Internationale Presseschau vom 21.4.2009
Oracle Sun – nur ein Hilfsdienst unter Freunden?

Die internationale Wirtschaftspresse diskutiert Vor- und Nachteile einer Fusion von Oracle mit Sun Microsystems. Report on Business und IlSole24ore beleuchten die Rolle der Gewerkschaften im Poker um die nordamerikanische Autoindustrie. Der Business Spectator zollt Qantas-Chef Alan Joyce Respekt. Fundstück: Deutschland bloggt nicht richtig.

"Mit der Übernahme von Sun Microsystems Inc. für 7,4 Milliarden Dollar könnte Oracle in den Ring steigen mit IBM und Hewlett Packard", kommentiert das Wall Street Journal den möglichen Deal zwischen den beiden IT-Firmen. "Oracle könnte dann das komplette Produktpaket im Bereich Informationstechnologie bieten und alle Bedürfnisse, die Unternehmen haben, bedienen." Die Hardware von Sun auf der einen, die Geschäftssoftware und Verkaufsorganisation von Oracle auf der anderen Seite - das addiere sich nach Meinung eines Analysten zu einer ungeheuren "Schlagkraft, die das neue Unternehmen zu einem globalen Gegengewicht zu IBM" machen könnte. "Das war eine Verschiebung tektonischen Ausmaßes." Andere Analysten bewerteten die Übernahme skeptisch: "Der Zusammengang mit Sun könnte langjährige Partner von Oracle irritieren, so z. B. Hewlett-Packard oder Dell, die beide Oracle Database Software verkaufen." Auch die Oracle-Margen könnten leiden: Derzeit betrage die Handelsspanne für Orcale 46 Prozent, sie könne durch die Übernahme von Sun auf 35 Prozent schrumpfen. Doch: "Die traditionellen Linien in den IT-Infrastrukturmärkten beginnen zu verwischen, das zwingt Unternehmen dazu, zu diversifizieren."

"Die Transaktion zu 9,50 Dollar pro Aktie - ein Preis, der einst vom Rivalen IBM erwartet worden war, bevor die Verhandlungen mit Sun zusammenbrachen - katapultiert Oracle in direkte Konkurrenz zu IBM und Hewlett Packard. Doch macht dieser Deal wirklich Sinn?", gibt sich die Financial Times skeptisch. Oracle wolle für Sun das Achtfache der erwarteten Gewinne vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Tilgungen zahlen, doch das bringe nicht viel Raum für Kostenreduzierungen: "Sun hat es nicht geschafft, Ersparnisse aus zehn aufeinander folgenden Restrukturierungsplänen herauszuholen." Oracle glaube dennoch, dass mit Sun der operative Gewinn im ersten Jahr um 1,5 Milliarden Dollar und danach um zwei Milliarden Dollar ansteige. "Kosten dürften aber nicht das Hauptziel dieses Deals sein: Wenn Oracle nicht gerade ein plötzliches Begehren nach Servern plagt, dürfte Suns problematisches Hardware-Geschäft bald verkauft werden, möglicherweise an Cisco. Was Oracle anzieht, sind Suns Softwareprodukte. Java und Solaris werfen zwar nicht viel Geld ab, aber sie sind Standard in der Industrie. Oracles eigene Database Software stützt sich auf sie." Insofern passe die Übernahme in das Konzept von Oracle. "Ob Oracle nun die Teile zu einem stimmigen Ganzen zusammenfügt, bleibt abzuwarten."

Äußerst fragwürdig erscheint der WirtschaftsWoche der Deal zwischen Oracle und Sun Microsystems. Nicht nur setzte sich Oracle-Chef Larry Ellison ehrgeizige Ziele, wenn er davon ausgehe, dass Sun mittelfristig beim operativen Gewinn ein Plus von 1,5 Milliarden Dollar pro Jahr beitrage, habe doch Sun in fünf der letzten acht Jahre Verluste geschrieben. Die beschworenen Synergieeffekte seien auch nicht nachvollziehbar. "Sun ist immer noch stark auf die selbstentwickelte Hardware fokussiert. Doch die Entwicklung eigener Prozessoren und Bauteile für die Sun-Server verschlingt Jahr für Jahr einen nicht unbeträchtlichen Teil des Forschungs- und Entwicklungsbudgets. Das Synergiepotenzial ist hier nahe Null, schlicht weil Oracle bisher keinerlei Hardware-Aktivitäten im Portfolio hat, die man mit Sun zusammen legen und dadurch Kosten sparen könnte." Ähnliche Fragezeichen gebe es bei geplanten integrierten Angeboten: Schon heute wählten beide Unternehmen die Kombination ihrer Produkte, weil sie von Zuverlässigkeit und Performance überzeugt seien. "Wen soll eine vermeintlich oder tatsächlich noch bessere Integration dann überhaupt noch ansprechen?" Fragen, die Oracle-Chef Ellison und Sun-Gründer und-Aufsichtsratschef Scott McNealy in den kommenden Wochen genau beantworten müssten. "Sonst hat der heute angekündigte Deal einstweilen den Beigeschmack eines Hilfsdienstes unter Freunden."

Seite 1:

Oracle Sun – nur ein Hilfsdienst unter Freunden?

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%