Internationale Presseschau vom 27.1.2009
Pfizer: Opfer des Größenwahns

Die internationale Wirtschaftspresse diskutiert Für und Wider der Übernahme von Wyeth durch den Pharma-Riesen Pfizer. Challenges begrüßt die Staatshilfe für BNP Parisbas. Die Tageszeitung klagt über den Beigeschmack von Klassenjustiz beim Zumwinkel-Urteil. La Repubblica fordert Hilfsmaßnahmen für Italiens Autoindustrie. Fundstück: Erfolg dank Testosteron.

"Pfizer ist Opfer seines Größenwahns geworden", lautet der Kommentar von Le Temps aus der Schweiz zu der Übernahme von Wyeth. Vom Erfolg seiner Verkaufsschlager, allen voran Lipitor, überholt und ausgelaugt, habe die Nummer Eins im Pharmasektor die Flucht nach vorn angetreten. "Pfizer hat nicht die Zeit, um ein neues Geschäftsmodell zu entwickeln. Nun soll eine neue Fusion helfen, die Umsatzzahlen zu steigern." Immerhin bringe Wyeth den Einstieg ins Geschäft mit Impfstoffen. Dagegen mittelfristig auf ein neues, mehr der Wissenschaftlich zugewandtes Geschäftsmodell zu setzen, hätte fürs erste magere Jahre und eine aufreibende Jagd nach neuen Rezepten bedeutet. "Doch dies den Aktionären vorzuschlagen, die kurzfristig angelegte Erwartungen hegen, war offenbar undenkbar." Abgesehen davon werde der Deal eine neue Übernahmewelle in der Branche auslösen, die u. a. Novartis (Sandoz-Ciba), AstraZeneca oder Sanofi-Aventis mit sich reißen könnte.

Skeptisch bewertet auch BusinessWeek den Deal zwischen Pfizer und Wyeth: "Die Übernahme wird zwar Pfizer kurzfristig Auftrieb verleihen, aber das löst nicht die langfristigen Probleme, mit denen derzeit alle Pharmazieunternehmen kämpfen." Allen, auch Pfizer, mangele es an viel versprechenden neuen Produkten, die Präparate ersetzen, deren Patente nach und nach ablaufen. Pfizer werde mit einem zunehmend engen Marketingumfeld konfrontiert, und da helfe auch der Deal mit Wyeth wenig. "Der US-Congress ist dabei, die Direktwerbung von Pharmakonzernen für ihre Medikamente zu beschränken, bereits letztes Jahr traten strengere Regeln bei der Werbung in Industriemärkten und in Arztpraxen in Kraft." Zudem würden auch Universitäten und Hospitäler strengere Richtlinien hinsichtlich der Finanzierung von Forschungsprojekten durch Konzerne formulieren. Dennoch könne die Fusion der beiden einen neuen Trend in der Branche begründen. Eine Analystin der Credit Suisse habe verlauten lassen, Bristol-Myers Squibb werde als nächster Übernahmekandidat gehandelt.

"Wyeth kann Pfizer heilen", hält die International Herald Tribune dagegen. "Pfizer weiß einiges über Medizin, aber bislang hat der Pharmaziegigant kein Mittel gegen das Leid seiner Anteilseigner finden können: Die Aktien auf einem Level wie 1997 und eine Rezession, die Wachstum zur großen Herausforderung macht. Ein möglicher Deal mit Wyeth könnte da helfen." Nicht so sehr, weil der kleinere Wettbewerber viel versprechende Entwicklungen oder Ersatz für verlorene Patente mitbringe. Die beiden Unternehmen könnten einfach ihre Kosten merklich reduzieren und ihre Forschungs- und Entwicklungsabteilungen zu effektiveren Einheiten zusammenlegen. "Selbst wenn die Wyeth-Aktionäre mehr Geld wollten, könnte Pfizer problemlos einen Kredit aufnehmen. Denn Pfizer dürfte recht schnell die Wyeth-Sparten verkaufen, die nicht zu seinem Geschäft gehören." Und schließlich könnten Pfizer und Wyeth nicht die einzigen Konzerne der Branche bleiben, die in Zeiten, in denen Regierungen ihre Gesundheitsausgaben drosseln, die Vorzüge eines Zusammengehens schätzen.

Seite 1:

Pfizer: Opfer des Größenwahns

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%