Internationale Presseschau vom 24.9.2008
Honig für die Wall-Street-Schurken

Die internationale Wirtschaftspresse ist ebenso gespalten über den Rettungsplan von US-Finanzminister Henry Paulson wie der US-Senat. Cinco Días zeigt, wie Santander der Bankenkrise trotzt. Die Süddeutsche kritisiert die Forderung der IG-Metall. Die Novye Izvestija warnt vor der steigenden Inflation in Russland. Fundstück: Juristen auf den Hund gekommen.
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The Nation geißelt den Rettungsplan von US-Finanzminister Henry Paulson als "historische Täuschung" der US-amerikanischen Öffentlichkeit, bei der den "Schurken" der Wall Street Honig ums Maul geschmiert werde, während die Opfer Schmerzen und Schaden davontrügen. Skandalös sei nicht, dass die Regierung handele, sondern dass sie dies nicht entschieden genug tue, indem sie eine volle Kontrolle über das Finanzsystem ausübte. Die bisherigen Schritt-für-Schritt-Rettungen durch Fed und Finanzministerium hätten Investoren und Banken nicht daran gehindert, in zweifelhaften Zeiten Geld zu verleihen oder zu investieren. Diese Krise habe das Potenzial, eine oder gleich beide politischen Volksparteien in den USA zu Fall zu bringen und soziale Unruhen zu schüren, warnt The Nation. Als Ausweg aus der Krise schlägt die älteste Wochenzeitschrift der USA vor, eine neue zentrale Autorität zur Kontrolle des Finanzsystems einzurichten. Sollten die Akteure des Marktes die Maßnahmen der Regierung nicht unterstützen, müssten sie sich selbst überlassen werden, abgeschnitten von staatlichen Hilfen.

Der US-Steuerzahler habe allen Grund, sauer zu sein, schreibt das Wall Street Journal. Die Akteure aus der Politik und der Finanzbranche hätten dieses Chaos angerichtet, und nun werde der Steuerzahler gebeten, die Situation zu retten. Gleichwohl gebe es keine Alternative, denn der Preis des Nichtstuns wäre weitaus höher für die Steuerzahler sowie für die Zukunft des freien Marktes, stellt sich das Blatt auf die Seite der US-Regierung. Der Notfallplan habe bessere Chancen, als es Paulson mit seiner mürrischen Art vor dem US-Kongress dargestellt habe. "Was die Amerikaner zu hören verdienen, ist, dass unsere robuste Wirtschaft trotz 13 Monaten Kreditkrise noch steht; und dass diese 700 Milliarden Dollar die beste Summe sind, die der Kongress in diesem Jahr verwendet, sollte sie eine Rezession und einen Crash verhindern."

Die Washington Post glaubt nicht, dass ein grünes Licht im US-Kongress für den Banken-Notfallplan die Finanzkrise beenden würde. Dies sei "Wunschdenken": "Die Amerikaner täuschen sich oft damit, dass alle Probleme gelöst werden können, falls die Regierung mutig agiert. Dies könnte ein weiterer Beleg sein." Zwar könne Paulsons Plan dazu führen, dass Investoren ihre unattraktiven Papiere loswürden, nicht jedoch automatisch auch das Finanzsystem revitalisieren. In dieser Situation sei mehr Zeit gefragt - der Rettungsplan sei hastig konstruiert worden und enthalte einige "brüchige Vorkehrungen": zu viel Macht für den Finanzminister sowie für Insolvenzrichter, die über Hypotheken entscheiden könnten. Fazit: Sollte der Kongress "trödeln", würde er die Panik heraufbeschwören, vor der Paulson gewarnt habe; sollte er jedoch zu schnell handeln, könnte er ein "Monster" ins Leben rufen, dessen Folgen erst allmählich zum Vorschein kämen.

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