Internationale Presseschau vom 2.3.2009
Finanzsturm über Osteuropa

Die internationale Wirtschaftspresse zeigt sich angesichts der klaren Absage der EU, Osteuropa mit einem Hilfspaket zu unterstützen, gespalten. Die New York Times porträtiert die Google-Chefdesignerin Marissa Mayer. El Mundo benennt Gewinner der Krise in Spanien, die Nesawissimaja Gazeta gewährt der russischen Wirtschaft eine Verschnaufpause. Fundstück: Boshaftigkeit zahlt sich aus.

"Osteuropa braucht uns", ruft John Kerry, Senator des US-Staates Massachusetts, in einem Kommentar für das Wall Street Journal der Welt zu. "Während die Weltwirtschaft schwankt, bewegt sich das Zentrum des globalen Finanzsturms geradewegs auf Zentral- und Osteuropa zu. Wenn die westlichen Nationen jetzt nicht schnell reagieren, riskieren wir, dass eine Ära der Hoffnung und des Fortschrittes in dieser Region zu Ende geht - und statt dessen rapide zunehmende Arbeitslosigkeit, Instabilität und die Herabwürdigung aller Ideen, die wir dort eingebracht haben, um sich greift", appelliert der ehemalige US-Präsidentschaftskandidat der Demokraten. Die Forderung von Weltbankpräsident Robert Zoellick an die EU, eine führende Rolle in den globalen Bemühungen für die osteuropäische Wirtschaft einzunehmen, sei deshalb richtig. "Wir dürfen uns jetzt nicht auf die Lösung unserer nationalen Probleme zurückziehen und uns vor den Problemen anderer Staaten abschotten, denn die Welt ist in wirtschaftlicher wie finanzieller Hinsicht vernetzt. Amerika darf nicht zulassen, dass zwei Jahrzehnte Wohlstand und Demokratie in Osteuropa in Rauch aufgehen."

Auch der Tagesspiegel warnt davor, ausschließlich Schutzschirme über heimische Werke zu spannen und die Brücken zur Außenwelt zu kappen: "Schutzzäune errichten, die Krise im Alleingang meistern wollen - so lauten zurzeit die Versuchungen für alle Staaten. Wer ihnen folgt, wird die Rezession nur verschlimmern, das hat der Zusammenbruch der Weltwirtschaft in den 30er Jahren gezeigt." Denn die Staaten, die von der gegenwärtigen Rezession ähnlich betroffen seien wie von der Krise zu Beginn des vorigen Jahrhunderts, könnten dem Abschwung nur gemeinsam Paroli bieten. Zwar sei es ein Erfolg, dass Europas Staats- und Regierungschefs nun ein klares Bekenntnis zum Binnenmarkt abgegeben hätten, doch nun müssten den Appellen Taten folgen - "und da ist vor allem die EU-Kommission gefordert." Die Brüsseler Behörde müsse genau beobachten, ob die Firmenpolitik existenzbedrohter Autobauer, denen der Staat aus der Kreditklemme hilft, auch wirklich dem Prinzip offener Grenzen folge. "Die EU muss ihre eigenen Wettbewerbsregeln beachten. Anderenfalls würde sie viel Vertrauen verspielen - vor allem in Osteuropa."

"Zu viele Pakete verderben die Krise", titelt dagegen die Presse aus Wien. Statt zum Beispiel Hilfspakete für Osteuropa oder die Autoindustrie zu schnüren, solle die EU die noch gesunden Wirtschaftszweige unterstützen. Bislang sei in der EU die Illusion geschürt worden, dass allein politisches Agieren ausreiche, um diese gewaltige Krise zu bewältigen. "Doch muss allen Beteiligten auch bewusst werden, dass zu viele und vor allem undifferenzierte Hilfspakete den positiven Teil dieser Krise zerstören könnten." Selbst eine riesige Menge an Öl könne einen festgeriebenen Motorkolben nicht in Gang setzen. Um die Wirtschaft wieder anzutreiben, müsse deshalb mehr als bisher auf jene Zweige gesetzt werden, die noch gesund seien. "Ihre Arbeit muss erleichtert werden. Etwa jene der vielen Klein- und Mittelbetriebe, die durch ihre Flexibilität und Engagement bisher dafür gesorgt haben, dass wir noch keine Massenarbeitslosigkeit haben."

Alarm angesichts der Lage in Osteuropa zu schlagen, hält der Business Spectator aus Australien für überzogen: Manches Land dieser Region könne die Krise weit besser überstehen als seine westlichen Nachbarn. "Man muss differenzieren: Während Länder wie Ungarn, Lettland oder die Ukraine schwere finanzielle Probleme haben, ist die Wirtschaft Polens, der Tschechischen Republik und der Slowakei relativ stabil." Auch Kroatien entwickle sich erfreulich: Immer mehr Urlauber entdeckten das Land, die Immobilienpreise an der Adria seien nach wie vor hoch und das Nachtleben in Zagreb brumme. "Die Prognosen für Osteuropa sind nicht schlecht: Die Kosten sind niedrig, die Arbeitskräfte hoch qualifiziert. Zudem gibt es mehr Demokratie und marktorientierte Institutionen als in der Russland-Krise 1990." Die langfristige Integration der Region in Westeuropa werde nicht aufzuhalten sein.

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