Internationale Presseschau vom 25.8.2008
Olympia in Peking: Potemkinsche Spiele

Die internationale Wirtschaftspresse zieht eine ernüchternde Bilanz der Olympischen Spiele. Der Spiegel beschreibt, wie Gazprom mit Hilfe von Ex-Stasi-Spitzeln nach Deutschland drängt. Die Gulf Times kritisiert das neue deutsche Außenwirtschaftsgesetz. Vedomosti vergleicht die Kaukasus- und Kosovo-Konflikte. Fundstück: Interfax lässt Liberale träumen.
  • 0

The Globe and Mail aus Kanada glaubt, dass die kommunistische Partei Chinas gestärkt aus der Olympiade hervorgehen werde - sie regiere seit 59 Jahren, länger als jede andere Regierung weltweit, und profitiere jetzt vom Goldmedaillen-Regen und der patriotischen Stimmung im Land. "Dies waren Potemkinsche Spiele, bei denen die sozialen und politischen Probleme Chinas hinter einer Fassade spektakulärer Architektur, heiterer Freiwilliger und enthusiastischen Besuchern versteckt wurden", bilanziert das kanadische Blatt.

The Standard aus Hong Kong rechnet nicht damit, dass die Olympiade zu einem politischen und sozialen Wandel in China beiträgt. Der Medaillenregen habe das ohnehin schon deutlich ausgeprägte Nationalbewusstsein in der Bevölkerung noch verstärkt und der Regierung Rückenwind beschert. Dies liege jedoch weder an den Olympischen Spielen noch an den Athleten, sondern an der falschen Annahme, dass die Olympiade jenseits der Sportwelt etwas bewirken könne. "In Wirklichkeit, und trotz der Olympischen Charta, haben die Spiele nie einen Einfluss auf politische Regime oder den Weltfrieden gehabt", erklärt die Zeitung nüchtern.

Die Far Eastern Economic Review (FEER) blickt in die Zeit nach der "olympischen Ausrede" - zehn Jahre lang habe die Regierung Reformvorschläge wie die vollständige Legitimierung privaten Besitzes oder Sanierung des riesigen bürokratischen Apparates mit dem Verweis "erst nach den Olympischen Spielen" hinausgezögert. Jetzt werde sich zeigen, ob China in der Außenpolitik neue Wege gehen oder sich von seinem autokratischen System verabschieden werde, das weiterhin den Kommunismus als Label verwendet. Ob sich China nach außen hin stärker verschließen werde, da man auf das Wohlwollen der Außenwelt nicht mehr angewiesen sei - oder ob es, gestärkt durch den Dialog mit dem Ausland, selbstbewusster auftreten werde.

Der britische Independent sorgt sich um die nächsten Olympischen Spiele im eigenen Land, nachdem Sponsoren wie Johnson & Johnson, Lenovo und Kodak angekündigt haben, ihr Engagement zu überdenken. Zwar werde der Medaillenregen für britische Sportler und die Tatsache, dass es in Großbritannien keine politischen oder Drogen-Skandale geben werde, die Suche nach Sponsoren erleichtern. Gleichwohl würden sich immer mehr Firmen angesichts des wirtschaftlichen Abschwungs fragen, ob sie bis zu 80 Millionen Pfund bezahlen, um ihren Namen an ein 16 Tage dauerndes Ereignis zu binden - der Preis beinhalte noch nicht einmal, dass die eigene Marke innerhalb der Stadien beworben werde. Die Situation werde umso schwieriger, da der Anteil der Sponsorengelder am Budget des IOC (insgesamt rund fünf Milliarden Pfund) rasant auf 40 Prozent gestiegen, während der Anteil der Erlöse durch TV-Rechte auf 50 Prozent gesunken sei und die Ticket-Verkäufe bei 8 Prozent lägen.

Seite 1:

Olympia in Peking: Potemkinsche Spiele

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Internationale Presseschau vom 25.8.2008: Olympia in Peking: Potemkinsche Spiele"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%