Internationale Presseschau vom 22.5.2009
Angst vor Doppel-A in den USA

Die internationale Wirtschaftspresse blickt voller Sorge nach Amerika, nachdem S&P den Ausblick für die Bonitätsbewertung britischer Staatsschulden gesenkt hat. BusinessWeek porträtiert Roland Berger als historische Hebamme. Die NYT berichtet über die Einigung von GM mit der Autogewerkschaft UAW. Fundstück: Anti-Korruptionsimpfung für die Russen.

Großbritannien fürchtet die Herabstufung seiner Bonitätsnote, nachdem die Rating-Agentur Standard & Poor's den Ausblick für die Bonitätsbewertung britischer Staatsschulden von „stabil“ auf „negativ“ gesenkt hat – erstmals bei einem Land mit einer so großen Wirtschaft in der Finanzkrise. Aus Sicht der Financial Times ist die Herabstufung neben dem Spesen-Skandal im britischen Parlament eine weitere „Anklage der britischen Politik“. Dabei sei das dramatische S&P-Urteil gar nicht neu. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) habe Anfang der Woche eine ähnliche Analyse vorgelegt. „S&P und der IWF sind zu Recht besorgt. Parlamentswahlen müssen innerhalb eines Jahres einberufen werden; dies hat eine Glaubwürdigkeitslücke entstehen lassen. Die Geldgeber möchten wissen, wie die nächste Regierung den Haushalt ordnen wird“, erklärt das Blatt. Aktuell traue sich aber keine Partei zu offenbaren, wie sie die Steuerzahler dazu bewegen will, mehr Geld für weniger Service zu bezahlen.

Das Wall Street Journal warnt davor, dass den USA ein ähnliches Schicksal blüht wie Großbritannien. Während der britische Finanzminister Alistair Darling zuletzt eine Verschuldung von 79 des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bis zum Jahr 2014 angekündigt habe, gehe S&P sogar von einer Schuldenlast von beinahe 100 Prozent aus. Zwar sorgten sich die Ratingagenturen zu sehr um die Verschuldung und zu wenig um das Wirtschaftswachstum, meint das WSJ. Gleichwohl setzten Politiker in Großbritannien und den USA die Ausgaben der Regierung mit Wachstum gleich. Die Annahme der US-Regierung, dass der Schuldenstand bis 2011 rund 70 Prozent erreichen werde, beruhe auf rosigen Annahmen zum Wirtschaftswachstum. „Der Status des Dollars als Reservewährung der Welt schützt die USA davor, ihr AAA-Rating zu verlieren. Aber die Gläubiger weltweit fällen ihr eigenes Urteil zur fiskalischen Glaubwürdigkeit der USA auf einer täglichen Basis, und diese Urteile werden sich im Wert des Dollars und den Erträgen bei Staatsanleihen niederschlagen.“

Auch der Wirtschaftsdienst Bloomberg zieht eine Herabstufung der US-Bonitätsstufe in Betracht. Mehrere Schritte der US-Politiker hätten dazu geführt, dass Investoren der Regierung nicht mehr vertrauen und daher ihr Geld nicht mehr zur Verfügung stellten, darunter der Druck, den der Staat auf die Bank of America ausgeübt habe, um Merrill Lynch zu übernehmen, sowie die Bevorzugung der Chrysler-Gewerkschaften gegenüber den Gläubigern. Das größte Problem bestehe darin, dass ausländische Investoren – besonders aus China – einen weitaus höheren Einsatz im „Dollar-Spiel“ als bei Euros, Yen oder Pfund gewagt hätten. Ergo sei die US-Währung der wahrscheinlichste Kandidat, den das „Hackebeil“ in einer Krise der Glaubwürdigkeit hinsichtlich der Post-Krisen-Regierungsfinanzen treffen werde. Demgegenüber wäre selbst eine Herabstufung auf AA nur eine „Sanktion der Nuancen“: von einer „extrem starken“ auf eine „sehr starke“ Tilgungskraft. Hinzu komme, dass es gute Gründe dafür gebe, dass keine einzige Regierung im aktuellen Klima der Finanzkrise in den Genuss der Top-Bonitätsstufe kommen dürfe.

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