Internationale Presseschau vom 2.12.2008
„Die Krise ist eine Lehrstunde“

Die internationale Wirtschaftspresse glaubt trotz zahlreicher Rezessionsmeldungen aus der ganzen Welt, dass die aktuelle Krise auch Chancen bietet. Die International Herald Tribune geißelt den Isolationismus der Schweiz. Die Londoner Times gratuliert Obama zum Stopp von Henry Paulsons "Doomsday Machine". Fundstück: Chinesen sehen bei schwarzen Bildschirmen rot.

Als einmalige Lehrstunde wertet das Barron?s Magazine den aktuellen Abschwung: "Die Korrekturen, die der Markt und die Wirtschaftsstrukturen nun brauchen, sind schmerzhaft, aber sie bieten auch eine Chance." Jede Krise erteile auch Lektionen. So habe 1987 gezeigt, dass Massenverkäufe nicht die richtige Wahl für langfristig denkende Investoren seien. 1994 erbrachte den Beweis, dass sich Qualität und Geduld durchsetzen. "2008 lehrt uns, dass wir letztlich nie die Kontrolle haben, weder über den Aktienmarkt, noch über den Anleihenmarkt, noch über die Wirtschaft überhaupt." Man müsse sich jetzt klar machen, dass letztlich jeder Schuld an der Krise sei, jeder habe in irgendeiner Weise den Anstoß gegeben, partizipiert oder profitiert. "Wenn wir bereit sind, das einzugestehen, können wir bewusst Verantwortung übernehmen." Beginnen könne man damit, die Verschwendung und den rücksichtslosen Ausbau von Industriezweigen zu beenden. "Um einen Satz von John F. Kennedy zu gebrauchen: Frage nicht, was die Wirtschaft für dich tun kann, sondern frage, was du tun kannst für die Wirtschaft."

Auch das Wirtschaftsblatt aus Österreich sieht Chancen in der aktuellen Krise. Ein wesentlicher Grund für die Fehlentwicklung vieler Konzern sei der unbedingte Glaube an die Wall Street: "Die meisten Konzerne waren in den vergangenen Jahren finanzgesteuert. Es ging um Quartalsberichte, Quartalsberichte und Quartalsberichte. Das Urteil der Analysten war den Chefetagen wichtiger als der Markt." So wurde das Marketing dazu "verurteilt", dieses Wachstum mit kurzfristigen Maßnahmen zu erzwingen - ohne auf die langfristigen Folgen zu achten. Jetzt könne das Marketing wieder ein Comeback in den Chefetagen feiern. "Dabei geht es aber weniger um operative Marketingmaßnahmen, sondern mehr um strategische Marketingentscheidungen - im Sinne einer marketingorientierten Unternehmensführung." Als Beispiel nennt das Blatt Opel, dessen Strategie es sei, neben Kostensenkungen und Effektivierung, 20 neue Modelle herauszubringen. Das wahre Problem von Opel sei aber ein strategisches Marketingproblem: "Opel wird von den Kunden nur als weiterer Automobilerzeuger wahrgenommen. Der Konzern müsste heute seine gesamte Unternehmensstrategie aus Markensicht überdenken, um sich komplett neu auszurichten. Denn 20 neue Modelle alleine werden an der Einstellung der Kunden nichts ändern." Fazit und Hoffnung: "Möge das strategische Marketing in den Chefetagen ein Comeback feiern, zum Wohle der Unternehmen, zum Wohle der Arbeitsplätze und zum Wohle aller Volkswirtschaften."

Eine außergewöhnliche Gelegenheit für Barack Obama, sein Programm durchzuziehen, sieht der Toronto Star in der momentanen Wirtschaftskrise. "Im Angesicht der Krankheitssymptome, die die USA heimsuchen, geht Obama mit noch viel größerem Elan an die Arbeit." Während sich Clinton 1992, ebenfalls eine Ära des wirtschaftlichen Abschwungs, noch mit Diskussionsrunden abgegeben habe, könne Obama schon vier Wochen nach seiner Wahl sein Wirtschafts- und Finanzteam vorstellen. Er agiere, als regiere er bereits, und stoße so wichtige Projekte an, die seinen Start im Januar erleichtern dürften. "Sein Plan zur Erholung der US-Wirtschaft ist letztlich die Essenz eines viel größeren Plans, des Plans einer langfristigen, gesellschaftlichen Erneuerung. 700 Milliarden Dollar will er in die Infrastruktur, in regenerative Energien, in Gesundheitsfürsorge und in die Bildungsreform stecken. Das ist fast so etwas wie eine neuer New Deal." Es verwundere nicht, was sein Vertrauter Rahm Emanuel kürzlich verlautbart habe: "Man will doch nie ein ernsthafte Krise ungenutzt verstreichen lassen."

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