Internationale Presseschau vom 28.10.2008
Das Beben der Devisen

Die internationale Wirtschaftspresse ergründet Ursachen und Folgen des Bebens an den Devisenmärkten. Die International Herald Tribune wünscht den USA einen neuen Kapitalismus. Die Welt kommentiert das Nein der Postbank zum Bankenrettungspaket. Die Gulf Times zweifelt an Kubas gigantischen Ölvorkommen. Fundstück: Sklavenaufstand in Schottland.
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Einen Tsunami sieht der Daily Telegraph derzeit über die Devisenmärkte hereinbrechen. "Dieser Sturm wird alles wegwaschen, und wir werden keine andere Wahl haben, als abzuwarten, bis sich die Wellen zurückgezogen haben, um zu sehen, was noch übrig ist", zitiert die britische Zeitung die düstere Einschätzung eines Insiders. Ursache sei die verstärkte Liquidation von Anlagewerten durch Hedgefonds in den Schwelleländern. "Sie legen die Gewinne nicht an, sondern behalten vorerst das Geld." Und weil die meisten Hedgefonds den US-Dollar als Leitwährung nutzten, würde dieser derzeit aufgewertet. "Das ist kein Vertrauensbeweis in die US-Wirtschaft, sondern ein rein technischer Vorgang", meint das Blatt. Englands Notenbank gerate nun gehörig unter Druck. Die Wirtschaft der Insel sehe sich nun ernsthaft mit einer Rezession konfrontiert.

Der markante Wertverfall des Euro kommt für die Neue Zürcher Zeitung nur auf den ersten Blick überraschend - ebenso wie der Aufstieg des Dollars. Denn für diese Entwicklung - wie auch für die Aufwertung des Schweizer Frankens und den japanischen Yen - gebe es Gründe. So habe sich die Währungsbalance aufgrund der Ängste Europas vor einer Rezession verschoben. Zudem seien so genannte Carry Trader Schuld an den Devisenbewegungen: "Ihre Spekulationsgeschäfte basieren auf den tiefen Zinsen von Ländern wie Japan oder der Schweiz." In der momentanen Krise seien offenbar etliche Carry Trader gezwungen, ihre Positionen aufzulösen. Um ihre Kredite zurückzuzahlen, müssten sie nun beträchtliche Mengen an Franken oder Yen aufkaufen. "Dies treibt die Kurse dieser Währungen in die Höhe." Ein weiterer Grund für das Beben auf den Devisenmärkten seien unterschiedliche Zinsniveaus: "Während die Federal Reserve den Leitzins seit Mitte September um 3,75 Prozentpunkte auf 1,5 Prozent senkte, hielt sich die Europäische Zentralbank eher zurück." Mit dem momentanen Niveau von 1,75 Prozent habe die EZB noch viel Spielraum nach unten, die Erwartung tieferer Zinsen setze den Euro unter Druck.

Für die Tageszeitung aus Berlin sind die Turbulenzen auf den Devisenmärkten ein Anzeichen dafür, dass die Finanzkrise nach 16 Monaten ein neues Stadium erreicht habe. Denn nun hätten Spekulanten die kleinen Währungen entdeckt und forcierten mit Leerverkäufen weitere Kursverluste. Der Internationale Währungsfonds, so viel sei sicher, werde in den nächsten Wochen schwer zu tun bekommen. "Die Finanzkrise ist jetzt wahrhaft global und hat auch die Peripherie und die Entwicklungsländer erreicht. Das ist eine Zäsur." Bisher hätten zumindest die Optimisten geglaubt, die Finanzkrise ließe sich irgendwie entkoppeln, stattdessen zeige sich, dass die Globalisierung total sei. Wie die globale Finanzwelt nun damit umgehen könne, sei nicht eindeutig zu beantworten, denn dieses Mal gehe die Krise ausgerechnet von den USA aus, "der Hüterin der Weltwährung". Pessimisten glaubten, dass jetzt eine Dollar-Blase platze, die seit 1982 von allen US-Regierungen aufgepumpt wurde. "Die Rettungsversuche der Währungshüter wirken angesichts dessen nur noch hilflos."

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