Internationale Presseschau vom 16.6.2009
Börsenrally: Rückkehr zum Prä-Lehman-Zustand

Die internationale Wirtschaftspresse misstraut der aktuellen Börsenrally und warnt vor zu großer Kurseuphorie. Report on Business deckt die Abkehr BPs von seinem grünen Image auf. Joseph Stiglitz wettert in Les Echos gegen Barack Obamas Bankenpolitik. El Economista beobachtet die Verkaufsschlacht auf Spaniens Immobilienmarkt. Fundstück: Bonos Traum von der Rettung Amerikas.

Zyklisch oder länger andauernd - das ist aus Sicht des Wall Street Journals die Frage, die Börsenexperten mit Blick auf die jüngste Börsenrally beschäftigt: "Es könnte sich nur um eine kurzfristige Erholung handeln." Historische Daten legten dies nahe: Der Dow Jones habe zwar um 34 Prozent zugelegt, sei aber 2008 um 33,8 Prozent gefallen. Auch liege er noch immer 38 Prozent unter seinem Rekordhoch von Oktober 2007. Die Zahlen könnten dahingehend gedeutet werden, dass sich die Börse derzeit in einem zyklischen Bullenmarkt innerhalb eines lang anhaltenden Bärenmarktes befinde. "Dass die Wirtschaft noch immer kämpft, stützt diese Theorie." Der Konsum stelle nach wie vor nicht zufrieden, die Industriekapazitäten würden wieder gefährlich anwachsen: "Es gibt genügend Gegenwind an der Wirtschaftsfront." Zyklen wie diese könnten mehrere Jahren andauern, die aktuelle aber dürfte nach Expertenmeinung spätestens nächstes Jahr beendet sein, wenn die Zinssätze wieder steigen und die Gefahr einer Inflation erneut aufkomme. "Selbst die Investoren, die an eine stabile Wirtschaft und an genügend Reserven glauben, verhalten sich derzeit vorsichtig."

Einen "Prä-Lehman-Zustand" attestiert die href="http://www.ftd.de/meinung/leitartikel/:Kolumne-Bayer-Willkommen-in-der-Pr%E4-Lehman-Welt/527279.html" target="_blank" class="icoWebLinkB"> Financial Times Deutschland dem Börsenmarkt: Der Dow Jones habe nach einer Rally von mehr als 34 Prozent seinen Jahresverlust wett gemacht, Anleger entdeckten wieder die Lust am großen Risiko, Unternehmen platzierten teilweise problemlos Anleihen. "Das Problem dabei ist nur: Die Krise ist noch lange nicht ausgestanden. Die Rückfallgefahr ist gewaltig." Sollten die "Masters of the Universe" tatsächlich wieder zurück seien, dann eher zurechtgeschrumpft als "Helden in Strumpfhosen". So profitierten amerikanische und europäische Banken von historisch tiefen Leitzinsen und unzähligen Liquiditätsfenstern der Notenbanken. Geldhäuser in Europa seien im hohen Maße abhängig von Repogeschäften mit der Europäischen Zentralbank: "Zusammen mit staatsgarantierten Kapitalerhöhungen machen Repogeschäfte geschätzt 25 bis 30 Prozent der längerfristigen Bankenrefinanzierung aus. Stärke sieht anders aus." Und schließlich werde vor lauter Kurseuphorie ignoriert, dass die Gewinne im S&P 500 im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 43 Prozent eingebrochen seien. "Gleichzeitig kletterte der Verschuldungsgrad um zehn Prozent." Ein Abschied von Regierungshilfen stehe deshalb nicht zur Debatte: "Die Wirtschaft befindet sich immer noch auf der Intensivstation und wird sich auch in den kommenden Monaten nicht von der Obhut des Staates emanzipieren können."

Auch das amerikanische Finanzportal The Motley Fool misstraut der aktuellen Börsenrally: "Wie weit können uns diese Green Shots tragen? Sie brauchen noch viel Sonne und Pflege, damit sie blühen. Denn was wir brauchen, sind Blüten, damit der Bulle den Bären endgültig niederringen kann." Von einer aufblühenden Wirtschaft sei Amerika aber weit entfernt: Die Unternehmen kürzten Arbeitsplätze und Gehälter, die Bürger hätten kein Geld zum Konsumieren, die Unternehmen müssten folglich weiter sparen. Dieser Teufelskreis könne nur durch Ausgaben unterbrochen werden, und hier liege das Problem: Es sei in letzter Zeit vornehmlich die US-Regierung gewesen, die diese Rolle übernommen habe. Viele stellten sich die Frage, ob die Rally nicht auf Obama & Co zurückzuführen sei, weil diese zu viel Geld in zu kurzer Zeit in den Markt gepumpt hätten: "Schon macht die Rede von einer ?bailout bubble? die Runde." Fakt sei, dass Aktien längst nicht mehr zum Schnäppchenpreis zu haben seien. Die USA könnten vor einem ganz langsamen Wachstum oder gar einem Nullwachstum stehen, mit Tonnen an liquiden Mitteln - ein perfektes Szenario für Stagflation. "Und das wären keine guten Aussichten für Bullen."

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