Internationale Presseschau vom 18.8.2009
Japan: Gute Zahlen, schlechte Zeiten

Die internationale Wirtschaftspresse schaut skeptisch auf Wachstum der japanischen Wirtschaft, die nur scheinbar die Rezession hinter sich gelassen habe. Börsen-Zeitung und die FTD ziehen ein Fazit zur bald auslaufenden Abwrackprämie. Vedomosti untersucht die wirtschaftliche Dimension des Unfalls im sibirischen Wasserkraftwerk. Fundstück: Italien im Lottofieber.

Wie die japanische Wirtschaftszeitung Nikkei Shimbun berichtet, ist das reale Bruttoinlandsprodukt in Japan im zweiten Quartal 2009 um 0,9 Prozent im Vergleich zum Vorquartal gestiegen und damit zum ersten Mal seit fünf Quartalen wieder im positiven Bereich. Als Gründe für die positive Entwicklung werden Preisschwankungen, steigende Exporte innerhalb Asiens und zusätzliche öffentliche Investitionen genannt. Außerdem sei der private Konsum, durch Steuersenkungen für umweltfreundliche Autos angeregt, erstmals seit drei Quartalen wieder gestiegen. Allerdings sei das nominale BIP von April bis Juni um 0,2 Prozent geschrumpft – und damit seit fünf Quartalen infolge im negativen Bereich.

Die japanischen Wachstumsdaten für das zweite Quartal sähen zunächst viel versprechend aus, schreibt das Wall Street Journal. Mit einem Wachstum von 0,9 Prozent wäre die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt raus aus der „größten Rezession nach den Zweiten Weltkrieg“. Jedoch stützten sich die Zahlen auch auf neue Berechnungsmethoden, steigende Exporte und staatliche Konjunkturspritzen. „Die natürliche Binnennachfrage ist immer noch ziemlich schwach“, berichtet das Blatt. Das lasse auf anhaltende Probleme in der japanischen Wirtschaft schließen. Anders sehe das Bild in den asiatischen Nachbarstaaten aus, die allesamt von einer starken Nachfrage der heimischen Konsumenten profitiert und so die wirtschaftliche Krise hätten abschütteln können.

Die Freude über die positiven Wachstumszahlen der japanischen Wirtschaft fällt ziemlich gedämpft aus, schreibt der Economist – eine bescheidene Erholung der Wirtschaft nach einem solch dramatischen Einbruch der vergangenen Monate sei tatsächlich kein Grund zum Jubeln, und zwar weder für das Land noch die regierende Partei. Bei den Wahlen am 30. August drohe der Liberalen Partei Japans nach 53 Regierungsjahren eine historische Niederlage gegen die Demokratische Partei. Schließlich gehe es der japanischen Wirtschaft schlechter als der der anderen Industrienationen. „Aufs Jahr gerechnet könnte immer noch ein Minus von sechs Prozent des BIPs herauskommen – doppelt so hoch wie in den USA“, vergleicht das Blatt. Selbst wenn die Regierung mit der Parole „das Schlimmste ist vorbei“ Recht behalte, ihre Haut werde sie nicht mehr retten können.

Japan sei zwar unter den Industriestaaten die momentan am schnellsten wachsende Volkswirtschaft, allerdings übertünchten die Zahlen zahlreiche Probleme, so die Einschätzung der britischen Financial Times. Erstens sei die Arbeitslosigkeit auf das Rekordhoch aus dem Jahr 2003 gestiegen; zweitens sei die Erholung vor allem den staatlichen Konjunkturspritzen und steigenden Exporten geschuldet. „Beides sind keine eindeutigen Anzeichen für wirtschaftliche Vitalität“, meint das Blatt. Die Wähler fragten sich, warum das BIP nominal gerade einmal den Wert von 1993 erreicht habe und das Wachstum in Japan fast vollständig vom „Wohlbefinden der restlichen Welt“ abhänge. Dies gebe der erst zehn Jahre alten Oppositionspartei eine Chance, gegen die „altehrwürdige“ Liberale Partei Japans bei den kommenden Wahlen zu gewinnen.

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