Internationale Presseschau vom 19.12.2008
Die fetten Jahre sind vorbei

Die internationale Wirtschaftspresse blickt besorgt nach Russland, wo Wirtschaftskrise und sinkende Ölpreise zu Unruhen führen. Die Zeit geißelt den Expansionsdrang von Conti und Schaeffler. Laut El Mundo wird das Wachstum in Lateinamerika ausgebremst. The Atlantic interviewt Chinas Geldgeber Nummer eins in den USA. Fundstück: Fleischeslust und Spitzenfrust.

Das Wall Street Journal untersucht die Auswirkungen der dramatisch sinkenden Ölpreise in Russland. "Der Fall der Ölpreise verhindert, dass der Kreml seine Gold- und Devisen-Vorräte zu dem Zeitpunkt, da er sie besonders benötigt, wieder auffüllt", erklärt das Blatt. Zwar seien die Reserven die drittgrößten der Welt (nach China und Japan), doch die Regierung habe bereits einen großen Teil ausgegeben, um den fallenden Rubel zu stützen und Panik in der Öffentlichkeit zu verhindern. Dennoch seien in der vergangenen Woche Tausende Menschen in Wladiwostok auf die Straße gegangen. Die Pläne der Regierung, die Zölle für gebrauchte Autos aus dem Ausland zu erhöhen, seien den Demonstranten ein Dorn im Auge, da dieser Markt einer der lukrativsten für die Region sei; ähnliche Proteste seien in Moskau, St. Petersburg und Kaliningrad geplant gewesen. Vor diesem Hintergrund seien Unruhen in der Öffentlichkeit derzeit die größte Sorge im Kreml.

Die Basler Zeitung analysiert die Situation der russischen Wirtschaft, die von der Finanzkrise viel härter getroffen werde als die der meisten europäischen Staaten. Um vier Prozent schrumpfe die Wirtschaft im kommenden Jahr, sagten optimistische Analytiker, Pessimisten gingen von einem Absturz um bis zu 15 Prozent aus. Zwar versuche die Staatsführung, die Schuld an der Krise auf den Westen zu schieben. Die Probleme seien allerdings hausgemacht: "Der Kreml hat es in den guten Jahren verpasst, die Wirtschaft zu modernisieren." Als Indikatoren nennt das Blatt die hohe Abhängigkeit von den Weltmarktpreisen für Öl, Gas und anderen Rohstoffen, den aufgeblähten Staatsapparat, den fehlenden Wettbewerb in Branchen, die von staatlichen Monopolisten kontrolliert würden, sowie die Korruption und Vetternwirtschaft im Land. Während das "russische Wunder der Putin-Jahre" auf einer "informellen Abmachung zwischen Gesellschaft und Staat" basiert habe - der Kreml baut seine Macht aus, garantiert aber stetiges Wirtschaftswachstum -, habe sich dieser Gesellschaftsvertrag in der Krise in in Luft aufgelöst.

Die russische Zeitung Vremya Novostej beobachtet das angespannte Verhältnis von Russland und der Ukraine. Aufhänger: Gazprom könnte seine Gaslieferungen in das Land zum 1. Januar 2009 einstellen, da das osteuropäische Land dem russischen Gaskonzern rund zwei Milliarden Dollar schulde. Bisher sei nicht absehbar, ob die Ukraine die ausstehende Summe bis Jahresende begleichen könne. "Seit Monaten tobt in Kiew eine politische Krise, zu der sich nun eine dramatische Wirtschaftskrise gesellt", schreibt das Blatt. Gazprom habe seine westlichen Partner mittlerweile vor möglichen Engpässen gewarnt, denn die Ukraine sei ein wichtiges Transitland. Gestern sei unterdessen bekannt geworden, dass Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy der EU vorgeschlagen habe, der Ukraine einen Kredit in Höhe von 1,7 Milliarden Euro zu gewähren. "Damit die Gaslieferungen in der Neujahrsnacht nicht gedrosselt werden, braucht es wohl eine Einigung auf höchster Ebene zwischen Moskau und Kiew, was einem Wunder gleichkäme", meint die Zeitung.

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