Internationale Presseschau vom 23.3.2009
„Geithners Zombie-Ideen haben gesiegt“

Die internationale Wirtschaftspresse zeigt sich vom neuen Bankenrettungsplan von US-Finanzminister Timothy Geithner mehr als enttäuscht. Die Financial Times ruft Norwegen als „neue Schweiz“ aus. L’Expansion berichtet über Frankreichs Boni-Skandal. Vedomosti vermeldet düstere Aussichten bei Gazprom. Fundstück: Teure Spielzeuge unterm Hammer.

„Die Zombie-Ideen haben schließlich gesiegt“, lautet der bittere Kommentar von Paul Krugman zum Bankenrettungsplan von US-Finanzminister Timothy Geithner. „Die Obama-Administration hat sich offenbar ganz und gar der Idee verschrieben, das mit dem Finanzsystem grundsätzlich nichts falsch ist“, schreibt Krugman in seinem Blog in der New York Times, „es gibt offenbar keine faulen Anlagen, sondern nur missverstandene. Und wenn wir die Investoren nur davon überzeugen, dass diese faulen Anlagen in Wirklichkeit viel mehr wert sind als irgendjemand dafür zahlen will, sind unseren ganzen Probleme gelöst.“ So sei ein Fonds zum Aufkauf fauler Kredite geplant, an dem sich auch Privatleute beteiligen und dafür Darlehen vom Steuerzahler ohne Rückgriffsmöglichkeit erhalten könnten, doch dieser Fonds werde falsche Anreize schaffen, „das ist eine Einladung an alle Investoren auf Gewinn zu setzen, während der Steuerzahler verliert.“ Das Vertrauen der Öffentlichkeit in die nach wie vor unterkapitalisierten Banken könne so nicht wieder hergestellt werden. „Und wenn die Regierung merkt, dass der Plan nicht funktioniert, wird sie kaum noch die Kraft haben, dem Congress einen anderen, vielleicht praktikablen Plan verkaufen zu können. Was für ein entsetzliches Durcheinander!“

„Der neue Plan ist der alte Plan“, schimpft auch das Wall Street Journal in seinem Blog Marketbeat. Wie sein Vorgänger Henry Paulson oder die Bush-Regierung setze Geithner darauf, dass die großen Finanzinstitute bereit seien, alle ihre faulen Anlagen unter Wert zu verkaufen, wolle dabei aber Privatinvestoren entgegenkommen, die sich in diese faulen Anlagen einkaufen sollen. „Und wer bleibt draußen in der Kälte stehen? Der Steuerzahler.“ Eine bessere Lösung könne sein, insolvente Banken zu übernehmen, ihre Anleihen zu Marktpreisen abzuschreiben und die Anteilseigner der Bank für den Großteil der Verluste zahlen zu lassen, indem ein gewisser Prozentsatz der Anleihen in Eigenkapital umgewandelt werde. Danach könnten die – wieder gut mit Kapital ausgestatteten – Banken verkauft oder reprivatisiert werden. Die Obama-Regierung aber zeige, dass sich wenig geändert habe. Der Zorn darüber, dass schwankende Institute aufgefangen und in Zwangsverwaltung genommen oder Schuldner mit Kapital versorgt würden, sei offenbar immer noch nicht ins Herz Washingtons vorgedrungen. „Bislang hat doch jeder Rettungsversuch noch größere, teurere und gefährlichere Rettungsversuche nach sich gezogen.“

„Wir sollten uns langsam Sorgen machen über die Amerikaner“, meint die Financial Post aus Kanada kopfschüttelnd zu den Plänen der US-Regierung. Nicht nur der Finanzsektor scheine gelähmt, auch das politische System in Washington scheine sein Verfallsdatum überschritten zu haben: „Das Problem ist nicht mehr die Krise, das Problem sind jetzt diejenigen, die die Probleme lösen sollen.“ Die Welt, wie wir sie gekannt hätten, sei am Ende – dank Wall Street, AIG und Banken, die behaupteten, für Billionen von Anleihen gerade stehen zu können, die sie nie hätten auszahlen können. Doch nun würden in ihren Verwaltungs- und Aufsichtsräten ausgerechnet Mitglieder der Exekutive und Legislative aus Washington sitzen, die kaum Ahnung hätten. Alan Greenspan habe viele Jahre lang zu viel Geld drucken lassen, Henry Paulson habe vor allem seine alte Firma Goldman Sachs gerettet und nun befinde sich auch Timothy Geithner in einem Konflikt, weil er die Krise nicht vorhergesehen habe, damals, bei der Fed. „Amerika muss endlich zugeben, dass ihre Systeme neu erfunden werden müssen.“

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