Internationale Presseschau vom 2.6.2009
„GM-Niedergang ist der Niedergang Amerikas“

Die internationale Wirtschaftspresse hinterfragt kritisch den GM-Insolvenzantrag und die Entscheidung der US-Regierung, Mehrheitsanteilseigner zu werden. La Tribune kommentiert das Interesse von Siemens an Areva T&D. Der Estado gratuliert Brasilien zur erfolgreichen Außenhandelspolitik. Fundstück: Finderlohn für den Hund, nicht für die Ehefrau.

Ein Spiegelbild des modernen Amerika sieht die Financial Times in der Insolvenz von General Motors. "Warum erwirbt der US-Staat GM für 60 Milliarden Dollar? Sicher nicht, weil die Anteile Gewinne versprechen und die Firma irgendwann wieder schuldenfrei sein wird. Auch nicht, um Jobs zu erhalten, längst ist klar, dass GM Fabriken schließen und 20.000 Arbeiter entlassen muss. Und auch die Tatsache, dass GM in Zukunft effizientere Autos baut, kann kein Grund sein, dafür hat der Staat längst Geld locker gemacht. Der einzige Grund ist der, den Niedergang hinauszuzögern, damit sich Arbeiter, Händler und Käufer auf das unausweichliche Schicksal einstellen können." Doch müsse man dafür 60 Milliarden Dollar verschwenden? Die US-Regierung habe keine Wahl, denn die Öffentlichkeit akzeptiere die Wahrheit nicht: "Die einen wollen sehen, dass Jobs gerettet werden, die anderen, dass der Einsatz von Gläubigern und Steuerzahlern honoriert wird. Von beiden Gruppen kauft sich die Obama-Administration nun frei." Die von GM solide bezahlten und sozial abgesicherten Arbeiter seien einst ein Triumph des demokratischen Kapitalismus gewesen. "Heute gibt es diese Jobs und die soziale Sicherheit nicht mehr: Der Niedergang von GM spiegelt den Niedergang von wirtschaftlicher Sicherheit und wachsendem Wohlstand in der US-Gesellschaft."

Eine ehrliche und detaillierte Erklärung, welche Ziele die US-Regierung mit der Übernahme der Mehrheit an GM verfolge, schuldet US-Präsident Barack Obama nach Auffassung der New York Times dem amerikanischen Volk. "Einen Automobilhersteller zu besitzen, kann sich als politisch heikler erweisen als es scheint. Die Politiker sollten es tunlichst vermeiden, im GM-Tagesgeschäft mitzumischen, denn die oft mit Launen behaftete Taktikerei in der Politik könnte das Unternehmen in den Abgrund ziehen." Professionelle Manager sollten vielmehr GM künftig lenken, Manager, die nicht mit politischen Zielen wie der Sicherung oder Erhaltung von Arbeitsplätzen in Konflikt geraten dürften, oder mit so widersprüchlichen Erwartungen wie die Rückführung von GM in die Profitzone und die gleichzeitige Verpflichtung, Sprit sparende Autos zu bauen. "Obama muss erklären, wie er mit Widersprüchen wie diesen künftig umzugehen gedenkt."

Forbes sieht GM trotz Insolvenz und Engagement der US-Regierung noch immer am Rande des Abgrunds. Zu viele Fragen seien noch unbeantwortet: "Werden beispielsweise die Kunden Autos eines insolventen Unternehmens kaufen? Wie gehen sie mit der Unsicherheit hinsichtlich von Garantieleistungen und Service um, wie werden sie den Wiederverkaufswert einschätzen?" Eine weitere Frage sei, ob der Staat tatsächlich einen Autohersteller besitzen und managen kann. Die Geschichte sage eindeutig Nein, wie Trabant in früheren DDR oder Lada in der früheren Sowjetunion beweisen. Und schließlich sei unklar, ob das Geld der Regierung GM wirklich aus der Krise helfe: "Es wäre wunderbar, wenn das Geld für die Entwicklung neuer, aufregender Autos genutzt werden könnte. Doch es wird vor allem für Anwälte, für die Pensionskassen der Gewerkschaften und für Abfindungen an entlassene Arbeiter verbraucht werden, für Rabattaktionen und für Experimente mit elektrischen Autos, um die mächtige Grünen-Lobby in Washington zu befriedigen." Vielleicht könne GM gerettet werden, doch die Gefahr, dass die Firma in den Abgrund stürze, sei groß.

Das Schicksal GMs sollte eine Mahnung für jedes Unternehmen sein, die Straße nie aus dem Blick zu verlieren, meint der Economist . Weil es genau auf dieser viele Wettbewerber gebe, sei fraglich, ob GM überleben könne: "Sicher, am Ende wird ein viel kleinerer Automobilhersteller stehen. Aber letztlich wird durch die Insolvenz von GM nur ein Teil der Überkapazitäten auf dem amerikanischen Markt abgebaut." Ein Problem für GM werde die Konkurrenz aus Asien sein: "Sie bauen preiswertere und verlässlichere Autos." Und auch Chrysler, mit Fiat als Partner, und Ford, wenn auch Schulden beladen, würden GM künftig Autokäufer streitig machen. GM stelle heute ganz anständige Autos her, doch der Ruf des Konzerns leide noch immer unter den schlechten Autos, die Jahrzehnte lang die GM-Bänder verlassen hätten. "Wenn GM nicht seinen guten Namen wieder beleben kann, wird der Teufelskreis aus fallendem Aktienkurs und allmählicher Reorganisation erneut einsetzen. Dann sehe GM wirklich verloren aus."

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