Internationale Presseschau vom 22.10.2009
Keine Chance für den Euro als Weltwährung

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert den andauernden Wertverfall des Dollars, gegen den sich der Euro aber nicht als Alternative abzeichne. Die Financial Times traut dem Glanz der Deutschen Bank nicht. Vedomosti berichtet vom kurzen Intermezzo der Handelskette Carrefour in Russland. Fundstück: Madoffs Nordpol-Investments.
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Man solle sich lieber um den Euro und nicht um den Dollar sorgen, titelt das Wall Street Journal im Hinblick auf die aktuelle Wechselkursentwicklung. Reservewährungen würden nicht einfach so geschaffen, sondern entstünden über einen langen Zeitraum. "Der Dollar habe zwei Weltkriege und eine gute Hälfte des Jahrhunderts gebraucht, um da Pfund von seinem Platz zu verdrängen", erinnert die Zeitung. Die aktuelle Dollarschwäche müsse im Kontext betrachtet werden, schließlich habe die Währung seit dem letzten Hoch im Jahr 2002 nur 21 Prozent verloren. "Das ist nicht mehr als in den vergangenen Tiefs der 1970-er und 1980-er Jahre." Das kurzfristige Problem könnte vielmehr auf der anderen Seite des Atlantiks liegen. "Der Euro ist seit März um 19 Prozent gegenüber dem Dollar gestiegen. Das setzt die Exporteure unter Druck und setzt den wirtschaftlichen Aufschwung aufs Spiel", kommentiert die Zeitung.

Der starke Euro sei eine schlechte Nachricht für die wirtschaftliche Erholung der Eurozone, glaubt das Wirtschaftsmagazin Forbes. Steigende Exportpreise sei genau das, was besonders Deutschland im Moment nicht gebrauchen könne - Exporte machten mehr als die Hälfte des deutschen BIPs aus, weit mehr noch als etwa in Japan. "Der hohe Eurokurs könnte den Kampf der europäischen Regierungen gegen die Krise zunichtemachen und für einen erneuten Rückfall der Wirtschaft sorgen", zitiert das Blatt einen Analysten. Die europäischen Exporte seien im August um rund ein Viertel eingebrochen, verglichen mit dem Vorjahresmonat. Bleibe der Euro bei 1,50 Dollar oder darüber, werde die Deflationswahrscheinlichkeit in der Eurozone erhöht. "Vor dem Hintergrund des starken Euro könnte sich die Abschwächung des Aufschwungs sehr negativ auf die Wirtschaft Europas auswirken", so das Magazin.

Die Debatte um einen vermeintlichen Untergang des Dollars komme zu früh, kommentiert die Financial Times Deutschland . Dabei sei auffällig, dass der Euro nicht als Alternative ins Gespräch gebracht werde. In seiner zehnjährigen Geschichte habe sich die Gemeinschaftswährung zwar als großer Erfolg für die Mitgliedsstaaten erwiesen. "Lässt man jedoch die aktuelle Währungsaufwertung außen vor, gibt es keinerlei Anzeichen für einen Aufstieg des Euro zur Weltwährung." Ein Grund dafür sei, dass der Euro die selbst auferlegten Beschränkungen in Bezug auf Verwendung und Übernahme im Ausland noch nicht überwunden habe. Ein strenges Festhalten an den Anforderungen des Wechselkursmechanismus II und der Maastricht-Kriterien für Staatsdefizit, Inflation und Zinssätze halte Beitrittskandidaten auf Abstand und sei nicht gerade förderlich für einen Einflussgewinn des Euro.

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