Internationale Presseschau vom 28.10.2009
ING-Aufspaltung schürt großes Bankenzittern

Für die internationale Wirtschaftspresse ist die Aufspaltung von ING der Anfang großer Veränderungen auf dem europäischen Finanzmarkt. Die Financial Times Deutschland gibt keine Entwarnung bei Daimler. Vedomosti sorgt sich um die rasant sinkenden Exporte von Gazprom in die EU. Fundstück: Wem gehört eigentlich Ihr Haus?
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Die von der Europäischen Kommission verordnete Aufspaltung des Bank- und Versicherungskonzerns ING in die einzelnen Sparten habe, zeige neben dem Muskelspiel der Kommission, auch zwei wichtige Trends, schreibt der Economist . Zum einen sei das Konzept der "Bancassurance", also einer integrierten Bank und Versicherung, gescheitert - am gleichen Tag wie ING habe etwa auch der Versicherer Standard Life angekündigt, seine Bankensparte an Barclays zu verkaufen. Die Aufspaltung der ING verstärke zudem den Trend unter vielen Privatkundenbanken, sich stärker auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren. "Die ING wird auf einen Weg gezwungen, den sie sowieso hätte gehen müssen", meint das Magazin. Marktteilnehmer wetteten darauf, dass Institute wie die Royal Bank of Scotland, die Lloyds Banking Group oder die belgische KBC ebenfalls zur Restrukturierung gezwungen werden könnten. Ihre Aktienkurse seien allesamt abgeschmiert.

"Die Europäische Kommission meint es also ernst", resümiert das Wall Street Journal. Die Umstrukturierung der ING falle mit der Aufspaltung in einzelne Sparten und zahlreichen anderen Verkäufen und Zugeständnissen viel radikaler aus, als zuerst angenommen. "Das sind schlechte Nachrichten für die ING und für die anderen 30 Banken, deren Umstrukturierungspläne noch die Zustimmung der EU brauchen", kommentiert das Blatt. Nach dem Umbau werde sich das Institut von einem Global Player zu einer Regionalbank der Benelux-Staaten verwandelt haben. Andere europäische Banken wie die britischen Riesen Lloyds Banking Group and Royal Bank of Scotland könnten ebenfalls gezwungen werden, einen ähnlichen Weg wie die ING zu gehen, meint auch das WSJ. "Die EU konnte mit der ING hart verhandeln, weil diese auf eine schnelle Einigung angewiesen war. Nach diesem auffälligen Erfolg der EU könnte es für andere Banken schwerer sein zu widerstehen", glaubt die Zeitung.

Die Europäische Kommission habe starken Einfluss auf die Banken, die Staatshilfe während der Finanzkrise erhalten haben, analysiert der Business Spectator aus Australien. Die ING sei kein isoliertes Beispiel für Interventionen der Kommission. Deutschlands Commerzbank habe in diesem Jahr bereits die Hälfte ihrer Bilanz abstoßen müssen, als Preis für die Zustimmung zu ihrer Rettung. Sollte die EU ihren Ansatz, den sie im Hinblick auf die ING gewählt habe, auch anderen Banken gegenüber vertreten, werde dies die Landschaft der Finanzdienstleistungen in Europa - und dadurch auch auf anderen Märkten - nachhaltig verändern. "Europa wird am Ende mit zahlreicheren, kleineren und weniger risikoanfälligen Instituten dastehen", prophezeit die Zeitung. Die Krise habe gezeigt, dass Größe und Vielfalt nicht zur Sicherheit beigetragen hätten. "Tatsächlich haben Komplexität und Größe dazu geführt, dass die Institute nicht nur ,too big to fail' geworden sind, sondern auch zu komplex zu managen und zu regulieren", kritisiert das Blatt.

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