Internationale Presseschau vom 17.4.2009
Die verworrene Mathematik der US-Großbanken

Die internationale Wirtschaftspresse kritisiert US-Banken wie Goldman Sachs, Wells Fargo und JPMorgan Chase für ihren voreiligen, schädigenden Optimismus. Portfolio berichtet von der Unzufriedenheit der kleinen und mittleren US-Firmen mit Präsident Barack Obama. Ilsole24 und Vedomosti sehen Lichtstreifen am europäischen Autohimmel. Fundstück: Amerika muss das Shoppen neu lernen.

"Der Optimismus, dass die Banken die Talsohle der Finanzkrise durchschritten haben, ist verfrüht", kommentiert der Economist die Gewinnmeldungen von Goldman Sachs, Wells Fargo und JPMorgan Chase. Diese frohlockten und stellten gar die Rückzahlung staatlicher Hilfen in Aussicht. Doch: "Was für eine Bank gut ist, könnte fürs Finanzsystem als Ganzes schlecht sein." Nicht nur bestehe das Risiko, dass schwächere Banken zu neuen Opfern im Übernahmekampf werden oder Kapazitäten im Kreditsystem verloren gingen. "Es könnte auch sein, dass eben jene Banken wieder an den staatlichen Tropf müssen, sollte sich die Lage auf den Finanzmärkten wieder verschlechtern. Und das würde erhebliche politische Turbulenzen nach sich ziehen", warnt das Magazin. So habe Goldman Sachs zum Beispiel bei seinen Zahlen den schlechten Monat Dezember 2008 herausgerechnet und im Januar von einmaligen, positiven Entwicklungen an den Märkten profitiert, wie etwa die Ausgabe von Unternehmensanleihen oder extrem hohe Geld-Brief-Spannen. "Außerdem ist noch weltweit noch genügend rote Tinte im Umlauf: Die Citigroup soll heute ihren sechsten Quartalsverlust in Folge vorlegen, Morgan Stanley könnte am 22. April ebenfalls mit einer Verlustmeldung aufwarten, und die UBS hat bereits vor zwei Tagen Verluste und Entlassungen angekündigt." Was wie eine Atempause oder gar Erholung aussehe, könne sich schnell aus herbe Täuschung herausstellen.

Eine "verworrene Mathematik" unterstellt Fortune Banken wie JPMorgan Chase und Wells Fargo - mit einem mehr als offensichtlichen Ziel: "Rechtzeitig vor Beginn der "stress tests" und der damit verbundenen Möglichkeit, aus dem TARP-Programm der US-Regierung auszusteigen und staatliche Hilfen zurückzuzahlen, haben die großen Banken einen neuen Weg gefunden, um sich in bester Gesundheit zu präsentieren." So habe JP Morgan jetzt einen Quartalsertrag vor Steuern und Abschreibungen in Höhe von 13,5 Milliarden Dollar ausgewiesen, ein Wert, der von Analysten gern gesehen, aber unter Bilanzierungsrichtlinien generell nicht anerkannt sei. Auch Wells Fargo habe mit diesem Wert - 9,2 Milliarden Dollar - gewuchert. Damit wolle man offenbar Gesundheit und Stärke demonstrieren, aber auch die Investoren überzeugen, denn diese könnten bald wieder auf mögliche Kapitalerhöhungen angesprochen werden: "Insider gehen davon aus, dass andere Banken dem Beispiel von Goldman Sachs folgen werden." Denn noch sei das Finanzsystem längst nicht über den Berg, die Kreditkosten würden aktuell anziehen und die Belastung durch Not leidende Kredite steigen.

Das Wall Street Journal macht den US-Banken wenig Hoffnung auf eine rasche Rückzahlung der staatlichen Hilfsgelder, die sie über das TARP-Programm bezogen haben. "Es gibt ein Problem: Es ist unklar, an wen sie den Scheck adressieren können." Die US-Regierung habe bislang nichts über die Rückzahlungsmodalitäten bekannt gegeben, und mehr und mehr Analysten seien überzeugt, dass sie die Banken noch länger in TARP festhalten wolle. "Nur so hat der Staat die Möglichkeit, faire Voraussetzungen für alle Finanzinstitute zu schaffen. Zudem behielte er so weiterhin Kontrolle über das immer noch krisengeschüttelte Finanzsystem." Bereits jetzt würden in Regierungskreisen die systemischen Folgen diskutiert, würde sie einigen Banken die Rückzahlung von TARP-Geldern erlauben. "Das würde diesen Banken neue Geschäfte einbringen, aber jenen, die das Geld nicht zurückzahlen können, mögliche Geschäfte entziehen." Dennoch sei klar, dass auch die US-Regierung unter Druck geraten könnte, sollten weitere CEOs bei ihr mit Rückzahlungswünschen vorstellig werden.

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