Internationale Presseschau vom 25.6.2009
EZB-Tender: Letzte Bewährungsprobe für Banken

Die internationale Wirtschaftspresse ist nach der gigantischen Liquiditätsspritze der EZB gespalten. Vedomosti verfolgt die Expansion von Fraport in Russland. Les Echos warnt vor einem Handelskrieg der USA und Europas mit China. Die Economic Times will Air India privatisieren. Fundstück: Sex-Flatrate gegen Freier-Flaute.

Die Europäische Zentralbank hat beim ersten Jahrestender ihrer Geschichte Banken und Sparkassen der Euro-Zone 442 Milliarden Euro zugeteilt - deutlich mehr als zuvor erwartet -, zu einem Rekordzinssatz von minimalen 1 Prozent. Das Wall Street Journal gratuliert der EZB zu ihrem Schritt, mit dem sie die Kritik, sie tue im Kampf gegen die Krise zu wenig, entkräfte. Im Vergleich zur Federal Reserve und Bank of England agiere die EZB klüger. Die Briten und Amerikaner hätten ihre Feuerkraft dafür eingesetzt, die Banken zu umschiffen und direkt Assets zu kaufen. Der Ansatz der Europäer demonstriere den vergleichsweise großen Stellenwert des Bankensystems in Europa und die Schwierigkeiten der EZB bei einem Ankauf von Staatsanleihen. "Der Vorteil des EZB-Ansatzes: Er benötigt keine komplizierten Exit-Strategien. Sobald die Drei-Monats-, Sechs-Monats- und Ein-Jahres-Mittel fällig werden, wird die EZB-Bilanz automatisch schrumpfen." Demgegenüber seien Fed und BoE in der Bredouille, erklären zu müssen, wie sie die exzessive Liquidität wieder "aufsaugen" könnten.

Aus Sicht der Financial Times Deutschland ist die gigantische Liquiditätsspritze der EZB die letzte Bewährungsprobe für die Banken - nun werde sich zeigen, ob sie das Geld an die Unternehmen weiterreichten oder in Anlagen horteten. Sollten die Institute die billigen Euro-Kredite beispielsweise in Ländern mit höherem Zinsniveau anlegen - wie gestern offenbar in Ungarn -, wäre dies ein Skandal. "In diesem Fall müssten sich EZB und nationale Regierungen Gedanken machen, wie sie die Kreditversorgung der Wirtschaft sichern." Dann könne der Kauf von Unternehmenspapieren als letztes Mittel nötig werden. "Doch es birgt die Gefahr, die Wirtschaft mit Geld zu überschwemmen und die Inflation in die Höhe zu treiben. Dieses Risiko ist zumindest derzeit noch zu groß."

Die Neue Zürcher Zeitung blickt skeptisch auf die Geldflut der EZB, die mit ihren Maßnahmen den Interbankenmarkt quasi an sich gezogen habe. Ihren starken Hebel habe die Zentralbank zuletzt im Januar gezeigt, als sie den Abschlag gegenüber dem Leitzins von 50 auf 100 Basispunkte vergrößert und so das Anlegen von Mitteln bei ihr wieder weniger attraktiv gemacht habe - laut EZB würden allein dadurch die Banken 50 Milliarden Euro weniger bei der Notenbank deponieren und eher wieder anderen Banken zur Verfügung stellen. "Die starke Präsenz der EZB kann den Handel somit auch lähmen. Man kann deshalb die Einführung des 12-Monate-Tenders auch kritisch sehen. Wenn Banken wissen, dass sie jederzeit und zu Laufzeiten von bis zu einem Jahr auf die EZB zurückgreifen können, wird ihre Motivation kaum steigen, auf dem Interbankenmarkt untereinander zu handeln."

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