Internationale Presseschau vom 20.8.2008
Alle gegen einen

Nachdem die Nato ihre Beziehungen zu Russland auf Eis gelegt hat, sucht die internationale Wirtschaftspresse nach einer Strategie des Westens gegenüber Russland. Les Echos sieht die deutschen Sozial-Demokraten in der Falle. Der Economist beobachtet den Siegeszug deutscher Lebensmitteldiscounter in Europa. Fundstück: Finanzkrise bremst Spammer.
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Die Japan Times rechnet damit, dass Russland als nächstes auf Konfrontationskurs mit der Ukraine geht. Durch das Land verliefen russische Pipelines, außerdem strebe die Ukraine ebenfalls eine Nato-Mitgliedschaft an. Für den Westen sei es vergleichsweise leicht, auf staatliche Gewalt zu reagieren, da diese illegal sei. Schwieriger würde die Situation, falls Russland die Energieversorgung der westlichen Kunden kappte - 25 Prozent von Europas Öl und die Hälfte des Erdgases stammten aus Russland - oder seine Justizgewalt in wirtschaftlichen Konflikten noch stärker einsetzte. In solchen Fällen müsse der Westen seinen Worten Taten folgen lassen, um eine Rückkehr zum Kalten Krieg zu verhindern.

Das Vaterland aus Liechtenstein rechnet nicht damit, dass die russische Wirtschaft infolge der Konflikte mit westlichen Staaten in eine ähnliche Krise wie vor zehn Jahren steuert - damals sei der russische Staat pleite gewesen, und der Kurs des Rubels sei abgestürzt. Gleichwohl gebe es aktuell Krisensymptome: Seit Beginn des Südossetien-Krieges seien sieben Milliarden Dollar aus dem russischen Finanzmarkt abgezogen worden, parallel fielen in Russland seit einiger Zeit die Börsenkurse stark, und auch der Ölpreis gehe wieder deutlich zurück. "Dank des Rohstoffpreis-Booms der letzten Jahre konnte Russland einen gewaltigen Sparstrumpf auffüllen, der jetzt die Sicherheit gibt, um derartige Probleme locker abfedern zu können", glaubt die Zeitung. Die Gold- und Devisenreserven der russischen Zentralbank lägen bei 597 Milliarden Dollar, etwa 50 mal mehr als vor zehn Jahren.

Die Washington Post vergleicht den Konflikt im Kaukasus mit der Niederwalzung des Prager Frühlings durch russische Panzer 1968. Heute unterhielten die russischen Führer allerdings ein stabiles Verhältnis zu westlichen Institutionen: der G8, dem Europarat sowie westlichen Banken und Unternehmen, die russisches Kapital verwalteten. Und es seien diese Beziehungen und Druckmittel, die im Falle eines langfristigen Kaukasus-Konflikts vom Westen eingesetzt werden sollten, schlägt das Blatt vor. Dazu müsse der Westen mit einer Stimme sprechen. In der Vergangenheit habe Russland bevorzugt mit einzelnen Staaten verhandelt - in der vergangenen Woche habe eine Schwester des staatlichen Energiekonzerns Gazprom einen früheren finnischen Premier geködert. "Wenn wir zusammenhalten, statt zuzulassen, dass Gazprom uns einzeln aufpickt, gibt es immerhin die Chance, dass die Mini-Abkühlung nicht 40 Jahre anhält."

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