Internationale Presseschau vom 16.4.2009
US-Wirtschaft: Inflation oder Deflation?

Die internationale Wirtschaftspresse debattiert angesichts des Preisverfalls die Gefahr einer Deflation in den USA. Die NZZ kommentiert die Entwicklung bei der UBS. Die Gaceta de los Negocios macht die Türkei als Ziel spanischer Investitionen aus. Kommersant sieht einen neuen Gasstreit zwischen Russland und Ukraine heraufziehen. Fundstück: Die zehn Sünden des Krisenmanagements.

"Willkommen im Inflationskrieg", kommentiert Forbes die jüngsten Meldungen zum Preisverfall in den USA und die daraus resultierende Debatte über eine drohende Deflation. "Auf der einen Seite spielen die US-Regierung und die US-Notenbank (Fed) ihre Macht aus und drucken neues Geld, auf der anderen Seite gehen massenhaft Arbeitsplätze verloren und die Verbraucher schrauben den Konsum zurück." Ein wenig Inflation sei ja gesund für die Wirtschaft, rechne man die sinkenden Kosten für Energierohstoffe und Lebensmittel heraus, seien die Preise sogar um 0,2 Prozent gestiegen. "Doch die Preise für Tabak und Zigaretten haben um 11 Prozent angezogen, das ist nicht gesund", gibt das Magazin zu Bedenken. Die Ökonomen seien sich uneins, wie die Inflation niedrig gehalten werden könne, während der Staat Geld drucke, um dieses auszugeben und schnell die Rezession zu beenden. "Helfen würde ein Anstieg der Verbraucherpreise, doch diese Hoffnung hat sich gerade zerschlagen."

Das Wall Street Journal hat divergierende Stimmen zur Deflationsgefahr in den USA eingeholt. "Relevant ist, dass die Preise, Energierohstoffe und Lebensmittel ausgenommen, im dritten Monat in Folge gestiegen sind, dieses Mal um 0,2 Prozent. Das deutet darauf hin, dass sich die US-Wirtschaft keine Gedanken um Deflation machen muss - abgesehen davon, dass sie in der schlimmsten Rezession steckt", meint UniCredit. Auch Wachovia Economics gehe nicht davon aus, dass eine problematische Phase der Deflation die US-Wirtschaft ergreifen könne. "Die Kerninflationsrate wird sich zum Ende dieses Jahres bei einem Prozent einpendeln, das ist immer noch solides, positives Terrain", so das Argument. Morgan Stanley warnt dagegen: "Auch wenn die Preise für Energierohstoffe nachgegeben haben, ist die Gefahr einer Deflation real. Und wenn es nicht eine kraftvolle, scharfe Wende hin zur Erholung der Wirtschaft gibt - was tatsächlich kaum wahrscheinlich ist - wird es Jahre dauern, bis wieder das Risiko einer Inflation auftaucht."

Das Portal Finanznachrichten.de wertet den Rückgang von Verbraucherpreisindex, Erzeugerpreisen, Einzelhandelsumsatz und Kapazitätsauslastung in den USA als Hinweise darauf, dass das Land "quasi schon mitten in der Deflation angekommen" sei: "Jetzt wird sich zeigen, wann die Maßnahmen der Fed greifen und ob diese Maßnahmen das US-Wirtschaftssystem zurück in eine moderate Inflation führen können." Interessanterweise höre man Fed-Chef Ben Bernanke bereits wieder von Zinserhöhungen reden - für den Fall, dass sich die Wirtschaft stabilisieren sollte. Mit solchen Aussagen wolle er die Marktteilnehmer beruhigen, die mit einer starken Inflation im Zuge der US-Maßnahmen zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise rechnen. Zum anderen solle die Erwähnung von möglichen Zinserhöhungen auch die Hoffnung verbreiten, die Krise werde nicht mehr sehr lange anhalten.

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