Internationale Presseschau vom 21.7.2009
Bernanke: Versager oder Retter der US-Wirtschaft?

Die internationale Wirtschaftspresse sieht Fed-Chef Ben Bernanke bei den anstehenden Anhörungen vor dem US-Congress im Kreuzfeuer der Kritik. Der Economist warnt vor einem systemischen Risiko im Schweizer Bankensektor. Der Financial Express sagt Entwicklungsländern eine glänzende Zukunft voraus. Fundstück: Ein Luxusurlaub dank Bernie Madoff.

"Ben Bernanke hat zwei Tage vor sich, in denen er die Versuche, die US-Notenbank (Fed) zu zähmen, abwehren muss", meint das Wall Street Journal zu den für heute und morgen anberaumten Anhörungen vor dem US-Congress. Heftigster Kritiker sei der texanische Republikaner Ron Paul, der die Fed ganz abschaffen wolle - und die Kritik an der Fed und ihrem Chef neu entfacht habe. "Viele glauben, dass die Fed versagt hat, ihre Bankenaufsicht zu lasch gehandhabt und das Anwachsen der Blase mit niedrigen Zinssätzen befördert habe." Bernanke meine genau das Gegenteil: "Ich bedauere nichts, ohne unser Gegensteuern wäre die Krise noch stärker ausgefallen. Es bestand die Gefahr einer Großen Depression wie in den 1930er Jahren, diese haben wir abgewendet." Doch Bernanke werde ein schwieriges Publikum in den Anhörungen vorfinden, zudem stehe im Januar die Verlängerung seines Vertrages an. Insider meinen, dass Lawrence Summers, Barack Obamas Top-Wirtschaftsberater, ein Bewerber für den Job sein könne. Bernanke schlage sich aber gut: Er habe Zugeständnisse an die Obama-Regierung gemacht, zahlreiche Gespräche und Telefonate geführt und eine Mitarbeiterin eingestellt, die helfen soll, die Beziehungen zum Congress zu verbessern. Letztlich gehe es nicht nur um ihn, sondern um die Fed selbst: "Wir stehen an einem Scheideweg, wir werden künftig mehr Überprüfungen der Fed und Angriffe auf ihre Unabhängigkeit haben", so ein Insider gegenüber dem Blatt.

"Ben, wie hältst du?s mit dem Ausstieg?", fragt die Financial Times Deutschland : Eines der zentralen Themen bei den Anhörungen werde sein, wie die Fed die "Politik des billigen Geldes" beenden wolle. Milliardenschwere Konjunkturprogramme und Bankenrettungspakete, die aggressive Senkung der Leitzinsen durch die Notenbanken, die Ausweitung ihrer Bilanzen durch Wertpapierkäufe - all das schüre Ängste, dass die stark angeschwollene Geldmenge mittelfristig zu einer hohen Inflation führt. "Vorreiter der lockeren Geldpolitik ist die Fed. Sie senkte den Leitzins auf 0 bis 0,25 Prozent, öffnete zahlreiche Liquiditätsfenster für die Banken und kauft Staatsanleihen sowie Hypothekenpapiere. Ihre Bilanzsumme schwoll im Dezember auf 2300 Mrd. $ an." Bernanke müsse deshalb den Menschen erklären, wie die zahlreichen Liquiditätsfenster wieder geschlossen werden können. Details zum Abschied von der bisherigen Fed-Politik seien zwar kaum zu erwarten, doch der Dollar könne von der Anhörung profitieren. Experten erhoffen sich zumindest in Grundzügen eine Darstellung der Exit-Strategie: "Das würde die Unsicherheit über die Geldpolitik verringern. Der Risikoaufschlag auf Dollar-Vermögenswerte würde zurückgehen." Auch Hinweise auf eine Rücknahme der Stimulierungsmaßnahmen hätten diesen Effekt, da ein solches Vorgehen der Fed darauf schließen lasse, dass die US-Ökonomie sich wieder zunehmend erhole.

Von einer möglichen Wiederwahl Bernankes zum Fed-Chef warnt das Forbes Magazine eindringlich. George W. Bush habe damals einen Fehler begangen, Barack Obama solle ihn nicht wiederholen, meint das Blatt. Denn Bernanke sei ein Verfechter der Phillips-Curve-Theorie, die davon ausgehe, dass wirtschaftliches Wachstum Inflation fördere. Wörtlich habe das Bernanke in einer Rede bekannt: "Ein hoher Ausnutzungsgrad von Ressourcen hat das Potenzial, inflationären Druck zu nähren." Zwar habe Bernanke in seiner Amtszeit auch gegenteilig argumentiert, doch letztlich sei er als Akademiker ein Anhänger der Phillips-Curve-Theorie. Hinzu kämen weitere Fehler: So habe die Fed unter Bernankes Führung nichts für einen starken Dollar getan, der Wert von Gold habe sich gegenüber dem Dollar in Bernankes Amtszeit verdoppelt. "Wäre der Dollar nicht so schwach geworden, hätte es keine Bankenkrise gegeben", argumentiert das Blatt. Auch habe die Fed die heraufziehende Krise verschlafen - und mit Lösungen aufgewartet, die den Bankensektor zusätzlich schwächten, darunter die politisch motivierten Rettungsmaßnahmen. "Und auch der niedrige Leitzinssatz ist letztlich ein Eingeständnis des Unvermögens: Wäre die Währungspolitik angemessen gewesen und die Bankenaufsicht auch, müsste der Zinssatz nicht bei Null dümpeln." Obama täte deshalb gut daran, Bernanke wieder an die Universität zu schicken - und einen Mann an die Spitze der Fed zu holen, der sich bescheiden für ein Ziel einsetze: Ein stabiler, starker Dollar."

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