Internationale Presseschau vom 25.9.2008
Gier essen Angst auf

Die internationale Wirtschaftspresse sucht nach Motiven für den Einstieg von Warren Buffett bei Goldman Sachs. Japan Times und Nesawissimaja Gazeta verfolgen die Tragödie der russischen Wirtschaft. Challenges sieht in der Übernahme von British Energy die erste Verstaatlichung eines ausländischen Unternehmens. Fundstück: ruckzuck SMS-Millionär.
  • 0

Der Multimilliardär Warren Buffett steigt mit mindestens fünf Milliarden Dollar bei der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs ein. Nach Einschätzung der Neuen Zürcher Zeitung sei es zwar erstaunlich, dass Buffett nach der "albtraumhaften Episode" mit dem Wertschriftenhaus Salomon Brothers in den frühen neunziger Jahren einmal mehr einen Fuß an die Wall Street setze. Gleichwohl erfülle das Engagement bei Goldman Buffetts Investitionskriterien: Goldman Sachs sei noch immer ein Markenname mit globalem Glanz, die Bank verfüge über ein ausgewiesen gutes Management und könne auf Jahre überdurchschnittlicher Performance hinweisen; außerdem stimmten die Konditionen: Mit zehn Prozent erhalte Buffett eine großzügige und gesicherte Verzinsung des Vorzugskapitals.

Der Business Spectator aus Australien erkennt in Buffetts Entscheidung ein Vertrauensbekenntnis gegenüber Goldman sowie ein Zeichen für Buffetts Annahme, dass sich die Balance im US-Finanzsystem von "Risiko" zu "Gelegenheit" verlagere. Außerdem passe das Investment zu Buffetts Motto, man sollte gierig werden, wenn andere ängstlich sind, müsse aber Angst haben, wenn andere gierig werden. "Das zu stabilisieren, was von der Wall Street übrig geblieben ist, ist ein kleiner, aber notweniger Schritt, um Angst und Abscheu im US-System zu verringern", begrüßen die Australier Buffetts Schachzug. Dieser werde private Anleger dazu ermutigen, weniger ängstlich, aber gieriger zu werden.

Der US-Wirtschaftsdienst The Motley Fool interpretiert Buffetts Engagement als "klare Botschaft" an die Weltmärkte: "Ich bin nicht panisch. Ich glaube nicht, dass die Welt am Ende ist. Ich finde Schnäppchen, die ihr auch finden solltet." Das Signal des US-Investors könne - viel stärker als Ben Bernanke und Hank Paulson zusammengenommen - die Märkte beruhigen, die von Angst belagert würden. Gleichwohl dürfe sich das Gros der Banken jetzt nicht wieder bei Finanzwerten engagieren: Man solle nicht vergessen, dass Buffett in einer eigenen Liga spiele und bei diesem Deal Konditionen erzielt habe, die von anderen kaum zu erreichen seien. Dennoch: Dies sei Buffetts erster großer Deal seit Ausbruch der Finanzkrise. "Wenn es ein besseres Anzeichen geben sollte, dass die Dinge eine Talsohle erreicht haben, dann wüsste ich nicht welches."

Seite 1:

Gier essen Angst auf

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Internationale Presseschau vom 25.9.2008: Gier essen Angst auf"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%