Internationale Presseschau vom 21.11.2008
Wo ist Angela?

Die internationale Wirtschaftspresse diskutiert über das mögliche EU-Konjunkturpaket über 130 Milliarden Euro und die Rolle Deutschlands beim Krisenmanagement. Der Guardian sieht die Führung von Woolworths in der Bredouille. Asia Times Online zweifelt am 596 Milliarden Dollar schweren Stimulus-Paket Chinas. Fundstück: Trecker mit Donnerhall.

Aus Sicht des Wall Street Journal hat Deutschland derzeit kein Interesse, als treibende Kraft ein 130 Milliarden Euro schweres Stimulus-Paket zu schnüren. "Berlin fürchtet, für das besonnene ökonomische Management bestraft zu werden", erklärt das US-Blatt. Schon heute klaffe eine große Lücke in Europa: Während Deutschland 2008 mit einem ausgeglichenen Haushalt sowie einem kleinen Defizit in 2009 rechne, verfehlten Frankreich, Italien, Portugal, Griechenland und Irland das Maastrichter 3-Prozent-Defizitkriterium. "Die Alternative zu einer von Deutschland angeführten Schocktherapie für die europäische Wirtschaft wäre eine verlängerte Rezession. Das könnte auf eine Belastungsprobe für die Zuneigung der deutschen Öffentlichkeit für den Euro hinauslaufen - handelt die Regierung, wenn sie gebraucht wird, auch im Sinne des europäischen Projekts?"

"Wo ist Angela", fragt der Economist in der aktuellen Ausgabe. Obwohl Deutschlands Wirtschaft am stärksten in Europa sei, habe man in den vergangenen krisengipfelgetriebenen Wochen wenig von der Kanzlerin gesehen - ganz im Gegensatz zu Frankreichs "dämonisch hyperaktivem Nicolas Sarkozy" und Großbritanniens "neu unter Strom gesetzten und sonderbar frohen" Gordon Brown. Doch Merkels "Unsichtbarkeit" sei verständlich: Sarkozy habe als EU-Präsident eine "Entschuldigung", um nach vorne zu stoßen; Brown sei lange Zeit britischer Schatzkanzler gewesen und habe daher Ahnung vom internationalen Finanzwesen; und Merkel ziehe von Natur aus lieber im Hintergrund die Strippen, statt grelle Schlagzeilen zu produzieren. Gleichwohl sei eine lautere Stimme aus Deutschland wünschenswert, nicht nur, weil Deutschland ein großer Zahler in der EU sei, sondern auch, um das Vertrauen Europas in Wettbewerb und freie Märkte zu stärken - gerade ihre Vergangenheit im kommunistischen Ostdeutschland müsse Merkel angesichts der überall geforderten größeren Rolle des Staates misstrauisch stimmen. Ein überzeugendes Engagement von Merkel, lautet das Fazit der britischen Wochenzeitschrift, könnte am Ende dazu führen, dass sie bei den nächsten Wahlen ihren mühseligen Koalitionspartner loswird.

Die Wiener Zeitung wundert sich, dass Hinweise auf ein EU-Konjunkturpaket über 130 Milliarden Euro derzeit nur aus Berlin kämen - Wirtschaftsminister Michael Glos spreche schon ganz offen über das Konjunkturpaket im Fernsehen. Dies sei erstaunlich vor dem Hintergrund, dass Berlin einen ähnlichen Vorstoß aus Frankreich und London erst vor eineinhalb Monaten innerhalb nur eines Tages vernichtet habe. Den Plan aus Brüssel zu realisieren, wäre ohnehin nicht leicht, da die EU-Kommission den Mitgliedsländern kein einheitliches Paket verordnen könne. "Die Mitgliedsstaaten könnten Investitionen in Zukunftsbereiche wie Infrastruktur oder Klimaschutz vorziehen, heißt es einigermaßen nebulos. Deutschland hat bereits erklärt, dass es sich sein aktuelles Konjunkturpaket von 32 Mrd. Euro über zwei Jahre auf jeden Fall anrechnen lassen will. Andere warten noch auf den Startschuss aus Brüssel."

Seite 1:

Wo ist Angela?

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%