Internationale Presseschau vom 17.3.2009
Ben Bernanke, Cheerleader der US-Wirtschaft

Die internationale Wirtschaftspresse gratuliert US-Notenbankchef Ben Bernanke zu einem mutigen Interview mit CBS, übt aber auch Kritik. Business Week unterhält sich mit Jack Welch über Shareholder Value. Cinco Días erläutert Vorteile einer Kooperation zwischen Spanair und Air Europa. RBCdaily beobachtet eine Renaissance der Bauernmärkte. Fundstück: Was Aktien und Socken gemeinsam haben.

"Zentralbanker überbringen der Welt eigentlich immer schlechte Nachrichten und bittere Medizin zur Heilung akuter Wirtschaftsprobleme. Ben Bernanke, der Chef der US-Notenbank (Fed), hat mit dieser Tradition radikal gebrochen", würdigt das Barron's Magazine das Interview Bernankes im CBS-Format "60 Minutes", in dem er für Vertrauen in die US-Wirtschaft und das Regierungsprogramm warb. "Bernanke teilte uns darin nichts Neues mit, aber er schaffte es, der zunehmend skeptischen amerikanischen Öffentlichkeit die Rettungsmaßnahmen der Regierung überzeugend zu verkaufen. Und er präsentierte sich als Mann des Volkes, der seine Sorgen teilt." Weder der Bush- noch der Obama-Administration sei es bislang gelungen, das Programm so erfolgreich darzustellen. Obendrein habe Bernanke mit seinem positiven Ausblick auf eine mögliche Stabilisierung der Wirtschaft und Erholung ab 2010 eine wichtige Aussage getroffen. "Ob ein Zentralbanker als Cheerleader genauso effektiv sein kann wie als Verkünder unbequemer Wahrheiten, wird sich dagegen noch zeigen müssen."

"Das war eine Lektion für alle zukünftigen Zentralbanker", zollt auch die Globe and Mail aus Kanada Ben Bernanke Respekt. Seine "Show" habe gezeigt, dass offenbar ein Interview in einem populären TV-Format ausreiche, um die Finanzmärkte zu beruhigen. Bernanke habe die üblichen Senatsanhörungen verlassen und sei selbst vor die Kameras getreten, zum ersten Mal seit 20 Jahren habe dies ein Chef der Fed gewagt. Und auch wenn er nichts Neues mitgeteilt habe, sei die Wirkung nicht zu verkennen gewesen: Die Indices in den USA, Großbritannien und Deutschland hätten leicht angezogen. Doch nicht jede positive Entwicklung an den Märkten könne sich Bernanke zuschreiben: Barclays und Citigroup verkündeten die Hoffnung auf positive Geschäftsjahre, und auch das Treffen der Finanzminister der G20-Staaten habe Anteil daran gehabt.

Das Wall Street Journal weigert sich, in den Applaus für Ben Bernanke einzustimmen - und erinnert stattdessen an die bis heute fragwürdige Rettung von Bear Stearns vor genau einem Jahr durch den US-Notenbanker. Man sei damals über das "systemische Risiko" eines Bear-Kollapses besorgt gewesen, doch letztlich habe die Fed mit ihrer Rettung eine "Sünde" begangen: "Zum ersten Mal seit den 1930ern riskierte eine Regierung das Geld von Steuerzahlern, um eine Investmentbank der Wall Street zu retten." Die Argumente hätten sich damals eher auf den Gebrauch von Adjektiven beschränkt als auf klare Mathematik. "Bernanke sprach von fragilen Voraussetzungen, die Vernetzung von Bear Stearns habe es angesichts der schwachen und zerbrechlichen Märkte nötig gemacht, zu handeln. Es ist fraglich, wie viel systemisches Risiko tatsächlich heraufbeschworen werden kann, wenn ein Zentralbanker behauptet, das Finanzsystem sei fragil." Insider meinten, dass Regierung und Fed mit der Bear-Rettung hätten verhindern wollen, dass auch Lehman Brothers und AIG kollabieren. "Doch nicht nur das wurde nicht verhindert, möglicherweise geht auch die Finanzschmelze im Herbst 2008 auf die Fed-Rettungsaktion zurück", vermutet das Blatt.

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