Internationale Presseschau vom 24.8.2009
GM Opel: „Offenkundige Verzögerungstaktik“

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die Verzögerung einer Entscheidung zu Opel und kritisiert sowohl GM als auch die deutsche Regierung. Forbes gewinnt den Ermittlungen gegen Porsche positive Seiten ab. Kommersant zieht eine Bilanz der Moskauer Flugmesse MAKS 2009. Fundstück: Elektronischer Wertpapierhandel ist unmenschlich.

Eine offenkundige Verzögerungstaktik attestiert BusinessWeek dem General Motors-Vorstand mit Blick auf Opel und die deutsche Regierung. Insider hätten bestätigt, dass GM-Chef Fritz Henderson eigentlich sein Ja zum Deal mit Magna habe geben wollen. Das es anders kam, könne nur so gedeutet werden, dass sich der Autokonzern immer noch nicht sicher sei, ob er seine Anteile an Opel komplett aufgeben oder sich Optionen wahren sollte. Zwar sei unverständlich, warum sich die deutsche Regierung gegen RHJ International sträube; verlangten die Belgier von ihr doch 900 Millionen Euro weniger an finanzieller Unterstützung als Magna. Doch letztlich mache der Deal mit Magna Sinn, auch für GM. "Die alles entscheidende Frage ist: Was will GM in Europa?" Mit Magna gebe es nicht nur das Risiko, dass sich die russische Automobilindustrie der GM-Technologie bedient; GM würde auch seine Expertise in der Herstellung kleiner bis mittlerer Autos verlieren, denn die liege eindeutig bei Opel. "Anderserseits könnte GM aber genau dafür Daewoo in Korea kostengünstig nutzen. GM könnte Autos aus Korea importieren und unter dem Chevy-Label verkaufen, und dann Fabriken in Osteuropa aufbauen, wo nicht Forderungen aufgestellt werden wie von der IG Metall in Deutschland." Der Deal mit Magna habe zwei Seiten: GM verliere die Absatzzahlen und die Expertise, aber auch eine Menge Kosten. "Am Ende könnte GM dabei sogar noch Geld machen."

Die Financial Times Deutschland wirft dagegen der deutschen Regierung vor, sich ohne Not frühzeitig auf einen Bieter festgelegt zu haben, dessen Konzept allen Gutachten und Experten zufolge fragwürdig sei. "Nun sitzt die Regierung in der Falle." General Motors habe dagegen vor allem eines: Zeit. Während sich die GM-Manager zurücklehnen könnten, um wahlweise noch mehr finanzielle Zusagen vom deutschen Staat zu fordern, die Entscheidung für RHJI zu prüfen oder auf eine Insolvenz von Opel zu warten, wolle Berlin das Problemthema mit aller Gewalt vor der Bundestagswahl vom Tisch schaffen. Betriebswirtschaftliche Logik oder volkswirtschaftlicher Nutzen zählten dabei längst nicht mehr. Dass IG Metall und Opel-Betriebsrat für Magna votierten, weil das Unternehmen verspreche, die meisten deutschen Arbeitsplätze zu erhalten, sei legitim. Die Bundesregierung aber müsse übergeordnete Interessen zu vertreten - die der Wähler, der Steuerzahler und des Landes. "Doch das scheinen sowohl Union als auch SPD im Fall Opel vergessen zu haben. Sie trauen sich nicht, mitten im Wahlkampf eine Kehrtwende zu vollziehen und sich gegen die mächtige Gewerkschaft zu stellen." Mit dieser Haltung riskierten die Politiker nicht nur höhere Belastungen für den deutschen Steuerzahler, sondern auch ernsthafte außenpolitische Spannungen - mit Opel-Ländern wie Großbritannien, Polen oder Spanien, vor allem aber mit dem GM-Großaktionär USA.

Was führt General Motors im Schilde mit Opel, fragt ilsole24ore. Obwohl ein Angebot von Magna für Opel vorläge, zögere Detroit mit der Entscheidung. Dies veranlasst den italienischen Wirtschaftstitel zu der Spekulation, dass Fiat zurück in den Ring kehre. Dies bestätige auch der Vorsitzende von Fiat: Nach wie vor läge das Angebot der Italiener auf dem Tisch. Doch zunächst irritiere der Stillstand in den Verhandlungen die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, die den Fall Opel noch gerne vor den Wahlen abschließen wolle. Harsche Worte seien auch von anderen deutschen Politikern und von der Gewerkschaft gekommen, die auf eine baldige Entscheidung drängen. Für die Deutschen sei Magna der Favorit, Detroit wolle aber die Verhandlungen mit dem belgischen Finanzinvestor RHJ vertiefen. Eines sei jedoch sicher, schließt das Blatt, wenn für Opel keine Lösung vor dem 27. September gefunden würde, wäre alles umsonst gewesen - und die Verhandlungen müssten wieder bei Null beginnen.

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