Internationale Presseschau vom 24.3.2009
Staatsfonds – die neue Klasse der Mächtigen

Die internationale Wirtschaftspresse beleuchtet mögliche Konsequenzen aus dem Einstieg des Emirats Abu Dhabi bei Daimler. Economist und Challenges kommentieren die Ankunft des billigsten Autos der Welt: der Nano von Tata. Kommersant vermutet, dass Ungarns Ex-Premier Gyurcsany zu Gazprom wechselt. Fundstück: Entsorgen Sie einfach mit Ihrem guten Namen!

Eine "Offensive der Staatsfonds" mit ungewissen Folgen leitet das manager-magazin aus dem Einstieg des Emirats Abu Dhabi bei Daimler ab. Vieles spreche dafür, dass Staatsfonds aus dem Nahen und Mittleren Osten in nächster Zeit in Mitteleuropa und Deutschland verstärkt aktiv werden. Ihre Kassen seien trotz Krise gut gefüllt, Unternehmenswerte und Aktienkurse befänden sich im Keller und Regierungen würden angesichts verzweifelter Versuche, die Wirtschaft zu retten, den Widerstand gegen vermeintlich gefährliche Investoren aus dem Ausland aufgeben. So investierten sie in Europa in die ganze Bandbreite der Wirtschaft, vom Maschinenbau bis hin zur Autoindustrie, und seien dabei "fest entschlossen, aktiver ins Management bei den Unternehmensbeteiligungen einzugreifen." Ihre Anlagestrategie ändere sich, sie verhielten sich zunehmend wie klassische Investoren. "Bestätigt sich der Trend, sind die Zeiten vorbei, als Investoren aus Arabien die Entscheidungen des deutschen Managements abnickten oder sich notfalls aus dem Unternehmen zurückzogen." Ob dies einen Exodus deutscher Technologie zur Folge haben könne, bleibe abzuwarten, klar aber sei, dass der Einstieg von Staatsfonds an den deutschen Konzernen selbst kaum scheitern werde. Nach einer Umfrage der Frankfurt School of Finance sehen sie in Staatsfonds "langfristig orientierte und zuverlässige Investoren."

Eine neue Klasse der "Mächtigen" macht dagegen die WirtschaftsWoche aus: "Wer jetzt noch Geld hat, ist König." Und das seien nicht mehr die Banken, sondern Großinvestoren, die bei Kapitalerhöhungen von Rabatten profitierten, wie die Investmentgesellschaft Aabar bei Daimler, oder die kräftig Gebühren bei Aktienemissionen einstrichen: "Die Macht hat, wer trotz der Krise noch Milliarden investieren kann. Daher sind es oft diese Großaktionäre, die abkassieren, wenn ein angeschlagenes Unternehmen dringend frisches Eigenkapital braucht." Den Banken würde diese neue Konkurrenz gar nicht passen - aber sie seien machtlos. "Wenn Banken kein Risiko mehr auf der Bilanz tragen können, die Aktionäre aber schon, dann muss es leider so sein, dass die Aktionäre sich das bezahlen lassen", zitiert das Blatt einen Londoner Aktienemissionsbanker. Nur eins verändere sich nicht: Privatanleger blieben bei dem Gebührenspiel außen vor. Sie dürften schon froh sein, wenn überhaupt jemand frisches Eigenkapital zur Verfügung stelle.

Die Financial Times analysiert den Deal aus der Perspektive Abu Dhabis: "Das ist nicht nur eine strategische Entscheidung für den langfristigen Erfolg eines der Top-Autohersteller der Welt, und es geht auch nicht nur darum, in Wirtschaftsbereiche zu diversifizieren, die nicht mit Öl verbunden sind. Abu Dhabi geht es um viel mehr." All die Aktivitäten, die Beteiligungen (u. a. an Ferrari, General Electric, Rolls Roys oder EADS) zeugten von dem Willen des Landes, Know How in der herstellenden Industrie und eine Kultur der Innovation aufzubauen. "Es soll ein Gegenpol zum üblichen Golf-Staaten-Modell geschaffen werden, wo der öffentliche Sektor die meisten Arbeitsplätze vorhält und Handelsgesellschaften dominieren." Vor 40 Jahren habe der syrische Philosoph Sadek al-Azm behauptet, dass sich die Araber aus den ökonomischen und gesellschaftlichen Prozessen ausgeklinkt hätten, die Innovation und wissenschaftlichen Fortschritt ermöglichen. "Abu Dhabi scheint nicht mehr nur konsumieren, sondern auch etwas erzeugen zu wollen."

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