Internationale Presseschau vom 25.5.2009
„America for Sale?“

Die internationale Wirtschaftspresse sieht die Schwellenländer erneut auf dem Vormarsch – und warnt vor dem Ausverkauf der USA und schwierigen Zeiten in anderen Triple-A-Nationen. BusinessWeek und Les Echos loben asiatische Automarken für ihre Erfolgskonzepte. Der Business Spectator entdeckt die Vorzüge Schottlands für potenzielle Investoren. Fundstück: Luxuriöser Sonnenuntergang ohne Rendite.

Den Beginn der Phase „Entkopplung 2.0“ sieht der Economist heraufziehen – die Entkopplung bedeutender Schwellenländer von den westlichen Wirtschaftsnationen. „Es gibt Anzeichen, dass sich diese schneller von der Krise erholen als die USA. Chinas Wirtschaft gewinnt wieder an Fahrt, die Anlageinvestitionen nehmen so schnell zu wie seit 2006 nicht mehr und der Konsum bleibt stabil.“ Trotz der Debatte über die Richtigkeit der Angaben Chinas zu seinem Bruttoinlandsprodukt seien sich Ökonomen einig, dass die Wirtschaftsleistung wachse, möglicherweise bis zu acht Prozent. „Das verbessert auch die Aussichten anderer Nationen, etwa Brasiliens.“ Lediglich jene Schwellenländer, deren Wirtschaft stark mit der US-Wirtschaft verwoben sei, wie Mexiko, würden auch künftig leiden. Zwei Gründe gebe es für die erfreuliche Entwicklung in China oder Brasilien: Sie seien von den USA weniger stark abhängig als bislang angenommen, und sie hätten mit ihren Reaktionen auf die eigene wirtschaftliche Schwäche Fähigkeit und Wille bewiesen. „Jetzt, wo die globalen Erschütterrungen abebben, die Panik der Investoren nachlässt und die Kreditmärkte wieder zu funktionieren beginnen, profitieren die Schwellenländer. Für eine Erholung der US-Wirtschaft reichen diese Impulse noch nicht aus, zu groß sind die Missverhältnisse in den Bilanzen, die die amerikanischen Bürger ausgleichen müssen.“

„Amerika wird verkauft“, lautet das Fazit des Business Standard aus Indien angesichts des aktuellen „Anti-Dollar-Währungshandels“, der sich mit der Ankündigung der Ratingagentur Standard & Poor’s, Großbritannien abzuwerten, massiv verschärft habe. „Währungshändler und Investoren kehren dem Dollar zunehmend den Rücken zu, weil sie die Probleme in den USA mit Sorge beobachten, insbesondere die Frage, wie das Land sein Haushaltsdefizit in den Griff bekommen will.“ Sie hielten Ausschau nach Alternativen, eine davon seien die Kapitalmärkte in Schwellenländern wie Indien. „Das bisherige Procedere war paradox: Aufgrund des Abschwungs investierten viele in US-Anlagen und damit in den Dollar, weil dieser immer als sicherer Hafen galt. Die Ironie: Die USA profitierten, statt für ihre Sünden bestraft zu werden.“ Das sich diese Situation nun ändere, habe drei Ursachen: Zum einen nehme die Risikobereitschaft wieder zu, weil viele glaubten, dass die Talsohle der globalen Krise erreicht sei. Zum anderen werde die Entkopplung einiger Wirtschaftsnationen wieder für möglich gehalten. Und schließlich würde die Welt die strukturellen Probleme der USA endlich ernst nehmen. „Die etablierten Wirtschaftsnationen werden die Krise langsam und nachhaltig hinter sich lassen. Die großen Schwellenländer aber, wie China oder Indien, werden sich bereits bis Mitte 2010 substanziell von der Krise erholt haben – weil sie auf eine hohe, wachsende Binnennachfrage setzen können.“

Vor einem eisigen Wind warnt die Financial Times die Triple-A-Nationen: „Nachdem Großbritannien in der vergangenen Woche mit einer möglichen Abwertung durch die Ratingagentur Standard & Poor’s konfrontiert wurde, ist der Status der reichen Länder als sicherer Hafen für potenzielle Investoren in Gefahr.“ Der Club der Triple-A-Länder sei dieses Jahr geschrumpft, Spanien und Irland seien im März von S & P abgewertet worden. „Nun wächst die Angst, dass auch die USA oder Deutschland herabgestuft werden könnten. Die Welt hat sich vollkommen verändert.“ Wie gefährdet gerade die Triple-A-Nationen unter den G7 seien, sei jedoch unklar: „Die US-Schulden werden nach OECD-Prognosen 78 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreichen, doch das Land kann sich höhere Schulden erlauben als Großbritannien, weil der Dollar Reservewährung ist.“ Auch Frankreichs Schulden explodierten, 76 Prozent des Bruttoinlandsprodukts seien zu erwarten, doch Frankreich sei Mitglied der Eurozone – und könne mit dem Euro ebenfalls auf eine Reservewährung bauen.

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