Internationale Presseschau vom 27.8.2009
Bonus-Beschränkung: Sarkozy ist Avantgarde

Die internationale Wirtschaftspresse ist überwiegend angetan von Nicolas Sarkozys Plan zur Regulierung von Bonuszahlungen. Laut Expansión sind spanische Immobilienfirmen im Aufwind. Kommersant beleuchtet Russlands Urangeschäfte in der Mongolei. Veckans Affärer meint, das Schlimmste sei in Schweden überstanden. Fundstück: UBS - die Rache der Ex-Ehefrauen.

Der Plan von Nicolas Sarkozy, Boni künftig zeitverzögert über drei Jahre auszahlen zu lassen und ungehorsamen Banken die Regierungsaufträge zu entziehen, wird in der internationalen Wirtschaftspresse vorwiegend positiv aufgenommen. Anders das Wall Street Journal, das an der Umsetzbarkeit von Sarkozys Plan auf einer internationalen Ebene zweifelt und die "Komplexität, eine solch kleine Zielgruppe ins Visier zu nehmen", als Grund nennt. Statt der Symptome exzessiver Boni müssten die Ursachen behandelt werden: Die Kapitalanforderungen in den Handelsabteilungen der Banken müssten verschärft werden, da es die Händler seien, die richtig viel Geld verdienten, indem sie hohe Risiken eingingen, mit Bilanzen, die durch den Steuerzahler abgesichert werden. Nach Einschätzung der Bank for International Settlements müsste die Kapitalbasis einiger Handelsabteilungen verdreifacht werden, was die Tier 1-Kernkapitalquote einiger europäischer Banken laut Credit Suisse von 6,4 Prozent auf 4,4 Prozent fallen lassen würde.

Zwar sei es "so albern wie populistisch", exzessive Boni als Ursache der Finanzkrise auszumachen. Gleichwohl lasse sich kaum bestreiten, dass die Orientierung der Gehälter am kurzfristigen Erfolg die falschen Anreize gesetzt und damit neben anderen Faktoren zum Desaster beigetragen habe, schreibt die Financial Times Deutschland . Daher sei die geplante Begrenzung von Bonuszahlungen, die die Bundesregierung mit Frankreich im Kreise der G20-Staaten durchsetzen wollten, ein legitimes Anliegen. Dabei dürfe die Politik jedoch nicht zu brachial die Vertragsfreiheit verletzen. "Niemand will einen Staatskommissar, der die Höhe der Boni für einzelne Banker festlegt." Außerdem seien international verbindliche Regeln erforderlich, um Nachteile einzelner Finanzplätze im globalen Wettbewerb zu verhindern.

Les Echos warnt vor französischen Alleingängen in der Bonus-Frage, die der Wettbewerbsfähigkeit Frankreichs schadeten, weshalb die Regeln des "internationalen Spiels" geändert werden müssten. Gleichwohl würden neue Bonus-Regeln nur das Symptom behandeln. Um das "Wettrennen auf den Schatz" zu verlangsamen, müsse dessen Zusammensetzung verändert werden, also die Art und Weise der toxischen und opaken Finanzprodukte.

"Kein Land der Welt, vielleicht mit Ausnahme der Niederlande, ist bislang in der Boni-Frage so weit gegangen", lobt die Süddeutsche Zeitung den Vorstoß von Sarkozy- und das, obwohl die Empörung vor allem in den USA und England über die Millionen-Boni für Aktienhändler mitten in der Krise groß gewesen sei. Bemerkenswert sei, dass Sarkozy sich zunächst an Angela Merkel und nicht an Gordon Brown gewendet habe. Die Bundeskanzlerin könne mit den Boni im Wahlkampf punkten. Bedauerlich sei jedoch, dass im deutschen Wahlkampf keiner selber auf die Idee gekommen sei, die Boni zum Thema zu machen.

Seite 1:

Bonus-Beschränkung: Sarkozy ist Avantgarde

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%