Internationale Presseschau vom 24.10.2008
Notbremse in voller Fahrt

Die internationale Wirtschaftspresse untersucht die Krise der europäischen Autoindustrie. Das Wall Street Journal rekapituliert die teuren Abenteuer deutscher Banken in Island. Die Weltwoche kritisiert die machtbesessenen deutschen Staatsbanker. Laut The Atlantic ist Chinas schlimmster Feind die eigene Ignoranz. Fundstück: Sarah Palin zum Aufblasen.
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Die internationale Wirtschaftspresse untersucht die Krise der europäischen Autoindustrie. Mit Blick auf die gestrige Gewinnwarnung von Daimler geißelt die Süddeutsche Zeitung die Reaktionen an der Börse, wo der Kurs der Daimler-Aktie, obwohl die Gewinnwarnung alles andere als eine Überraschung gewesen sei, weiter abgeschmiert sei - als ob der Autokonzern kurz vor dem Exitus stünde. "Was der globalen Bankergilde in diesen Finanzkrisenzeiten ständig um die Ohren gehauen wird, dass sie sich nämlich mit ihren seltsamen, strukturierten Finanzprodukten von der Realwirtschaft abgekoppelt und weit entfernt hätten, an den Börsen scheint das Spiel munter weitergespielt zu werden", kritisieren die Münchner. An den Börsen dominiere die reine Spekulation, die sich für Fundamentaldaten schon längst nicht mehr interessiere. Dabei seien diese bei Daimler in einer Verfassung, von der die meisten Banken heute nicht einmal träumten: Eigenkapitalquote von 41 Prozent, zehn Milliarden Euro auf der hohen Kante, Gewinn von sechs Milliarden Euro.

"Die Notbremse in voller Fahrt zu ziehen, birgt das Risiko, ins Rutschen zu kommen", kommentiert Les Echos aus Frankreich die Entwicklung der europäischen Autohersteller in diesem Jahr. Im Sommer hätten die Kunden eine 90-Grad-Kurve genommen, was dazu geführt habe, dass die Verkaufszahlen im dritten Quartal erstmals seit Jahresbeginn rückläufig gewesen seien: hinsichtlich Absatz bei Daimler und Fiat sowie beim Umsatz von Renault. Vor dem Hintergrund, dass der europäische Automarkt in diesem Jahr auf das Niveau von 1996 zurückfallen könnte, bleibe den Autobauern auch nichts anderes übrig, als ihre Erwartungen zurückzuschrauben. In dieser Situation täten die Autobauer gut daran, mehr Liquidität im Motor zu halten. Dass diese jedoch bei Daimler und Fiat seit Jahresbeginn um rund 50 Prozent eingeschmolzen sei, diene nicht gerade dazu, den Aktionärs-Beifahrer zu beruhigen.

"Nichts läuft derzeit gut für Daimler", urteilt das US-Wirtschaftsmagazin Forbes: Die US-Schwester Chrysler baue wegen der gesunkenen Nachfrage Jobs ab, während die vornehme Marke Mercedes-Benz einfach nicht aus den Showrooms hinausfinde. Der Handlungsspielraum sei nun extrem eingeschränkt. Zwar plane Daimler, die 19,9-Prozent-Beteiligung an Chrysler zu verkaufen, aber noch hätten sich die Deutschen nicht mit dem Mehrheitseigentümer Cerberus einigen können; selbst die "Leithammel" unter den Investoren zögen sich aktuell bei den US-Autobauern zurück, statt ihre Beteiligungen auszuweiten - nach Presseberichten wolle Cerberus Chrysler bei einem Wettbewerber wie General Motors oder mehreren Käufern abladen.

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