Internationale Presseschau vom 24.9.2009
G20: Die Legende von der Gier

Die internationale Wirtschaftspresse ermahnt die Teilnehmer des G20-Gipfels, den gemeinsamen Kurs nicht zu verlassen und den Fokus nicht nur auf Boni-Regulierung zu legen. Die Börsen-Zeitung kritisiert die Pläne zur EU-Finanzaufsicht. Dagens Industri sieht Schwedens mächtigste Kapitalanlagegesellschaft in der Krise. Fundstück: Nicht alles Goldman was glänzt.

Die britische Financial Times ermahnt die Gipfelteilnehmer, den in London eingeschlagenen gemeinsamen Kurs nicht zu verlassen. Dieser sei insofern erfolgreich gewesen, als er gezeigt habe, dass die "Laster der Provinzpolitik", die zum Elend in den 1930-ern geführt hätten, überwunden werden können. Beim bisherigen Krisenmanagement sei Einiges richtig gemacht worden, um ein ausgeglichenes globales Wachstum zu erreichen. In Zukunft müssten aber China, Deutschland und Japan mehr und die USA weniger konsumieren. "Das Ausgleichen ist per Definition eine koordinierte Maßnahme. Sollten die USA ,ausgleichen' - also beginnen, als Nation mehr zusparen -, ohne dass die anderen ihre Ausgaben erhöhen, besteht das Risiko nicht in einem unausgeglichenen Wachstum, sondern darin, dass es gar kein Wachstum gibt."

Das Wall Street Journal kritisiert die Fokussierung der G20-Teilnehmer auf die Regulierung von Bonus-Zahlungen. Es gebe keinen Beweis dafür, dass die gängige "Erzählung von der Gier" - kurzfristige Profite hätten Banker dazu verleitet, die Zerstörung ihrer Firmen zu riskieren - wahr sei. Viele Banker hielten ein Vielfaches ihres Jahresgehalts als Aktien, weshalb sie nach dieser Theorie ihr eigenes Glück aufs Spiel setzten. Richard Fuld, Ex-Chef von Lehman Brothers, habe rund eine Milliarde Dollar durch den Niedergang des Instituts verloren. Statt Boni zu beschränken, müssten die Regierungen ihre eigenen Rollen hinterfragen: Die Regulierung bestehe darin, dass sich die zu regulierenden Akteure so verhalten, wie es die Regulierer als nützlich erachten. "Wenn die Regulatoren aber falsch liegen, steht das gesamte System auf dem Spiel." Dies sei bei den Basel-Regeln der G20 der Fall gewesen.

Die französische Wirtschaftszeitung Les Echos freut sich bereits auf die Regulierungsmaßnahmen, die dem Bankensektor nach dem G20-Gipfel blühen würden. Es sei an der Zeit, die Reformen tatkräftig anzugehen, denn schon wieder stelle sich die Frage, ob die Banken aus der Krise auch wirklich ihre Lehren gezogen hätten. "Nie wieder Finanzkrise" rufe die Weltpolitik und sei endlich bereit, die Finanzindustrie mit "lautstarken Stoßdämpfern" auszustatten. Klar sei bereits im Vorfeld des G20 Gipfels, dass sich Europas Banken auf höhere Eigenkapitalquoten und strengere Bonusregeln gefasst machen müssten. Um jedoch einen "Credit Crunch" infolge höherer Rücklagen zu vermeiden, müsse ein richtiges "Timing" beim Inkrafttreten der Regelungen erzielt werden. Die wahre Herausforderungen für die europäischen Repräsentanten liege jedoch darin, auch die Amerikaner bei den Bonusregelungen in die Pflicht zu nehmen, so die Zeitung.

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