Internationale Presseschau vom 23.6.2009
Lufthansa: Ballast mit Charme und Risiko

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die aktuelle Einkaufspolitik der Lufthansa und warnt das Unternehmen vor zu vielen Problembeteiligungen. Forbes wünscht sich für US-Präsident Barack Obama eine Bank. La Tribune erklärt, warum Ungarn immer noch auf den Mercedes-Stern hofft. Fundstück: Kein Neid, kein Blackberry.

"Wenn es Lufthansa gelingt, das Steuer bei der angeschlagenen British Midland Airways Ltd. (BMI) herumzureißen, könnte sich dieser Deal durchaus als lukrativ erweisen", meint das Wall Street Journal zu der Einigung zwischen der deutschen und der britischen Fluglinie. Denn BMI sei nach British Airways der zweitgrößte Nutzer des Londoner Flughafens Heathrow, auf die Fluglinie kämen mehr als elf Prozent der Abflüge und Landungen. "Trotzdem ist das Timing bei dieser Transaktion denkbar schlecht, denn BMI hat in den letzten Jahren zunehmend mit finanziellen Herausforderungen zu kämpfen." Zudem falle die Einigung in eine Zeit, in der die Luftfahrtindustrie einer ihrer schlimmsten Abstürze erlebe, mit massiv rückläufigen Passagier- und Cargozahlen und herben Gewinneinbrüchen und Verlusten.

"Augen zu und durch" scheint aus Sicht der Börsen-Zeitung das Motto der Führungskräfte der Lufthansa beim Deal mit BMI zu sein. Während die EU-Freigabe für den Einstieg bei Brussels Airlines noch im Rahmen der Erwartungen gelegen habe, übernehme die deutsche Fluggesellschaft mit BMI einen mit hohen Verlusten agierenden Wettbewerber. "Zwar muss Lufthansa die von BMI-Großaktionär Sir Michael Bishop seit zehn Jahren gehaltene Verkaufsoption für einen deutlich niedrigeren Betrag als einst vereinbart auslösen. Gleichwohl verunziert BMI vom 1. Juli an als vollkonsolidierte Tochter das Zahlenwerk der Lufthansa." Für die erfolgsgewohnte deutsche Airline werde damit die Luft dünner. Denn als Ballast komme noch die österreichische AUA an Bord. "Die Zweifel daran, dass die Managementkapazitäten der deutschen Fluglinie für die Vielzahl an Problembeteiligungen ausreichen und zudem das eigene Geschäft souverän durch die Turbulenzen gesteuert werden kann, nehmen zu", so das Fazit. Moody's und Standard & Poor's warnten bereits mit negativem Ausblick und Creditwatch.

Für die Financial Times Deutschland ist die extrem antizyklische Einkaufspolitik der Lufthansa nicht ohne Charme - sie berge aber Risiken. "Viele Firmenlenker beklagen derzeit mangelnde Planungssicherheit. Der konjunkturelle Nebel zwänge sie, auf Sicht zu fahren. Ist fliegen im Nebel einfacher? Das suggeriert Lufthansa strategischer Aktionismus auf jeden Fall." Denn mitten im dramatischen Abschwung - und in einem der schwersten Jahre für die europäische Luftfahrtbranche - sei die Lufthansa auf dem besten Weg, sich gleich um drei Airlines zu verstärken: Brussels Airlines, BMI und AUA. "Angesichts der aktuellen Lage dieser drei muss man kurzfristig wohl eher von einer Schwächung sprechen." Denn die Deutschen würden durch übernommene Schulden, nötige Kapitalspritzen und eigene Investitionen belastet: "Auf Sicht fahren geht anders." Andererseits habe die Lufthansa bisher ein gutes Händchen bei Firmenintegrationen bewiesen, sie gehe stärker in die Krise als die Rivalen. "Trotzdem ist die Aktie günstiger als der Sektor und mit einem Kurs-Buch-Verhältnis von 0,57 nah dem Allzeittief. Zumindest relativ zum Sektor sollte es wieder aufwärtsgehen."

Seite 1:

Lufthansa: Ballast mit Charme und Risiko

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%