Internationale Presseschau vom 26.8.2009
Ben Bernanke: Retter oder Schuldiger?

Die internationale Wirtschaftspresse zeigt sich angesichts der erneuten Nominierung von Ben Bernanke als US-Notenbankchef gespalten. Das Wall Street Journal kritisiert die Bundesregierung für ihre Opel-Strategie. La Tribune warnt vor neuen Blasen auf den Finanzmärkten. Fundstück: Feiern mit Ackermann, Atterochsen und Kader.

Die Financial Times geißelt Barack Obamas Entscheidung, Ben Bernanke eine zweite Amtszeit als Chef der US-amerikanischen Notenbank zu gewähren, als kurzsichtig. Auch wenn Bernanke Anerkennung für seine kreative und mutige Krisenbekämpfung verdiene, sei es doch wichtig, auch an seine Fehler zu erinnern, die erst zur tiefsten Rezession sei den 30er-Jahren geführt hätten: Erstens habe er die Politik des billigen Geldes seines Vorgänger Alan Greenspan fortgesetzt, die erst die Voraussetzungen für die Bildung der Finanzblasen geschaffen habe. Zweitens sei Bernanke der intellektuelle Vorreiter der Theorie gewesen, nach der nicht die USA, sondern die Asiaten mit ihrer übermäßigen Sparneigung schuld an der „Blasenanfälligkeit“ der USA gewesen seien. Drittens sei Bernanke aus demselben marktliberalen Holz geschnitzt wie Greenspan. Sein Glaube an die Selbstregulierung der Märkte habe ihm die Kontrolle über die Finanzmärkte entgleiten lassen. „Die Welt braucht Banker, die eine Krise verhindern können, und keine die besonders gut in Schadensbegrenzung sind“, resümiert das Blatt.

Durchaus überraschend habe sich US-Präsident Barack Obama entschieden, den umstrittenen Notenbankchef für eine zweite vierjährige Amtsperiode zu ernennen, schreibt die Börsen-Zeitung. Der Präsident habe damit Weitsicht bewiesen und sich souverän über parteipolitisches Gerangel hinweg gesetzt. Die Demokraten hätten viel lieber den sozialliberalen Ökonomen Lawrence Summers an der Spitze der Fed gesehen. Obama wisse jedoch, dass Summers ein „unberechenbarer Hitzkopf“ sei. „Bernanke hat wenigstens immer einen kühlen Kopf behalten“, meint das Blatt. Gerechtfertigt sei Obamas Entscheidung auch, weil Bernanke 2006 ein „denkbar schweres Erbe“ angetreten habe. Sein Vorgänger Greenspan habe schärfere Kontrollen der Subprime-Industrie verhindert und trage die Verantwortung für die Immobilienblase. Bernanke habe in seiner ersten Amtszeit zur Stabilisierung des Finanzsystem beigetragen. „In seiner zweiten Amtszeit muss er eine vernünftige ,Exit-Strategie' formulieren und jene riesige Liquidität, mit der sein Haus das System überschwemmt hat, in geregelter Form wieder abzuziehen“, blickt die Zeitung nach vorne.

Bernanke sei der falsche Mann für diesen Job, titelt das US-Magazin Forbes. Obama verschließe mit seiner erneuten Nominierung die Augen vor den Fehlern des Fed-Chefs. Obama erinnere sich wohl lieber an die vergangenen neun Monate, in denen Bernanke die US-Wirtschaft vor dem Abrutschen in eine zweite „Great Depression“ bewahrt habe. Was Obama ausblende, seien die ersten zwei Jahre von Bernankes Amtszeit, in denen er die Voraussetzungen für den jetzigen Schlamassel erst geschaffen habe. Auch seine Rolle beim Lehman–Debakel, das eine große Panik im vergangenen Jahr ausgelöst habe, scheine Obama zu vergessen. Die Fed stehe nun vor der gewaltigen Aufgabe, die Inflation zu verhindern. „Da die Entscheidung für Bernanke nun gefallen ist, können wir nur hoffen, dass ihm die Götter gnädig sind und seine zweite Amtszeit besser verläuft“, schreibt das Blatt.

Die Wahl Bernankes sei konsequent und richtig, findet dagegen die Financial Times Deutschland. Zwar habe der ehemalige Princeton-Professor in seiner ersten Amtszeit und auch im Kampf gegen die globale Finanz- und Wirtschaftskrise durchaus den einen oder anderen Fehler begangen. Zugleich hat er aber wesentlich dazu beigetragen, dass aus dieser weltweiten Krise keine zweite Große Depression wurde. „Er verdient das Vertrauen, die sich zuletzt ein wenig stabilisierende US-Wirtschaft endgültig aus dem Tal der Tränen zu führen“, kommentiert die Zeitung. Seine Fehler würden überragt von seinem beispiellos aggressiven Kampf gegen die Finanz – und Wirtschaftskrise. Bernanke habe den Leitzins auf 0 bis 0,25 Prozent gesenkt und Hunderte Milliarden Dollar in die Wirtschaft gepumpt. Selbst vor dem Kauf von Staatsanleihen - lange ein Tabu unter westlichen Notenbanken - habe er letztlich nicht halt gemacht.

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