. Was es letztlich die US-Notenbank und das US-Finanzministerium kosten könne, um die AIG im Geschäft zu halten, hätten Insider bereits ausgerechnet: „200 Milliarden US-Dollar.“

Die möglichen Folgen für die Finanzwirtschaft beleuchtet das US-Portal 24/7 Wallstreet.com: „Es handele sich bei den Bonuszahlungen um legale Verbindlichkeiten der AIG, zu dumm aber auch, dass die US-Regierung solche Vereinbarungen nicht verhindern kann.“ Klar aber sei, dass die neuesten Entwicklungen bei der AIG eine gewisse Anzahl an Congress-Mitgliedern dazu bringen dürfte, sich gegen weitere Hilfszahlungen für amerikanische Finanzinstitute auszusprechen. „Das würde den Prozess um die Stabilisierung des Kreditmarktes deutlich erschweren.“ Doch nicht nur den Congress, auch die Öffentlichkeit könne AIG nun gegen Hilfsmaßnahmen aufbringen, und zwar „gegen jegliche Rettung von Finanzfirmen. Doch genau das wäre jetzt so wichtig für die US-Wirtschaft.“

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