Internationale Presseschau vom 28.11.2008
Bombays Blutzoll

Die internationale Wirtschaftspresse fragt nach den Auswirkungen der Terroranschläge für den Wirtschaftsstandort Indien. Die Zeit zweifelt am Mythos von Familienunternehmen. Hürriyet beobachtet den Vormarsch von Media Markt in der Türkei. Die FEER analysiert die Auswüchse der südkoreanischen Internet-Gesellschaft. Fundstück: Freiraki für Obama & Co.

Die Times of India befürchtet einen Einbruch im Touristikgeschäft, nachdem die ganze Welt verfolgt habe, wie Indiens Finanzmetropole attackiert wurde. Die Tourismusindustrie habe ohnehin schon einen Einbruch von 20 Prozent durch die Folgen der Finanzkrise verzeichnet und jetzt jede Hoffnung auf eine Wiederbelebung aufgegeben. Da die Terroristen besonders Jagd auf Briten und US-Amerikaner gemacht hätten, werde der Rückgang umso dramatischer ausfallen - aus diesen beiden Ländern kämen die meisten Touristen nach Indien. In einem zweiten Artikel zeigt sich das Blatt zuversichtlich, dass die Börse am heutigen Freitag wieder eröffnet, obwohl ein Viertel der Makler und Anlagefonds in den Vierteln ihren Sitz hätten, in dem sich die Terroristen noch bis gestern Abend verschanzt hätten. Analysten gingen zwar von massiven Verkäufen zur Wiedereröffnung der Börse aus, danach werde sich der Markt aber wieder beruhigen und dem Positivtrend der globalen Märkte folgen, prognostiziert das Blatt. "Trotz der Rückgänge in einzelnen Sektoren ist die indische Wirtschaft auf einem guten Weg, in diesem Jahr um sieben Prozent zu wachsen, das könnte Weltspitze sein."

Noch sei nicht klar, wie hoch der Blutzoll der koordinierten Attacken auf mehrere Luxushotels in der wichtigsten Wirtschaftsmetropole des Landes sein werde, schreibt das Wirtschaftsblatt aus Österreich. Klar sei allerdings, dass die Terroristen nicht nur Bombay, sondern auch die Wirtschaft des Landes destabilisieren wollten. Die kommenden Monate würden für das Land besonders brisant. Die Wirtschaftskrise könnte den Aufstieg vieler Millionen Inder aus bitterster Armut gefährden; außerdem sei der Konflikt mit dem islamischen Nachbarn Pakistan weiter ungelöst. Immerhin sei das politische System im ansonsten chaotischen Indien bemerkenswert stabil. "Und Bombay ist schon mit schlimmeren Anschlägen fertig geworden." Schwieriger sei indes die Lage in Thailand, wo ein Putsch der Generäle und ein Bürgerkrieg drohten. "Der Zeitpunkt für derartige Mätzchen ist denkbar schlecht - die sich rapide verschlechternde Konjunktur ist Herausforderung genug."

Globe and Mail aus Kanada schreibt, dass die Terroristen zwar einen Tag lang ihre Ziele erreicht hätten: Die Börse sei geschlossen worden, und der Abgang ausländischen Kapitals sei beschleunigt worden. "Das Vertrauen in Indien wird aber rasch wieder zurückkehren", versichert die Tageszeitung. "Indien hat eine dynamische Wirtschaft. Viel davon dreht sich um den Binnenkonsum und nicht um ausländische Märkte. (...) Indien wird sich von den Gewalttaten der Terroristen erholen, wie es sich von früheren Bomben-Attacken erholt hat. Bis dahin muss die Welt ihren Glauben an diese große Demokratie und ihre guten Zukunftsaussichten aufrechterhalten."

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