Internationale Presseschau vom 24.4.2009
Fiat: Expansion auf Staatskosten

Die internationale Wirtschaftspresse meldet Zweifel an einer möglichen Allianz von Fiat und Opel an. Laut New York Times bereitet die US-Regierung den Insolvenzantrag für Chrysler vor. Die Börsen-Zeitung wundert sich über die vorgezeigte Normalität bei der VW-Hauptversammlung in Hamburg. Fundstück: Bernie Scumdog-Millionär erobert die Leinwand.

Der italienische Autobauer Fiat interessiert sich für eine Übernahme der General-Motors-Tochter Opel. Die Financial Times sieht zwei Risiken beim aktuellen Expansionskurs von Fiat. Zum einen müsste sich das Management weit strecken, sollte es Chrysler, Opel oder beide übernehmen – wegen der jüngsten Erfolge der Italiener müsse man dem Management jedoch zutrauen, das zu schaffen. „Die größere Gefahr besteht in der Annahme von Sergio Marchionne, dass das zyklische Tief bereits vorüber ist. Fiat kann opportunistisch sein, aber ein oder sogar zwei neue Unternehmen zu integrieren, könnte sich am Ende als das kleinste Problem erweisen“, warnt die FT.

Die Wirtschaftswoche erkennt mit Blick auf eine mögliche Übernahme von Opel durch Fiat wenig Grund zum Applaudieren. Auf dem Papier könnte ein Zusammenschluss von Opel, Fiat und Chrysler zwar Sinn machen – auf diesem Weg könnte sich Fiat zu einem Volumenhersteller entwickeln, der langfristig sechs Millionen Autos pro Jahr produziert. Dies setze jedoch voraus, dass bei den drei Konzernen insgesamt vier bis sechs Werke geschlossen würden. Und da es Fiat über Jahre nicht geschafft habe, seinen eigenen Werksverbund zu straffen und mindestens ein überflüssiges Werk zu schließen, wäre wohl Opel betroffen. Außerdem sei die Überschneidung zwischen Fiat und Opel extrem groß: Beide Hersteller seien in den gleichen Modellsegmenten stark, nämlich vorwiegend bei kleinen Fahrzeugen, und beide seien auf exakt den gleichen Märkten stark, nämlich in Europa und Südamerika. „Und so liegt der Verdacht nahe, dass Marchionne in seinen derzeitigen Verhandlungen vor allem eines sieht: Die Chance, Marktanteile von Konkurrenten mit staatlicher Unterstützung geschenkt zu bekommen. Dumm ist das nicht. Ob es auch im Sinne der Opel-Arbeitnehmer und der Bundesregierung ist, steht aber auf einem anderen Blatt.“

„Der Kauf von Opel sieht für Fiat keineswegs sinnlos aus“, schreibt demgegenüber die russische Wirtschaftszeitung Vedomosti. Die Unternehmen hätten bereits miteinander kooperiert, als GM noch Fiat-Anteile hielt. Der Fiat Grande Punkte und der Opel Corsa teilten sich eine gemeinsame Plattform aus dieser Zeit. Außerdem sei Fiat zum Beispiel eher in Südeuropa und Opel in Nordeuropa stark, was sich gut ergänze. Ähnlich sehe es aus bei den Modellreihen aus: Fiats Stärke liege im Kompaktsegment, Opel dagegen habe mit dem Insignia eine vollwertige Limousine, zudem auch noch Auto des Jahres 2009. „Der italienische Autokonzern hat nach der tiefen Krise in den 90er Jahren eine Wende vollbracht. Im vergangenen Jahr fuhr Fiat einen Gewinn von 1,7 Milliarden Euro ein“, applaudiert die Zeitung.

Das Wirtschaftsblatt aus Österreich berichtet, dass der zweite Opel-Interessent, der Zulieferer Magna, indirekt bestätigt habe, in einem Konsortium mit dem russischen Autobauer Gaz den deutschen Autobauer Opel übernehmen zu wollen. Ein Einstieg bei Opel zöge nach Einschätzung von Magna-Chef Siegfried Wolf allerdings Probleme mit dem Magna-Kunden Ford nach sich, für den Opel ein direkter Konkurrent sei. Bei Magna-Tochter Magna Steyr werde indes aktuell ein Sparprogramm vorbereitet, mit dem Betriebsrat seien Gehaltskürzungen fixiert worden.

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