Internationale Presseschau vom 26.11.2008
Washington auf Zickzackkurs

Nachdem die USA ihr Rettungsprogramm für die Wirtschaft um 800 Milliarden Dollar aufgestockt haben, meldet die internationale Wirtschaftspresse Zweifel an. Die Nesawissimaja Gazeta warnt vor dem allzu optimistischen russischen Haushaltsentwurf. Portfolio bringt Licht in die verwinkelte Finanzwelt von Scientology. Fundstück: Schneegestöber im Geldverkehr.

Die Welt geißelt den Zickzack-Kurs von US-Finanzminister Henry Paulson, der sich mit der Einschätzung, Lehman Brothers nicht retten zu müssen, getäuscht habe, dann mit seinem Rettungsplan im Kongress hängen geblieben sei, später den Akzent vom Aufkauf fauler Kredite auf die direkte Beteiligung an Banken gelegt habe, jetzt aber merke, dass die Regierung den Banken doch die im Moment fast wertlosen Papiere abnehmen müsse - und dazu, weil er selbst nicht das Geld habe, die US-Notenbank Federal Reserve einspringen lasse. "Das Resultat ist eine totale Verunsicherung der Märkte. Außerdem wird das Paket nun viel teurer: Indem die Fed den Hauptteil der Last übernimmt, opfert sie de facto den letzten Rest ihrer Unabhängigkeit", meinen die Berliner. "Da macht es nicht wirklich Mut, dass mit Timothy Geithner ein Notenbanker und Kenner der Wall Street Nachfolger Paulsons wird. Der New Yorker war an den bisherigen Rettungsaktionen beteiligt und trägt zumindest eine Teilverantwortung für das Chaos."

Auch der Wiener Standard warnt vor der "improvisierten, sprunghaften und unüberlegten" Vorgangsweise der Bush-Regierung. "Zwar verschlimmert sich die Lage im Finanzsektor von Tag zu Tag und fordert flexibles Handeln, aber etwas mehr strategisches Denken würde auch die Märkte beruhigen helfen." Demgegenüber kämen die besten Ideen derzeit vom britischen Premier Gordon Brown, der erst die Staatsbeteiligung an den Banken vorexerziert habe - die weltweit kopiert worden sei - und nun eine vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer vornehme; und die Chancen stünden gut, dass der Handel die Entlastung weitergebe und dies den Konsum ankurbele. "Nun, da die EU-Kommission den britischen Vorschlag übernommen hat, wächst auch der Druck auf Deutschland und Frankreich, die das bisher abgelehnt haben."

Milder fällt das Urteil des Wall Street Journal aus. Das neue Programm der US-Regierung "Term Asset-Backed Securities Loan Facility" (TALF), in dem die Notenbank Wertpapiere aufkaufen will, die mit Verbraucher- und Unternehmenskrediten besichert sind, könnte funktionieren, besonders, falls Investoren die Fed überzeugen könnten, die Laufzeit auf über ein Jahr auszudehnen. Problematisch seien jedoch weiterhin die Wertpapiere ohne Triple-A-Rating, die von der Fed nicht akzeptiert würden. Die Banken seien abgeneigt, diese in ihren Büchern zu halten, und würden deshalb möglicherweise weniger Kredite bewilligen. "Die Fed hat bereits einige Grenzen überschritten, um die Verrenkungen des Marktes zu beseitigen und den Kreditfluss zu sichern. Sie muss wohl eine weitere überschreiten und auch Papiere mit niedrigerem Rating für TALF akzeptieren. Doch selbst dann wird der Markt der besicherten Kredite voraussichtlich kaum seinen ursprünglichen Umfang wiedererlangen", ahnt das Blatt.

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