Internationale Presseschau vom 2.10.2009
China: Dritte Asienkrise droht

Anlässlich des 60-jährigen Bestehens der Volksrepublik analysiert die internationale Wirtschaftspresse die wirtschaftlichen Schwierigkeiten von China. Die New York Times stimmt in einen Abgesang auf die Berliner Republik ein. Die Börsen-Zeitung beschreibt die Entzauberung der LBBW. Fundstück: Doku gegen Gebührenwahnsinn.

Bloomberg untersucht das soziale Gefälle in China. Im neuesten Gucci-Laden in Shijiazhuang, rund 300 Kilometer südwestlich von Peking, werde eine Geldbörse aus Schlangenhaut für 4400 Dollar verkauft, das Zweifache des jährlichen Pro-Kopf-EInkommens der Stadt; fünf Stockwerke darüber verdiene eine Verkäuferin von Lamm-Kebab gerade einmal 7,30 Dollar am Tag. Die Stadt sei repräsentativ für ein Land, in dem ein 30 Jahre anhaltender Boom Hunderte Millionen Menschen aus der Armut gezogen habe, allerdings auf Kosten eines immer größeren Einkommensgefälles. Dieses sei eine der größten Sorgen von Präsident Hu Jintao und Premier Wen Jiabao. Die Staatsführer seien dem wachsenden Protest von Arbeitern und Bauern ausgesetzt, die sich über Korruption und die große Einkommensunterschere im Land beschwerten.

Im Interview mit dem Manager Magazin prognostiziert der US-Zukunftsforscher George Friedman, Leiter des Informationsdienstes Stratfor, dass in China die nächste große Asien-Krise heraufziehen werde. Da auch in China das Wachstum langsam zurückgehe, infolge der Rezession in den Abnehmerländern, entstünden massenhaft faule Kredite. Dadurch kollabiere das Finanzsystem langsam, aber sicher, vergleichbar mit der ersten Asien-Krise Anfang der 90er Jahren in Japan, als Kredite im Umfang von 17 Prozent des Bruttoinlandsprodukts als schlecht eingestuft worden seien. "In China beträgt das Verhältnis derzeit 30 bis 40 Prozent. Das ist wie Japan auf Speed." Auch die Tatsache, dass China über hohe Dollar-Reserven verfüge, sei ein schlechtes Zeichen. Dies zeige, dass sich im Land selbst keine interessanten Anlagemöglichkeiten für das Geld böten. Schlusspunkt von Friedman: Aktuell zeichne sich die dritte große Asien-Krise ab - die chinesischen Unternehmen seien hochverschuldet, während die Banken am Rande des Kollaps stünden.

Forbes zweifelt an den Daten zu Chinas Wirtschaft, die von den Behörden veröffentlicht werden. Für August werde ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von rund acht Prozent bekanntgegeben - und viele Skeptiker zum Grübeln bringen. In China würden die Provinzen viel schneller als in hochentwickelten Ländern ihre statistischen Daten kompilieren und an die Statistikbehörde melden. Diese diskutiere anschließend darüber mit Regierungsvertretern, die schließlich offizielle Zahlen bekanntgebe. Die Fehler in der Statistik seien aber bereits auf lokaler Ebene anzusiedeln, wo die Beamten ein eigenes Interesse hätten, die Wirtschaftsleistung zu "übertreiben", weil das die Basis ihres Aufstiegs innerhalb des Systems sei - es gebe kaum eine Chance, diese des Betrugs zu überführen und zu bestrafen.

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