Internationale Presseschau vom 18.9.2009
Autobranche: Rosinenpicken auf der Schrotthalde

Die internationale Wirtschaftspresse zeichnet zur Automesse in Frankfurt ein düsteres Bild der Branche: Weder Opel noch die Chinesen könnten den strukturellen Problemen entkommen. Die Süddeutsche kritisiert die unterschiedlichen Urteile in der VW-Korruptionsaffäre. Cinco Días beobachtet Telefónicas Sprung auf die Insel. Fundstück: Illuminaten und die Krise.

Das Wall Street Journal kritisiert die deutsche Regierung für ihr Opel-Krisenmanagement. Im Vorfeld der Bundestagswahlen sei der ökonomisch einzig sinvolle Schritt, der einer geordneten Insolvenz, nie eine Option gewesen. Der Verkauf von Teilen von Opel an Magna und die russische Sberbank habe den Makel, dass der russische Automarkt kein Wachstumsmarkt mehr sei - der Absatz sei im Vergleich zu 2008 um 60 Prozent eingebrochen, ohne Aussicht, das alte Niveau auf absehbare Zeit wieder zu erreichen. Hinzu komme, dass die deutsche Regierung zwar kein Interesse habe, mit den investierten Steuergeldern britische oder belgische Jobs zu retten, de facto aber zulasse, dass rund 600 Millionen Euro des staatlichen Kredits in die russische Autoindustrie flössen. Fazit: Brüssel sei die letzte Hoffnung für die deutschen Steuerzahler, um vor den Berliner "Dummheiten" bewahrt zu werden.

Der Economist untersucht die Nöte der Autoindustrie. Weltweit hätten die Regierungen ihre notleidenden Autobauer finanziell unterstützt, weshalb bislang kein einziger größerer Hersteller pleite gegangen sei; in Europa sei erstaunlicherweise in den vergangenen zwölf Monaten kein einziges Werk geschlossen worden - entgegen der Prognose von Fiat-Chef Sergio Marchionne, der im vergangenen Jahr davon ausging, dass bis 2010 nur sechs große Autobauer überlebten. Folge: Im kommenden Jahr drohe der Branche allein in Europa eine Überkapazität von sieben Millionen Autos. Dies sei nicht das einzige strukturelle Problem. Ebenso schädlich für die Gewinne der Hersteller sei die Hinwendung der Käufer zu kleineren Autos, die vergleichsweise unprofitabel seien - viele Hersteller schrieben bei kleineren Modellen rote Zahlen und müssten diese Lücke mit den Profiten durch größere Modelle schließen. Vor diesem Hintergrund sei die Gesundung der Branche alles andere als sicher. Statt auf die nächste Krise zu warten, müsse die Branche den Aufschwung für unvermeidliche Restrukturierungen nutzen - und schließlich doch schrumpfen, wie vom Fiat-Chef prognostiziert.

Reuters beobachtet den Vorstoß asiatischer Autobauer in Europa, wo besonders Unternehmen aus China die Lücken füllen wollten, die US-Firmen hinterlassen hätten. Ob aber beispielsweise Geely Automotive (als möglicher Partner von Magna) bei Opel oder BAIC (als Finanzierungspartner von Koenigsegg) bei Saab reüssieren könnten, hinge davon ab, ob die Unternehmen aus früheren Pleiten gelernt hätten. So leide SAIC noch immer unter der Beteiligung an Ssangyong Motor in Korea, weil Ssangyong Schwierigkeiten habe, sich als kleinster Autobauer Südkoreas zu behaupten. Besser sei es für SAIC bei der Übernahme von MG Rover gelaufen, als der größte Teil der Herstellung in Großbritannien geschlossen wurde, während das Know-How der Briten eingesetzt wurde, um eine Mittelklasse-Limousine ("Roewe") erfolgreich auf dem Markt zu platzieren. "Die Rosinenpickerei - bei Marken und Technologie einsteigen ohne eine komplette Übernahme - ist vielleicht auch sinnvoller, besonders in einer Zeit, da die Preise niedrig sind. Die entscheidende Frage ist, ob es den Chinesen gelingt, die Marken zu fördern, die sie von der Schrotthalde aufgesammelt haben", lautet das Fazit von Reuters.

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