Internationale Presseschau vom 18.12.2008
Schurke im Schafspelz

Die internationale Wirtschaftspresse lauscht den Nachbeben im Fall von Bernard L. Madoff und fragt nach den Lehren aus dem Betrug. Die Zeit kommentiert das Ende des "Sparminators" Peer Steinbrück. MEED fordert einen New Deal mit den Golfstaaten. Fastcompany applaudiert Edward Nortons Kampf für billiges Wohnen. Fundstück: Schröder verlustfrei.

Für die Weltwoche ist der Fall des "vornehmen Finanzverbrechers" Bernard L. Madoff, der mit einem Ponzi-Schneeballschema rund 50 Milliarden Dollar vernichtet habe, ein Lehrstück. Madoff sei der "definitive Globalschurke im Tarnkleid des onkelhaften Ehrenmanns" gewesen, ähnlich wie seinerzeit der deutsche "Immobilienhochstapler" Jürgen Schneider, der auf perfekte Anzüge, ein Toupet und die stets makellose Ledermappe vertraut habe, um die Investoren zu narren. Die eigentliche Pointe des Skandals liege darin, dass kein Finanzplatz stärker reguliert sei als der amerikanische. "Dass es trotzdem zum massivsten Finanzverbrechen der neueren Wirtschaftsgeschichte kam, zeigt anschaulich, dass die Hoffnung auf die segensreiche Kraft von immer noch mehr Gesetzen und Reglementierungen trügerisch, ja schädlich ist. Madoffs Fall macht deutlich, dass Betrüger unter Umständen von den Auflagen profitieren, durch die sie eigentlich verhindert werden sollten."

Auch die Washington Post glaubt nicht, dass eine verstärkte Regulierung besonders von Hedge-Fonds solche Betrugsfälle verhindern könnte. Der Forderung, dass sich Hedge-Fonds künftig bei der SEC registrieren und sich in die Karten schauen lassen müssten, hält das Blatt entgegen, dass sich Madoff freiwillig registriert und auch regelmäßig Mitteilungen abgegeben habe - nur eben gefälschte. "Auf diesen Skandal mit mehr Regulierung zu reagieren, ist, als ob man einem Patienten mehr Pillen aufdrängt, obwohl dieser die Medikamente ablehnt." Die gute Nachricht in dieser Woche sei die, dass Madoffs Betrug so unverfroren gewesen sei, dass vermutlich jeder Nachahmer in der Zukunft schnell enttarnt würde. Außerdem sei damit zu rechnen, dass sich die Industrie, die sich auf Due-Diligence-Prüfungen bei Hedge-Fonds spezialisiert habe, künftig mehr anstrengen werde.

Das Wall Street Journal berichtet in einem großen Artikel über die Versäumnisse der SEC. Die US-Börsenaufsicht habe 2006 zahlreiche Hinweise auf ein Schneeballsystem gehabt, die, falls man sie verfolgt hätte, den Betrug hätten aufdecken können. Ein früherer Wettbewerber von Madoff, Harry Markopolos, habe fast ein Jahrzehnt lang versucht, die SEC davon zu überzeugen, dass Madoffs Gewinne "zu gut sind, um wahr zu sein". Am 4. Januar 2006 habe die SEC daraufhin eine Ermittlung gegen Madoff aufgenommen, um zu klären, ob dieser ein Schneeballsystem unterhalte. Madoff selbst sei dabei verhört worden. Zwar hätten die Ermittler festgestellt, dass Madoff sie in der Frage, wie er das Geld seiner Kunden anlege, betrogen habe. Gleichwohl seien die Ermittlungen eingestellt worden, weil die Vorwürfe nicht gewichtig genug gewesen seien. Am Dienstag dieser Woche habe SEC-Chef Christopher Cox Versäumnisse eingeräumt.

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