Internationale Presseschau vom 20.10.2009
Miese Kontrollen provozierten Insider-Skandal

Die internationale Wirtschaftspresse verfolgt den Betrug rund um die Galleon Group und sucht nach Lektionen aus dem Fall. Die Financial Times Deutschland ruft das baldige Ende des Ölzeitalters aus. Der Business Spectator stellt der US-Wirtschaft ein schlechtes Zeugnis aus. Fundstück: Gesetz für offene Dekadenz.
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Die Wall Street habe einen neuen Skandal, fasst die Börsen-Zeitung zum Skandal rund um Raj Rajaratnam. Ein Ring von Insidern habe den Hedge-Fonds-Manager jahrelang vorab mit Informationen versorgt, die dieser in Millionen-Kursgewinne umgemünzt habe. Der Fall zeige, dass hinter den hohen Renditen mancher Fonds kein Investmentgenie, sondern womöglich nur ein gutes Adressbuch stecken könnte. „Wenn Insiderwissen aus Unternehmen wie IBM, Intel, McKinsey und Moody's heraussickern konnte, deutet dies darauf hin, dass derartige Risiken in den letzten Jahren nicht genügend beachtet wurden“, schlussfolgert das Blatt. Aber auch die Hedge-Fonds-Branche dürfe aus ihren Anlagestrategien keine Geheimnisse machen. „Ehrliche Fondsmanager sollten in die Offensive gehen und von sich aus mehr Informationen preisgeben, damit Aufseher und Anleger ihre Strategien nachvollziehen können“, fordert das Blatt. Geheimniskrämer dagegen müssten damit rechnen, eine Zielscheibe abzugeben.

Das Wall Street Journal liefert neue Details des, so das Blatt, größten Insiderhandel-Skandals an der Wall Street seit Jahrzehnten. Die Galleon Group habe demnach ihre Mitarbeiter gezwungen, „marktbewegende Informationen“ zu sammeln. Der Mitbegründer der Galleon Group, Raj Rajaratnam, verfüge über ein Netzwerk an Kontakten in der Führungsebene von Technologie- und Gesundheitskonzernen. Manche der Manager seien Investoren der Hedge-Fonds seiner Firma gewesen. „Teile des Netzwerks scheinen sich allerdings plötzlich gegen den Investor gewendet zu haben”, schreibt die Zeitung. Drei seiner ehemaligen Kollegen hätten im Stillen die staatliche Untersuchung gegen Rajaratnam unterstützt, beruft sich das Blatt auf „informierte Kreise“. Eine aggressive Informationsjagd sei allerdings nichts Ungewöhnliches an der Wall Street, so die Zeitung weiter. Der Ausgang des Falls werde davon abhängen, ob Rajaratnam illegal erlangte Informationen benutzt habe.

Das Fortune-Magazine fragt nach Lehren aus dem Skandal um die Investmentgesellschaft Galleon. „Falls der Galleon-Boss wirklich Insiderhandel betrieben und keiner das bei Galleon bemerkt hat, dann heißt das, dass die Kontrollen der Firma unzureichend sind”, kommentiert das Blatt. Durch die Anschuldigungen gegen den Gründer werde das Unternehmen in Mitleidenschaft gezogen, denn die Investoren würden ihr Geld abziehen. Alle Hedge-Fonds-Investoren sollten aus dem Galleon-Beispiel lernen und hinter die Performance und das Portfolio schauen. „Schwächen in der internen Infrastruktur – dem eigenen Kontrollsystem, bei den Investorenrechten, der Außenprüfung – können eine Fondsgruppe versenken“, schreibt das Magazin. Investoren sollten gutes Management einfordern.

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