Internationale Presseschau vom 26.6.2009
Bernanke-Anhörung: Fed unter Feuer

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die Anhörung von Ben Bernanke vor dem US-Kongress wegen der umstrittenen Übernahme von Merrill Lynch durch die Bank of America. Les Echos untersucht den neuen kartellrechtlichen Eifer der Regierung Obama. Dagens Industri begrüßt den neuen H&M-Chef. Fundstück: Kontroverse um Schweineohren und Windeln.

Die Financial Times kommentiert die Anhörung von Ben Bernanke vor dem US-Kongress, bei der der Fed-Chef erklärt hat, er habe bei der umstrittenen Übernahme von Merrill Lynch durch die Bank of America seine Kompetenzen nicht überschritten und keinen Druck auf die BoA ausgeübt. Angesichts der komplizierten Konstellation der Übernahme, an der verschiedene Regierungszweige sowie zwei Banken beteiligt gewesen seien, seien schon vorab keine klaren Antworten zu erwarten gewesen, meint das Blatt. Bernankes "Gegrilltwerden" habe die Stimmen der Kritiker verstärkt, die der US-Notenbank nicht mehr Macht im Zuge der Reform der Finanzaufsicht verleihen wollen. Indem der Fed-Chef jedoch zum "politischen Boxsack" gemacht werde, stehe das Ansehen der Fed auf dem Spiel, warnt die FT. Bei der Entscheidung, den Vertrag von Bernanke zu verlängern oder nicht, müsse Barack Obama den ganzen "Lärm" der Debatte beiseite schieben. Zwar würden die Folgen der verschiedenen Fed-Schritte erst in ein paar Jahren klar. Aus heutiger Sicht verdienten Bernanke & Fed jedoch das Vertrauen der Märkte.

Das Wall Street Journal stellt den scharfen Ton bei der Anhörung von Bernanke vor dem House Committee on Oversight and Government Reform in den Vordergrund. Die Mitglieder des Kommittees hätten Bernanke häufig unterbrochen und heftig attackiert - dies sei das "rauste öffentliche Gegrilltwerden" eines Zentralbankenchefs seit den späten 1990ern gewesen, rekapituliert das WSJ. Im Hintergrund schwele die Unruhe angesichts der Rolle der Fed im Kampf gegen die "Panik auf den Finanzmärkten". Durch die zunehmende Kritik an der Fed wachse die Gefahr, dass die US-Notenbank dem politischen Druck ausgesetzt werde, dem sie sich jahrzehntelang habe entziehen können. Für viele Gesetzgeber sei die BoA-Saga ein Symbol ihrer "grundlegenden Frustration": Kritiker aus dem rechten Spektrum, die seit langem die Macht der Fed anzweifelten, meinten, die Fed habe zu aggressiv in den privaten Sektor eingegriffen; linke Kritiker monierten, das Vorgehen der Fed sei undurchsichtig gewesen.

Die Wall Street Journal-Schwester MarketWatch wütet und nimmt unter anderen den Fed-Chef unter Beschuss: Während der ersten Großen Depression hätten "Staatsfeinde" die Banken ausgeraubt, heute säßen diese in den Banken sowie in der Regierung: "Helicopter Machine Gunner" Bernanke" oder "Clyde" Geithner. Sie raubten das Volk aus, kosteten den Steuerzahler Billionen Dollar - und, am schlimmsten: Der US-Präsident liebe diese "Gang" auch noch. Fazit: "Gebt die Rettung nicht in die Hände derselben Idioten, die das Chaos verantwortet haben", mahnt der Wirtschaftsdienst - und sieht bereits die "USS Utopia" auf Titanic-Kurs.

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