Internationale Presseschau vom 25.3.2009
Greenback aufs Abstellgleis?

Die internationale Wirtschaftspresse diskutiert Chinas Plädoyer für eine neue internationale Reservewährung. Im WSJ prognostiziert eine berühmte Analystin den Tod der Großbanken. Aus Sicht der Börsen-Zeitung wird Swiss Life zum Spielball der Deutschen. Cinco Días lobt den Einfallsreichtum der spanischen Tourismusbranche. Fundstück: Freds teure Tapete.

Chinas Zentralbank hat zu Wochenbeginn eine umfassende Reform des internationalen Währungssystems und langfristig eine Ablösung des Dollars als weltweite Leitwährung gefordert. Dabei plädierte Chinas Zentralbankchef Zhou Xiaochuan für die Sonderziehungsrechte (SZR) des Internationalen Währungsfonds (IWF), die das Potenzial hätten, zu einer übernationalen Reservewährung zu werden. Die britische Financial Times warnt davor, die „kraftvolle Botschaft“ von Xiaochuan nicht ernst zu nehmen. Während der Krise von 1997 habe China begonnen, einen großen Hügel an Devisen aufzuschütten, dabei jedoch zu stark auf den Dollar gesetzt – im Januar habe der Bestand an US-Staatsanleihen ein Volumen von 739 Milliarden Dollar gehabt (Juni 2008: 535 Milliarden). Da Washington aktuell die Nöte der Binnenwirtschaft vor die Interessen der Gläubiger stelle, fürchteten die Chinesen zu Recht, dass eine zukünftige Inflation sie viel Geld kosten könnte. Aus Sicht der FT müsste die von China geforderte neue Reservewährung nicht den Interessen der USA widerstreben. „Sie würde es für die USA zwar schwieriger machen, ihre Defizite zu finanzieren. Aber es kann nicht im Interesse von Amerika liegen, dass die Welt so stark von seiner Bereitschaft, Nachfrage zu erzeugen, abhängt. Dieses Ungleichgewicht ist die Wurzel der aktuellen Krise.“

L'Expansion aus Frankreich glaubt nicht, dass Chinas Vorschlag Gehör beim Treffen der G20 am 2. April in London finden werde. Zwar sei Zentralbanker Xiaochuan mit seiner Idee nicht alleine: In der vergangenen Woche habe Russland den G20-Teilnehmern einen ähnlichen Vorschlag unterbreitet; außerdem werde der UNO-Ausschuss für die Reform der internationalen Wirtschafts- und Finanzordnung unter dem Vorsitz von Nobelpreisträger Joseph Stiglitz voraussichtlich heute ebenfalls den Aufbau einer neuen internationalen Reservewährung anregen. Beim G20-Treffen werde es jedoch kaum möglich sein, Antworten auf die vielen offenen Fragen zur neuen Währung zu finden – wo wäre diese verankert, wie sähe die Regulierung aus und wie groß wäre der Umfang der Emission? Hinzu komme, dass der Dollar, wie das Gold, ein Fluchtwert bleibe und dass die Mehrzahl der Länder darauf vertraue, dass die USA den Welthandel wieder ankurbeln könnten. Schließlich besäßen viele Länder Dollar-Reserven – den Greenback abzuschaffen, würde ihr Guthaben „verwässern“.

Die Neue Zürcher Zeitung widerspricht den Spekulationen, dass die chinesische Landeswährung, der Yuan, möglicherweise zur Leitwährung der ferneren Zukunft werden könnte. Der Yuan habe sich zwar in der momentanen Krise als äußerst stabil erwiesen, sei aber ein internationaler Sonderfall. Die Währung sei seit 1995 eng an den Dollar gebunden; die chinesische Zentralbank sorge mit Devisenmarktinterventionen für die Stabilität des Wechselkurses, was China in der Inflationsbekämpfung und beim Zugang zu internationalem Kapital Vorteile verschaffe, da es als sehr berechenbar gelte. „In der momentanen Form würde sich der Yuan kaum als Ersatz des ,Greenback' eignen. In den letzten Jahren wurde immer wieder von Peking verlangt, die Währung frei fließen zu lassen.“ Die Vorschläge des Zentralbankchefs seien eher längerfristige Gedankenspiele – denn konkret gebe es zurzeit keine Anzeichen einer neuen Politik. So habe die Vizegouverneurin der chinesischen Zentralbank, Hu Xiaolian, am Montag die Bereitschaft Chinas bekräftigt, weitere US-Staatsanleihen zu kaufen; das Kreditrisiko bei US-Staatsanleihen sei laut Hu gering.

Seite 1:

Greenback aufs Abstellgleis?

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%