Internationale Presseschau vom 23.7.2009
Wiedeking: Opfer der Großmannssucht

Die Wirtschaftspresse hinterfragt die "Hinrichtung eines Wirtschaftsbosses" und blickt in eine düstere VW-Zukunft. Die NYT fordert mehr Konkurrenz für US-Mobilfunkanbieter. MarketWatch krtisiert, dass Goldman Sachs & Co. ein mieses Quartal kaschieren. Laut Business Times kann Michael Jackson Sony nicht retten. Fundstück: Piëchs Großvater hat geklaut.

Aus Sicht der Börsen-Zeitung muss Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking jetzt sein Buch "Anders ist besser" umschreiben und erklären, warum "anders" gescheitert sei und welche Fehler er gemacht habe, als er vom David zum Goliath werden wollte. "Denn gescheitert ist Wiedeking, weil er seinen Grundsätzen untreu wurde und sich von jener Großmannssucht anstecken ließ, die er so gern Vertretern der Finanzwelt anhängt." Sein Abstieg habe begonnen, als er die mit dem Bau von Sportwagen erwirtschafteten Milliarden nicht mehr ins Kerngeschäft gesteckt, sondern sich als Investmentbanker versucht habe. "Er machte den Fehler, die feindliche Übernahme von Volkswagen als Schachspiel zu begreifen, das nach festen Spielregeln und damit vorauskalkulierbaren Spielzügen abläuft."

Die fragt, ob die Edelschmiede Porsche an der Seite des "Molochs VW" erfolgreich operieren kann - oder ob VW Porsche zur Wolfsburger Außenstelle mache und den Elan der Porsche-Belegschaft ersticke.Branchenbeobachter seien in dieser Frage uneins. Während Willi Dietz, Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft in Geislingen, versichere, dass jede Marke unter dem VW-Dach eine eigene Kultur besitze, sehe Ferdinand Dudenhöffer die kommende Verschmelzung skeptisch: "Die Kultur von VW wird Porsche übergestülpt." Die Mentalität der Mitarbeiter in Baden-Württemberg werde sich unter VW stark verändern; bei Porsche seien die Hierarchien flach, der Draht zwischen Mitarbeitern und Konzernleitung sei gut und kurz. Entscheidungen, relativ kurzfristig Kapazitäten zuzukaufen - wie etwa beim finnischen Zulieferer Valmet Automotive - würden unter VW schwieriger werden, was die Stuttgarter Flexibilität koste.

Die Süddeutsche Zeitung schreibt, die "Hinrichtung eines Wirtschaftsbosses" lenke vom eigentlichen Vorgang ab: dass in Zukunft die Familie einen Konzern befehlige, diesem aber anders als die Familie Quandt bei BMW keine Ruhe bringen werde - dafür sei sie viel zu zerstritten. Der Konzern schicke sich an, der größte Autohersteller der Welt zu werden, werde aber geführt wie ein Gutshof, auf dem Ferdinand Piëch viel zu viel Macht besitze, kritisieren die Münchner. Mit seiner Dominanz habe "der Alte", wie er bei VW respektvoll und ergeben genannt werde, ganze Führungsebenen im Konzern entmündigt. "Schon bald werden bei VW Heerscharen von Erben der Piëchs und der Porsches die Verantwortung tragen. Das ist eine Gefahr. Wenn sich die Großclans schon heute nicht grün sind, wie werden sich die Erben erst fetzen, wenn sie sich demnächst in ungezählte Untergruppen aufgespalten und entscheidungsunfähig gemacht haben?"

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