Internationale Presseschau vom 17.9.2009
Opel Magna: Nellie Kroes muss eingreifen

Anlässlich der Automesse IAA kritisiert die internationale Wirtschaftspresse das Berliner Opel-Krisenmanagement, die Taktik des Betriebsratsvorsitzenden und das falsche Spiel des Fiat-Chefs. Veckans Affärer zeigt die Hilflosigkeit der Medien gegenüber Google. Laut Economic Times ist die Angst vor Hyperinflation unbegründet. Fundstück: Buffetts Handy-Pleite.

Die britische Financial Times greift das Opel-Krisenmanagement der Bundesregierung an. Dass der neue Eigentümer von General Motors Europe mit der Ankündigung zur Restrukturierung von Opel – dem Abbau u.a. von 4000 Stellen in Deutschland – nicht, wie in Berlin erhofft, bis nach der Bundestagswahl warten werde, sei absehbar gewesen. Vor dem Hintergrund der Nöte in der Autobranche sei es entweder „unehrlich“ oder „wahnhaft“ gewesen, nicht die Notwendigkeit des Stellenabbaus gegenüber den Wählern einzuräumen. Dass die Regierung überdies versucht habe, mit Hilfe von staatlichen Krediten und Garantien den „Stellenabbau jenseits der Grenze zu schieben“, sei nicht förderlich für die Europäer, weshalb die Regierungen von Belgien, Spanien und Großbritannien erst gar nicht versucht hätten, Deutschland beim Versuch, die eigenen Standorte zu erhalten, zu überbieten. Jetzt müsse EU-Wettbewerbskommissarin Nellie Kroes eine deutliche Botschaft nach Berlin senden.

„Klaus Franz sollte einfach einmal schweigen“, kommentiert die Süddeutsche Zeitung die Aussage des Opel-Betriebsratsvorsitzenden, dass der auf Europaebene ausgetragene Zukunftskonflikt über den Jobabbau beim Autobauer „nicht so dramatisch“ und er selbst „kein Sozialromantiker“ sei. Zwar sei es richtig, dass Opel ohne Jobabbau nicht wieder auf die Beine kommen werde. Doch Franz sei einerseits nicht die „Verlautbarungsstelle“ des Unternehmens, sondern der oberste Mitarbeitervertreter; andererseits habe Franz etwas getan, was ein Betriebsrat nicht tun dürfe: die Vernichtung von Arbeitsplätzen unterstützt und so für die anstehenden Verhandlungen mit Magna seine Ausgangssituation massiv geschwächt. „Ist dem Lautsprecher Franz der Opel-Wahn der vergangenen Monate zu viel geworden? Womöglich wäre er insgeheim gern selbst Opel-Chef, dann könnte er immer öffentlich über ,Planzahlen' und den ,betriebswirtschaftlichen Standort' philosophieren.“

CNN Money beleuchtet die Restrukturierung von Chrysler unter der Regie von Fiat. Nach Einschätzung von Fiat-Chef Sergio Marchionne sei diese aufwändiger als erwartet – man sei überrascht gewesen, wie wenig in den vergangenen 24 Monaten bei Chrysler geschehen sei. Jetzt wolle Marchionne im November einen überarbeiteten Businessplan vorlegen. Nach Einschätzung des Autoindustrie-Analysten Todd Turner (Car Concepts Automotive Research) seien die Ausführungen des Fiat-Chefs kaum glaubwürdig. Stattdessen seien diese ein Vorwand, um im November „drastische Maßnahmen“ bekanntzugeben, die seit langem festgestanden hätten: „Diese bestehen darin, dass Chrysler faktisch getötet wird. In fünf Jahren wird man davon nichts mehr sehen.“ Selbst wenn es bis dahin den Namen noch geben sollte, seien die damit vermarkteten Autos Fiat-Produkte.

Das Wirtschaftsblatt aus Österreich widmet sich dem Topthema bei der Automobilmesse in Frankfurt: Elektrofahrzeuge. Bisher sei es der Industrie trotz milliardenschwerer Investitionen weder gelungen, leistungsfähige Fahrzeuge auf den Markt zu bringen, noch das 100 Jahre alte Elektrofahrzeug durch bessere Alternativen zu ersetzen. Dennoch blieben die Fakten attraktiv: Elektroautos seien in der näheren Umgebung emissionsfrei und von fossilen Treibstoffen unabhängig. In dieser Situation dürften die Autobauer nicht auf die Marktforscher hören, laut deren Prognosen Elektroautos bis 2025 ein Nischenprogramm blieben – andernfalls werde sich die Branche auf der Verliererseite wiederfinden. „Genau solche Fehleinschätzungen provozieren Revolutionen. Apple eroberte den Handymarkt im Sturm, Google den Werbemarkt und Amazon den Onlinehandel. Überall gab es Warnungen, die den Underdogs damit erst das Feld freigeräumt hatten.“

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