Internationale Presseschau vom 27.7.2009
Hände weg von der Autoindustrie!

Die internationale Wirtschaftspresse warnt vor der Einflusseinnahme von Politikern und anderen "Rettern" in die globale Automobilindustrie am Beispiel von Opel und der US-Abwrackprämie. Laut Economist kränkelt Deutschland bald erheblich. L?Expansion sieht Amazon nach der vergangenen, schwarzen Woche nicht geschwächt. Fundstück: Die Krise verfolgt die Menschen bis ins Grab.

Einen radikalen Wandel prognostiziert die Financial Post aus Kanada der globalen Automobilindustrie: "Am Ende werden ein Dutzend geopolitische Koalitionen stehen, die politische und wirtschaftliche Ziele auf ihrer Agenda haben." Beispiele seien die Verhandlungen um Chrysler und Opel. Bei Chrysler habe Fiat einen Teil übernehmen können - u. a. dank der Zustimmung der amerikanischen und der kanadischen Regierung. Bei Opel in Deutschland sei der kanadische Autoteilezulieferer Magna im Rennen, in Kooperation mit Russland - ein Land, das in Deutschland seit der Politikerfreundschaft zwischen Wladimir Putin und Gerhard Schröder wachsende Akzeptanz genieße. Zudem habe nun ein Konsortium aus Belgiern, Amerikanern und Japanern Interesse bekundet. "Autos sind nicht mehr länger das große Geschäft, bei dem ausschließlich große Konzerne mitmischen. Die Sieger in den aktuellen Schlachten um Marken wie Opel müssen künftig in der Lage sein, multilaterale Partnerschaften zu kreieren und zu managen, bei denen alle eine Rolle spielen: Arbeiter, Politiker, Behördenleiter und Investoren."

"Wer solche Retter hat, braucht keine Feinde mehr", meint die Financial Times Deutschland zu den Entwicklungen bei Opel. Bei dem Autobauer werde immer offensichtlicher, dass "einige, die sich die Erhaltung des Unternehmens auf die Fahnen geschrieben haben, entweder andere Interessen verfolgen - Wahlkampf! - oder aber weitgehend ahnungslos sind." Zum Beispiel Opel-Betriebsratschef Klaus Franz, der sich in Verschwörungstheorien ergehe und das Bundeswirtschaftsministerium für ein Gutachten kritisiere, das allen drei Opel-Bietern vernichtende Zeugnisse ausstellt. "Franz zeigt, dass er noch nicht verstanden hat, wer die Opel-Rettung am Ende bezahlen muss, wenn er das Gutachten derart nonchalant zur Seite wischt." Denn das sei der deutsche Steuerzahler, der im Fall Magna - dem einzigen Bieter, den Franz akzeptieren wolle - 4,5 Milliarden Euro hinblättern soll, die er vermutlich nie mehr wiedersehe. Der Betriebsratschef sei aber nicht der einzige selbst ernannte Opel-Retter, der das Gutachten in Ruhe studieren sollte, auch die Ministerpräsidenten der Opel-Länder hätten sich vorschnell auf Magna festgelegt. "Selbst wenn das inhaltlich gerechtfertigt wäre: In den Verhandlungen mit GM wäre der Regierung geholfen, wenn sie die Insolvenz als Drohkulisse glaubhaft aufrechterhalten könnte."

Das Wall Street Journal geißelt die "Dummheit" amerikanischer Politiker bei der Konzeption der neuen Abwrackprämie für alte Autos, die nun auch in den USA eingeführt wurde: das eine Milliarde schwere "Cash for Clunkers"-Programm ("Kohle für alte Kisten"). "Das Programm soll die US-Autoindustrie unterstützen, obwohl bereits 100 Milliarden Dollar in GM, Chrysler & Co. gepumpt wurden." Im Vergleich dazu sei eine Milliarde Dollar geradezu lächerlich und könne den Autoherstellern kaum helfen: Der Erwerb von rund 250.000 neuen Autos könne damit gefördert werden, das mache weniger als drei Prozent der US-Autoproduktion aus. Auch die Bedingungen zum Neukauf seien haarsträubend: "Um die Prämie zu bekommen, muss man ein Auto kaufen, das mindestens vier Meilen pro Gallone mehr schafft. Bei Geländewagen muss der Neuwagen nur eine Meile pro Gallone mehr schaffen!" Das Blatt empfiehlt, selbst unter www.cars.gov zu lesen, wie verworren das ganze Programm sei. "Aber bitte nicht weinen angesichts der Dummheit unserer Politiker. Man sollte über sich selbst weinen - weil man sie gewählt hat."

Seite 1:

Hände weg von der Autoindustrie!

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%