Internationale Presseschau vom 24.7.2009
Jetzt regiert der Intrigantenstadl bei VW-Porsche

Die internationale Wirtschaftspresse verabschiedet Wendelin Wiedeking und sorgt sich um die Zukunft von Porsche. Vedomosti berichtet über die skandalöse Schließung eines riesigen Schmuggelmarktes in Moskau. ilsole24ore stellt die Anschubprämie für Wohnungen vor. Cash zeigt, wie die US-Steuerpolitik die Finanzkrise ausgelöst hat. Fundstück: Krone nur im Büro.

Für die Financial Times ist Wendelin Wiedeking der Sir Fred Goodwin von Deutschland. Ähnlich wie der umstrittene Ex-Chef der Royal Bank of Scotland habe Wiedeking einst große Dinge vollbracht und Porsche vom Beinahe-Bankrott in eine hochprofitable Firma geführt, bevor sein VW-Übernahme-Versuch unter der Schuldenlast kollabiert sei. "Jetzt fährt Wiedeking mit einem 50-Millionen-Euro-Bonus ab, bald könnte Ärger die Schadenfreude ablösen: Wenn er wie andere deutsche Führungskräfte, wie Klaus Esser von Mannesmann, vor Gericht gezerrt wird."

Aus der Sicht von Les Echos aus Frankreich ist Wiedeking der "Zauberer", der Porsche wieder auf die Überholspur geführt habe und in den vergangenen zehn Jahren wie kein Zweiter auf der Welle der Expansion der Neuen Reichen, von der Wall Street über Moskau bis Schanghai, gesurft sei. Doch der Erfolg sei ihm zu Kopf gestiegen, "er hat gedacht, er könne sich die Welt kaufen, zumindest das Herz der deutschen Autoindustrie, das in Wolfsburg schlägt." Dabei habe er die Macht des "Kaisers" Piëch unterschätzt. "Ein Mangel an Hellsichtigkeit, der bei großen Hexenmeistern häufiger vorkommt als gedacht."

Wiedeking habe in seiner Karriere Glänzendes geleistet, erinnert das Manager Magazin . Dafür sei er königlich entlohnt worden. Kein anderer angestellter Manager in Deutschland habe annähernd so viel verdient wie er. "Man muss kein Mitleid mit ihm haben. Am Ende aber hat er ein paar Fehler zu viel gemacht - und seinen Meister gefunden. Volkswagen-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch hat sich durchgesetzt. Wieder einmal."

Goliath hat gewonnen, titelt Vedomosti aus Russland über den Abschied des Porsche-Chefs. Seit er 1993 das Steuer bei Porsche übernahm, sei er zu einer Legende geworden. Er habe einen fast bankrotten Autohersteller durch erfolgreiche Produktpolitik und neue Managementmethoden zum profitabelsten Autokonzern der Welt gemacht. Die neuen Modelle Boxter und Cayenne hätten sich prächtig verkauft. "Der Erfolg ist ihm zu Kopf gestiegen, als er irgendwann VW schlucken wollte", glaubt die Zeitung. Die Zuffenhausener hätten in einem Jahr weniger Autos gebaut, als die Wolfsburger in einer einzigen Woche - "ein Kampf David gegen Goliath", schreibt das Blatt.

Die Börsen-Zeitung fürchtet, dass Porsche künftig nach und nach vom VW-Virus befallen werde, da Rentabilität in Wolfsburg dank der Gegenregierung der Betriebsräte lange Zeit ein Fremdwort gewesen sei. Bangen müsse man aber nicht nur um die Zukunft von Porsche, sondern mehr noch um die von Volkswagen. Ein österreichischer Intrigantenstadl beherrsche demnächst Deutschlands nach Umsatz und Börsenwert größten Industriekonzern. Nicht unternehmerische Großtaten seien aus der Ära von Ferdinand Piëch in bleibender Erinnerung, sondern "Lopez-Affäre, Spaltmaß-Fetischismus und Betriebsrat-Lustreisen".

Die Neue Zürcher Zeitung begrüßt die Personalien. Jetzt könnten sich die Verantwortlichen endlich wieder auf ihre Arbeit konzentrieren. Außerdem sei die gefundene Lösung im besten strategischen und kommerziellen Interesse der beiden Firmen. "Der extrem ehrgeizige Wiedeking muss nun zwar mit einer schmachvollen Niederlage abtreten, doch wird seine Ära in guter Erinnerung bleiben. (...) Sein designierter Nachfolger Michael Macht wird nun perfektionieren, was er als Produktionsvorstand schon seit Jahren macht: die Produktion von Porsche und VW noch enger verzahnen. Dies sollte für beide Unternehmen eine gute Grundlage für den künftigen wirtschaftlichen Erfolg sein."

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