Internationale Presseschau vom 17.9.2008
Kein sicherer Hafen für Anleger

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die Ankündigung Hewlett-Packards, 24 600 Stellen zu streichen. Der Guardian weiß, warum die höchste Inflationsrate seit 16 Jahren in Großbritannien nicht der Rede wert ist. Die Wirtschaftswoche spekuliert über personelle Konsequenzen bei Porsche/VW. Fundstück: Bezahlte Schüler lernen besser.
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Für die New York Times ist der massive Stellenabbau bei Hewlett-Packard (HP) nachvollziehbar - aufgrund der Schwächen, die Electronic Data Systems (EDS) mit in den Konzern gebracht habe. "Die Übernahme von EDS sollte HP mit genügend Kraft ausstatten, um die Nummer Eins IBM angreifen zu können. Doch die Kosten bei EDS waren immer noch zu hoch, um z.B. mit Dienstleistern aus Indien mithalten zu können." Der früherer EDS-Stratege Joe Eazor, heute HP-Senior Vice President, habe eingeräumt, dass EDS in wichtigen Punkten der Konkurrenz hinterhechelte. "Und es gibt auch jetzt noch viel zu tun", räumte er im Gespräch mit der Zeitung ein. Die Integration von EDS in die HP-Struktur erfordere aber mehr als nur Kostenstellen zu streichen: "HP steht insbesondere in Ertragsfragen noch vor einigen Herausforderungen." So verfolge HP die Strategie, seine eigene Hardware voran zu bringen - und könne damit ehemalige EDS-Partner vor den Kopf stoßen. Kunden hätten inzwischen realisiert, dass HP dem Verkauf der eigenen Hardware Priorität gebe. "Doch so sieht nicht gerade ein Erfolgsrezept aus."

Die Frankfurter Rundschau findet allenfalls die hohe Zahl an Entlassungen erschreckend, nicht aber den Fakt an sich: "Aus Sicht des kalifornischen Konzerns, der sich gern als das größte Technologie-Unternehmen der Welt bezeichnet, ist der Abbau verständlich. Schließlich bietet es sich nach solchen Transaktionen an, den Rotstift bei dann doppelt vorhandenen Positionen anzusetzen." Dass Hewlett-Packard gleichzeitig auch an die Einstellung neuer Beschäftigten denke, zeige zudem, dass sich das Management stärker um seine Kunden kümmern wolle und nicht nur auf reines Kostendrücken setze. Doch Zynismus pur sei es, wenn die Börse den überraschend starken Jobabbau beklatsche und der Aktienkurs von Hewlett-Packard in einem schwächeren Markt anfangs deutlich anzog. "Das ist - leider - so. Und kann sich erst ändern, wenn das Feuern für die Unternehmen teurer wird."

BusinessWeek sieht die IT-Branche generell in einer Krise - aufgrund der Dollarschwäche und sinkender Budgets. "Bislang haben Investoren IT-Firmen noch immer als sicheren Hafen für ihr Geld betrachtet. Doch das hat sich geändert." So habe Dell eine nachlassende Nachfrage vorausgesagt und Maßnahmen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit angekündigt. Generell sei der Handel mit IT-Aktien eingebrochen: "Apple, IBM, Oracle und Hewlett-Packard zählen zu den IT-Firmen, die nach Einschätzung der Wall Street in den kommenden Quartalen ein niedrigeres Wachstum schaffen werden als vorhergesehen." Auch Internet-Aktien hätten verloren, allen voran Yahoo, Microsoft und Google - aus Sorge, die US-Regierung könne neue Kontrollen im Online-Werbemarkt einführen. "Zudem leiden IT-Firmen auch in der aktuellen Finanzkrise: Die neue Machtverteilung im Investmentbereich z.B. hat Folgen für sie, sind diese doch Abnehmer ihrer Hard- und Software. Der Finanzsektor wird seine IT-Ausgaben vorerst reduzieren, das ist sicher."

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